Energie. Wind, Wasser und Sonne reichen nicht aus: Der enorme Strombedarf für KI-Infrastruktur sorgt für ein Comeback der Atomkraft. Damit steigt auch die weltweite Nachfrage nach dem Brennstoff Uran.
Der Grafikprozessoren-Kaiser Nvidia, der inzwischen ganze KI-Infrastrukturen liefert, hat kürzlich mit seinen Quartalszahlen gezeigt, wohin die Reise geht. Ungeachtet, ob man Künstliche Intelligenz als Zukunftstechnologie oder als Jobkiller beurteilt: Der KI-Boom ist ungebrochen und selbst bei Lieferengpässen erwartet Nvidia für das kommende Geschäftsjahr eine Umsatzsteigerung von 70 Prozent. Was aber braucht KI dringend? Rechenzentren. Und die brauchen sehr viel Strom. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass sich deren weltweiter Stromverbrauch bis 2030 auf rund 945 Terrawattstunden mehr als verdoppelt. Das entspricht dem heutigen Stromverbrauch Japans. In den USA, die sich mit China ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die KI-Vorherrschaft liefern, werden Rechenzentren für fast die Hälfte des zusätzlichen Strombedarfs verantwortlich sein.
Doch wie soll der riesige Energiebedarf nicht nur für die Rechenzentren, sondern die gesamte KI-Infrastruktur gedeckt werden? Herkömmliche Quellen sowie Wind, Wasser und Sonne können nur einen Teil abdecken. Die Antwort lautet daher Atomkraft, die – zumal CO2-frei – zur strategischen Ressource wird. Die US-Techriesen machen es vor: Google, Microsoft, Amazon und Meta (Facebook) haben bereits Vereinbarungen mit AKW-Betreibern getroffen. Wobei Microsoft mit der Wiederinbetriebnahme des nach einem der schwersten Unfälle stillgelegten US-Reaktors Three Mile Island für Schlagzeilen sorgt.
66 Reaktoren im Bau
Weltweit sind rund 416 Atomkraftwerke in Betrieb, wobei die USA mit 94 Blöcken führen. Im Bau befinden sich laut dem World Nuclear Industry Status Report 66 Reaktoren, da wiederum führt China mit mehr als der Hälfte der Projekte. In den USA, wo Atomkraft zudem von der Regierung Trump stark gefördert wird, setzt man auch auf kleine Meiler, sogenannte Small Modular Reactors (SMR). Die Projekte sind allesamt noch im Entwicklungsstadium, weshalb die Aktien der entsprechenden Unternehmen NuScale Power, Oklo und Nano Nuclear zuletzt unter Druck gekommen sind.
Da lohnt sich für Anleger, die sich mit Atomkraft anfreunden können, schon eher ein Blick auf Mineure. Denn mit der Nuklear-Renaissance steigt die Nachfrage nach dem Brennstoff Uran. Die Internationale Atomenergie-Organisation schätzt, dass der Uranverbrauch von derzeit 70.000 bis 80.000 Tonnen bis 2030 auf 90.000 Tonnen steigen wird. Allein die USA investieren 2,7 Milliarden Dollar, um die Anreicherung über die nächsten zehn Jahre auszubauen. Kanada wiederum will seine Uran-Exporte bis 2035 verdoppeln. Die steigende Nachfrage nach dem Schwermetall schlägt sich schon im Preis nieder: Der kratzt nun an der 90-Dollar-Marke, was bedeutet, dass sich ein Pfund Uran im Jahresabstand um rund 20 Prozent verteuert hat. Der World Uranium Index hat im selben Zeitraum um 40 Prozent zugelegt. Kein Wunder, dass unzählige Firmen auf den Trend aufspringen und sich damit für Anleger interessante Möglichkeiten ergeben. Eines sollte allerdings klar sein: Das Uran-Geschäft ist nicht risikofrei, zumal die Politik ein gewichtiges Wort mitredet.
So etwa haben die USA schon 2024 Importe aus Russland verboten. Aber auch Umwelt- und Sicherheitsauflagen beeinflussen das Geschäft. Die Erschließung neuer Minen sowie die Reaktivierung von stillgelegten AKW ist zudem teuer. Von der Entdeckung einer Uran-Lagerstätte bis zur Produktion braucht es im Schnitt zehn bis 15 Jahre. Der hohe Uranpreis ist auch noch kein Garant für gute Umsätze und Erträge. Es kommt vielmehr darauf an, ob eine Mine schon in Betrieb ist oder erst im Entwicklungsstadium und ob es langfristige Lieferverträge gibt. Ein gewisses Risiko sollten Anleger also schon einkalkulieren. Kasachstan und Kanada sind nicht nur größten Abbau-Länder, Kazatomprom und Cameco sind auch die beiden Schwergewichte im Uran-Geschäft. Während sich der Kurs des kasachischen Kolosses im Jahresabstand um rund 62 Prozent verbessert hat, haben die Kanadier „nur“ ein Plus von 31 Prozent vorzuweisen. Die Aktie hat ab Juli geschwächelt, sich aber wieder erfangen.
Mekka der Uran-Mineure
Ein Grund waren Produktionsunterbrechungen. Cameco besitzt aber mit Cigar Lake und McArthur River im Athabasca Basin zwei der hochgradigsten Uranvorkommen der Welt. Diese Region gilt überhaupt als Mekka der Uran-Mineure und lockt auch Newcomer an. Dazu zählen NextGen Energy und F4Uranium. Erstere Firma ist ein gutes Beispiel, dass der Markt auch bereit ist, Vorschusslorbeeren zu vergeben. Denn das Rook-I-Projekt ist noch im Entwicklungsstadium, aber nach Unternehmensangaben im Zeit- und Budgetrahmen. Der Bau hat im Juni begonnen. Es gibt auch schon Lieferverträge mit Versorgern. Zudem liegen die Lagerstätten in einer politisch stabilen Region. Die Aktie hat trotz eines sehr volatilen Verlaufs im Jahresabstand 35,2 Prozent zugelegt.
F4 Uranium ist ebenfalls jung, allerdings eine Ausgliederung aus dem schon lange aktiven Unternehmen F3 Uranium und kann daher für mehrere Projekte im Athabasca Basin auf Knowhow und Geld der Partner zurückgreifen. Die Aktie bewegt sich je nach Fortschritt ebenfalls im Zick-Zack-Kurs, hat sich dennoch um mehr als ein Drittel verteuert und ist noch günstig bewertet.
Verlässliche Bergbau-Konzerne
Das US-Pendant zur Athabasca-Region ist Wyoming, mit dem Unterschied, dass Bohrungen dort günstiger und rascher möglich sind als im kanadischen Hartgestein. Das nützen auch kanadische Unternehmen, wie die Strathmore Plus Uranium Corp., die in Wyoming drei Projekte betreibt. Trotz guter Explorationsergebnisse hat die seit 2025 in Kanada gelistete Aktie binnen eines Jahres die Hälfte an Wert eingebüßt. Für Mutige vielleicht ein guter Zeitpunkt zum Einstieg. Im Uran-Geschäft agieren also etablierte Produzenten, fortgeschrittene Entwickler sowie frühe Explorer, die noch gar keine Erfolge aufweisen und deren Aktien daher hochspekulativ sind. Dazu zählt die kanadische Blast Resources.Die Aktie ist nach einem Hoch im Mai wieder auf das Niveau vom Jahresanfang zurückgefallen.
Zu den verlässlichen Ertragsbringern zählen nicht nur (etablierte) Bergbau-Konzerne, sondern Unternehmen, die Uran verstromen, es also nicht verkaufen, sondern kaufen. Constellation Energy gehört dazu. Der Konzern betreibt die größte private AKW-Flotte der USA, darunter auch Three Mile Island, das nun Crane Clean Energy Center heißt. Die entscheidenden Freigaben für die Reaktivierung eines Reaktorblocks liegen vor, der Meiler soll 2027 ans Netz gehen und Microsoft exklusiv mit Strom beliefern. Obwohl Constellation gute Zahlen vorlegte und die Jahresprognose anhob, straft die Börse das Unternehmen ab – noch. Die Aktie verlor im Jahresabstand rund zehn Prozent. Das dürfte auch mit der US-Strommarktregulierung zusammenhängen. Die Analysten raten dennoch überwiegend zum Kauf.
Abseits einzelner Uran-Aktien steht eine Reihe börsengehandelter Indexfonds zur Auswahl. JustETF nennt sieben große: VanEck Uranium an Nuclear Technologies UCITS ETF A, Global X Uranium UCITS ETF USD Accumulating, HANetf Sprott Uranium Mines UCITS ETF Acc, WisdomTree Uranium an Nuclear Energy UCITS ETF USD Unhedged ACC , HANetf Sprott Junior Uranium Mindes UCITS ETF USD ACC, HANetf Nuclear Renaissance UCITS ETF Acc und UBS Nuclear Economies UCITS ETF USD acc. Sie alle sind thesaurierend, Gewinne und Dividenden werden also reinvestiert. Von der Performance her schneidet der HANetf Sprott mit einem Jahresgewinn von knapp 30 Prozent am besten ab.
von Hedi Schneid
Die Presse




