Chinas Exporte mit unerwartetem Wachstum

14. Juli 2026, Peking
Exporte um 13,4 Prozent, Importe um 22,1 Prozent gestiegen
 - Lianyungang, APA/CN-STR

Chinas Exporte haben im ersten Halbjahr spürbar zugelegt und auch vom weltweiten Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) profitiert. Die Ausfuhren kletterten binnen Jahresfrist um 13,4 Prozent, während die Importe um 22,1 Prozent zulegten, wie am Dienstag aus Daten der nationalen Zollbehörde hervorgeht. Demnach zogen die Ausfuhren allein im Juni mit plus 27 Prozent zum Vorjahresmonat stärker an als erwartet. Dies ist der kräftigste Anstieg seit vier Monaten.

Auch die Importe legten spürbar zu und erreichten mit 36 Prozent den höchsten Zuwachs seit fünf Jahren. Die hohe Nachfrage nach Chips und Rechenleistung aus dem Ausland stützt damit die chinesischen Hersteller, während die Regierung in Peking weiter nach Wegen sucht, die schwächelnde Inlandsnachfrage anzukurbeln.

Die starken Exporten erhöhen zugleich die Abhängigkeit der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt vom Ausland. Einer Studie der Beratungsfirma Gavekal Dragonomics zufolge erreichte der Anteil der Exporte am gesamten Umsatz des verarbeitenden Gewerbes in den ersten vier Monaten des Jahres 24 Prozent – und damit den höchsten Wert seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation 2001. „Für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist das bemerkenswert“, heißt es in dem Bericht. Die Kehrseite der Entwicklung ist Experten zufolge die anhaltende Schwäche im Inland, gebremst durch eine langwierige Immobilienkrise. „Die Inlandsnachfrage bleibt eine Belastung“, sagte Xu Tianchen, Volkswirt bei der Economist Intelligence Unit.

Handelskonflikte könnten sich verschärfen

Experten warnen zudem, dass der Exporterfolg die Handelskonflikte verschärfen könnte. „Ich denke, die Ausfuhren werden in der zweiten Jahreshälfte stark bleiben“, sagte Zhiwei Zhang, Chefvolkswirt bei Pinpoint Asset Management. „Gleichzeitig erhöht dies den Druck auf die Handelsspannungen zwischen China und seinen Handelspartnern, insbesondere Europa.“ Der Handelsüberschuss belief sich im Juni auf 125,6 Milliarden Dollar (109,94 Mrd. Euro). Am Mittwoch werden die Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Frühjahrs-Quartal erwartet. Fachleute rechnen damit, dass sich das Wachstum auf 4,5 Prozent verlangsamt, nach fünf Prozent im ersten Quartal.

Der kräftige Anstieg der Importe ist indes kein eindeutiges Zeichen für eine boomende Binnennachfrage. „Wie bei den Exporten spielen auch hier die stark gestiegenen Halbleiterpreise eine Schlüsselrolle“, sagte Julian Evans-Pritchard, China-Ökonom bei Capital Economics. So stiegen die Einfuhren aus dem wichtigen Chip-Herstellerland Südkorea im vergangenen Monat um 85 Prozent und die aus Taiwan um 41,1 Prozent.

APA/Reuters