Der neue Chef der Donaukraftwerke

5. Juni 2026

Vom Trainee zum Kraftwerkschef: Christian Weichselbraun (49) über Karriere, Klimarisiken und die Zukunft der Stromversorgung an der Donau.


NÖN: Herr Weichselbraun, ab Juni verantworten Sie den Betrieb der Donaukraftwerke in Niederösterreich und Wien. Sie starteten vor über 20 Jahren beim Verbund als Trainee. Was hat Sie nun gereizt, die Leitungsposition zu übernehmen?

Christian Weichselbraun: Die Übernahme der Verantwortung für den Betrieb der erzeugungsstärksten Werksgruppe mit den fünf größten Laufwasserkraftwerken in Österreich war ein sehr großer Anreiz für mich. Als langjähriger Projektleiter war ich für den Umbau zahlreicher Turbinen verantwortlich und habe diese im Anschluss mit meinen Teams erfolgreich ans Netz gebracht. Nun kann ich mein Know-how in die Werksgruppe einbringen. Ich freue mich auf die Herausforderungen und darauf, gemeinsam mit meinem Team die Zukunft der Werksgruppe zu gestalten und weiterzuentwickeln.

Wo wollen Sie konkret ansetzen?

Weichselbraun: In den kommenden Jahren wird uns an der gesamten Donau die Digitalisierung auf Trab halten. Dazu gehört die Optimierung in der Instandhaltung, aber auch das Vorbereiten von Effizienzmaßnahmen. Die niederösterreichischen Donaukraftwerke sind im Schnitt „junge“ Kraftwerke, aber auch in diesen schlummert noch ein wenig Potenzial. Die sechs Donaukraftwerke liefern mehr als zehn Prozent des österreichischen Stroms.

Wie gut lässt sich diese Versorgung in Zeiten von Trockenheit und Niedrigwasser absichern?

Weichselbraun: Wir können das Wetter ebenso wenig beeinflussen wie die Landwirtschaft und müssen damit leben, was kommt. Die Donaukraftwerke bleiben das Rückgrat der heimischen Stromversorgung, spielen aber in einem großen Ensemble mit. Dazu gehört der Ausbau von Windkraft, Speichern und Netzen. Für all das sorgt der Verbund-Konzern. Schneearme Winter und trockene Frühjahre sorgen für niedrige Pegelstände der Donau, was sich auf die Stromerzeugung auswirkt. Im Vorjahr lag man deutlich unter dem langjährigen Schnitt.

Wie kann sich ein Kraftwerksbetreiber gegen die Folgen des Klimawandels rüsten?

Weichselbraun: Unsere große Herausforderung besteht nicht nur in der Trockenheit, sondern generell in der Zunahme von Extremereignissen. Mein Vorgänger hatte in 20 Dienstjahren zwei hundertjährliche Ereignisse und mehrere dreißigjährliche Ereignisse zu bewältigen. Das kann nur gelingen, wenn die Verfügbarkeit der Maschinen, Wehrfelder und der Einsatz der Kraftwerksmannschaft reibungslos funktioniert.

Was wünschen Sie sich – technisch oder politisch –, um die Wasserkraft auch unter schwierigen Bedingungen verlässlich betreiben zu können?

Weichselbraun: Neben unserer Verantwortung als Stromerzeuger haben wir auch Verpflichtungen für die Umwelt. Hier streben wir mit unseren Partnern von Gemeinden über die Fischerei bis zur EU eine optimale Lösung an – das gelingt nur mit guter und zügiger Zusammenarbeit mit den Genehmigungsbehörden. Wasserkraft ist effizient und umweltfreundlich, was wir der Öffentlichkeit und Politik gerne beweisen. Zügige Bescheide sind hier eine wesentliche Unterstützung.

Denise Schweiger

NÖN Niederösterreichische Nachrichten