Die Irankrise treibt die Energiepreise. Stadtwerke-Chef Peter Weinelt setzt dagegen auf Geothermie.
Die Irankrise ist weit weg – und doch steht sie plötzlich mitten in Wien: an den Energiemärkten, in den Kalkulationen der Versorger, bei den Sorgen der Kunden. Peter Weinelt, Generaldirektor der Wiener Stadtwerke, gibt sich dennoch betont ruhig. „Wir fahren auf halbe Sicht als Unternehmen“, sagt er. Ein Problem bei der Versorgungssicherheit sehe er nicht. Gas, Strom und Wärme seien abgesichert. Unklar bleibe nur, wohin sich die Preise bewegen.
Genau darin liegt die Lehre der vergangenen Jahre. Weltpolitik kann an der Haustür klingeln, wenn Energie fossil bleibt. Weinelt spricht deshalb nicht von einem Kurswechsel, sondern von einer Bestätigung: Wien müsse schneller unabhängiger werden. Mehr Strom aus Wind und Sonne, mehr Wasserstoff, mehr Großwärmepumpen – und vor allem mehr Wärme aus der Tiefe.
Das spannendste Projekt liegt unter Aspern. Dort hat Wien Energie tief gebohrt und mehr gefunden als erwartet. „Wir haben die Menge und haben mehr Temperatur als gehofft“, sagt Weinelt. Gerechnet hatte man mit mehr als 95 Grad. Tatsächlich sind es rund 104 Grad heißes Wasser.
Für die Stadt ist das mehr als eine technische Erfolgsmeldung. Tiefengeothermie liefert Wärme, ohne Gas zu verbrennen. Das Wasser kommt aus mehreren Kilometern Tiefe, gibt seine Hitze ab und wird abgekühlt wieder zurückgeführt. „Der Erde ist es egal“, sagt Weinelt. Es geht also nicht um Grundwasser oder Trinkwasser, sondern um einen Kreislauf tief unter der Stadt.
Im Winter 2028 soll die Anlage in Betrieb gehen. Dann, so Weinelt, arbeite sie „für 100 Jahre“. Der Satz klingt groß, beschreibt aber den Kern: Während Krisen Preise treiben und Lieferketten wackeln lassen, schafft Geothermie eine Wärmequelle, die bleibt.
Weniger Gas, mehr Wien
Der Effekt ist handfest. Wenn 20 Megawatt thermisch laufen, brauche Wien „einige Millionen Kubikmeter Gas weniger“, sagt Weinelt. Und zwar dauerhaft. Genau dort liegt der Charme der heißen Tiefe: Sie macht die Stadt weniger abhängig von Pipelines, Tankern und Konflikten.
Schnell geht das alles trotzdem nicht. Für das nächste Tiefenbohrprojekt, das ebenfalls im 22. Bezirk geplant wird, verweist Weinelt auf Lieferzeiten von 14 Monaten, bevor überhaupt gebohrt werden kann. Infrastruktur lässt sich nicht herbeireden. Sie braucht Geräte, Genehmigungen, Spezialisten – und Geduld. Er wünscht sich schnellere Verfahren, etwa bei Mineralrohstoffgesetz, Wasserrecht und Ausbaugesetzen. Denn das Potenzial sei nicht nur für Wien groß. „Dieses Asset in Österreich“ habe viel Zukunft.
Seine Botschaft an die Wiener ist klar: Die Krise kann unbequem werden. Doch sie ist kein Grund zur Panik. Versorgungssicherheit sei gegeben, leistbare Angebote wolle man schaffen. Und jeder könne beitragen: Energie sparen, Öffis nutzen, den eigenen Verbrauch hinterfragen.
Kronen Zeitung




