Seit 2017 läuft eine groß angelegte Modernisierung der Anlage aus den 1940er-Jahren, um die sichere Stromversorgung in der Region in den kommenden Jahrzehnten zu gewährleisten und die Integration von Erneuerbaren zu verbessern.
Das Umspannwerk Ernsthofen der Austrian Power Grid (APG) sichert die Versorgung weiter Gebiete in Niederösterreich und Oberösterreich (Amstetten, Steyr, Wels) sowie des Zentralraums um Linz. Es spielt auch eine wesentliche Rolle für den bundesweiten Transport erneuerbarer Energien in der Ost-West-Achse. Mit dem laufenden Ausbau werden die notwendigen Kapazitäten für die lokale Wirtschaft und Industrie – unter anderem Rechenzentren und Stromspeicher – und somit für einen starken Standort geschaffen.
Die Arbeiten wurden 2017 gestartet und schreiten planmäßig voran. Das Großprojekt umfasst drei Etappen: Die Modernisierung der 110-kV-Anlage wurde bereits Ende 2022 erfolgreich abgeschlossen.
Die Generalerneuerung der sich über eine Fläche von 71.000 Quadratmetern (etwa zehn Fußballfeldern) erstreckenden 220-kV-Schaltanlage, welche unter Aufrechterhaltung des Anlagenbetriebs mit umfangreichen 220-kV-Provisorien durchgeführt wird, ist voll im Gange: Bauabschnitt 1 wurde 2025 bereits abgeschlossen, die Arbeiten im Bauabschnitt 2 starteten 2025 und werden bis 2027 finalisiert sein, während Bauabschnitt 3 im Zeitplan für die Jahre 2027 bis 2029 vorgesehen ist. Die Modernisierung der 220-kV-Schaltanlage ist ein logistischer Meisterakt: Aufgrund der umfassenden Bauarbeiten werden circa 22.000 Quadratmeter zusätzliche Fläche für die Zwecke der Errichtung von Provisorien, für ein Containerdorf und Lagerplätze benötigt.
30.000 Kubikmeter Beton erforderlich
Darüber hinaus sind rund 30.000 m³ Beton, 110.000 m³ Erdbewegung und 1.400 Tonnen Stahl erforderlich.
„Dank des direkten Gleisanschlusses im Umspannwerk konnten wir den Antransport der Portale inklusive Stahlbausteher und auch die Anlieferung von Transformatoren klimaschonend gestalten. Alle Arbeiten rund um die Modernisierung verlaufen planmäßig und sind dementsprechend auf Kurs“, unterstreicht Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid (APG).
Schon errichtet wurden drei neue 220/110-kV-Großtransformatoren als Herzstück des Umspannwerks. Sie fungieren als Bindeglied zwischen dem österreichweiten Höchstspannungsnetz der APG und dem regionalen Verteilnetz und sollen durch das gezielte Steuern von Stromflüssen Netzengpässe vermeiden. In Summe werden mit den sieben Bestandstransformatoren nach Projektende also zehn Geräte für eine sichere Stromversorgung in der Region und in ganz Österreich sorgen. Der Abschluss des Großprojekts ist für 2029 geplant.
Auch regionale APG-Warte im Umspannwerk erneuert
Neben der APG-Steuerzentrale in Wien, die das österreichische Stromnetz zentral managt, gibt es auch noch vier regionale APG-Warten, eine davon im Umspannwerk Ernsthofen. Die Warte ist direkt mit den Umspannwerken vor Ort verbunden, wodurch ein schnelles Eingreifen bei Störungen, fundierte Entscheidungen durch Ortskenntnis und eine effiziente Koordination von Wartung, Umbauten und Schalthandlungen möglich sind. Die regionale Warte ermöglicht somit eine feingliedrige Steuerung und eine permanente Überwachung auf regionaler Ebene – ein Vorteil bei regionalen Lastschwankungen oder Umbauarbeiten.
Der regionalen Warte im Umspannwerk Ernsthofen sind 700 Steuerungskomponenten in der Region zugeordnet. Die in die Jahre gekommene Warte wurde nun ebenfalls neu errichtet, voll digitalisiert, auf den modernsten Stand gebracht und schon erfolgreich in Betrieb genommen.
„Der Ersatzneubau der regionalen Warte im Umspannwerk Ernsthofen war ein Bravourstück, weil der Umstieg auf die Systeme der neuen Warte fließend und sozusagen im lebenden System durchgeführt wurde. Ich gratuliere allen Beteiligten zur erfolgreichen Inbetriebnahme. Die moderne, den neuesten technischen Anforderungen entsprechende regionale APG-Warte schafft die Basis für einen sicheren, stabilen und effizienten Netzbetrieb“, betont Christiner.
Die APG investiert im Jahr 2026 österreichweit 680 Millionen Euro. Das ist ein Wirtschaftsmotor und wesentlicher Baustein für die Erreichung der Energieziele Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2034 rund neun Milliarden Euro in den Netzaus- und -umbau investieren.
Otmar Gartler
NÖN Niederösterreichische Nachrichten



