140 Millionen Euro für das Umspannwerk Ernsthofen

13. Mai 2026, Ernsthofen

APG modernisiert den größten Strom-Netzknoten Österreichs

Seit 1941 ist das Umspannwerk Ernsthofen in Betrieb. Es liegt im Bezirk Amstetten an der Enns, direkt an der Grenze zu Oberösterreich (gegenüber ist Kronstorf). Derzeit läuft die umfassende Modernisierung des Standorts, der die Stromversorgung des oberösterreichischen Zentralraums und Teilen von Niederösterreich sicherstellt. Auch hat dieser größte Netzknoten Österreichs eine wichtige Funktion beim Transport erneuerbarer Energie auf der Ost-West-Achse; im Osten Österreichs ist die Stromerzeugung dominant, im Westen die Stromspeicherung.


Der Übertragungsnetzbetreiber APG (Austrian Power Grid) investiert 140 Millionen Euro in die Generalerneuerung des Umspannwerks. Es sei ein „logistischer Meisterakt“, sagte APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner am Dienstag bei der Präsentation des Baufortschritts.


Als Operation am offenen Herzen beschrieb Projektleiter Jürgen Pilgerstorfer die Bauarbeiten, die seit 2017 laufen. Denn das Umspannwerk ist uneingeschränkt in Betrieb, dafür werden Provisorien, ein Containerdorf und Lagerplätze benötigt. Die Fertigstellung ist für 2029 geplant. Alles laufe planmäßig, sagte Christiner.


Soeben in Betrieb genommen wurde die neu errichtete und voll digitalisierte Steuerungszentrale in Ernsthofen. Sie ist eine von vier regionalen „APG-Warten“ in Österreich und ermöglicht eine permanente Überwachung, was bei Lastschwankungen und Umbauarbeiten wichtig ist. Gerade in Bau ist die Erneuerung der 220-kV-Schaltanlage, die sich über eine Fläche von 71.000 Quadratmetern erstreckt (das entspricht etwa zehn Fußballfeldern). Schon vor vier Jahren fertiggestellt wurde die Erneuerung der 110-kV-Anlage. Es werden 20 Kilometer Seile und Rohre sowie 450 Kilometer Kabel verlegt, 5400 Hochspannungsklemmen montiert und 110.000 Kubikmeter Erde bewegt.


Der voestalpine-Konzern, der 2027 seinen ersten Elektrolichtbogenofen in Betrieb nimmt (statt eines Hochofens), wird im Herbst 2026 nach Ernsthofen durchgestaltet, wie Pilgerstorfer sagte. Auch für das in Bau befindliche Google-Rechenzentrum werden die Voraussetzungen geschaffen.


Wind: „Über Schatten springen“


Von einem nötigen „Totalumbau des Gesamtsystems“ sprach Christiner angesichts des stark steigenden Strombedarfs und der geplanten Umstellung auf 100 Prozent erneuerbar. Die große Herausforderung sei, Strom vom Sommer in den Winter zu bringen, und damit Speicherung. Der APG-Chef plädierte für mehr Windkraft-Ausbau und für Photovoltaik kombiniert mit Heimspeichern. Auf die Frage, ob Oberösterreichs Politik die Windkraft genug auf dem Radar habe, sagte er: „Wenn man Energiesouveränität anstrebt, muss man auch über seinen Schatten springen.“

(az)

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