Verdächtige Öl-Wetten vor Trump-Aussagen größer als gedacht

8. Mai 2026, Washington
Vor Trump-Ankündigungen wurde auf fallende Ölpreise gewettet
 - Washington, APA/AFP

Kurz vor wichtigen Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump zur Iran-Politik haben Unbekannte im März und April in weitaus größerem Stil als bisher bekannt auf fallende Ölpreise gewettet. Eine Auswertung von Börsendaten durch die Nachrichtenagentur Reuters ergab, dass sich das Volumen der auffällig gut platzierten Geschäfte über verschiedene Börsen und Derivate hinweg auf bis zu 7 Mrd. Dollar (6 Mrd. Euro) summierte. Bisherigen Berichten zufolge waren es 2,6 Mrd. Dollar.

Die Transaktionen fanden an den Rohstoffbörsen ICE und CME statt und umfassten Terminkontrakte für Rohöl, Diesel und Benzin. Wer die Wetten platzierte und von wo aus dies geschah, ist unklar. Bei den Wetten handelte es sich um sogenannte Leerverkäufe (Short-Positionen), bei denen Investoren auf sinkende Kurse setzen. Da die Ölpreise an den fraglichen Tagen um mehr als 10 Prozent einbrachen, dürften die Unbekannten Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe eingestrichen haben.

Auffällige Transaktionen an vier Tagen

Die auffälligen Muster zeigten sich an vier Tagen: Am 23. März kündigte Trump an, geplante Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur zu verschieben. Wenige Minuten zuvor wurden Wetten auf sinkende Ölpreise im Wert von 2,2 Milliarden Dollar platziert. Der Ölpreis brach um bis zu 15 Prozent ein. Am 7. April wurden kurz vor der Bekanntgabe einer Waffenruhe durch Trump Verkaufsaufträge im Volumen von 2,12 Milliarden Dollar ausgeführt – zu einer Uhrzeit, in der das Handelsvolumen üblicherweise gering ist. Ähnliche Vorgänge gab es am 17. April vor Aussagen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormuz mit einem Volumen von fast zwei Milliarden Dollar sowie am 21. April vor der Verlängerung der Waffenruhe mit rund 830 Millionen Dollar.

Experten zeigten sich angesichts der Daten alarmiert. „Bleiben wir bei den Fakten. Die Volumina waren höchst ungewöhnlich. Sie waren konzentriert. Sie fanden vor wichtigen Ankündigungen statt“, sagte Jorge Montepeque von Onyx Capital Group, der in den 1990er-Jahren an der Entwicklung des Ölpreis-Systems der Agentur Platts beteiligt war. Auch für Adi Imsirovic vom Center for Strategic and International Studies (CSIS), der lange als Ölhändler tätig war, wirken die Transaktionen „gut informiert“, da sie den politischen Entscheidungen unmittelbar vorausgingen. US-Behörden wie die Derivateaufsicht CFTC könnten auf Börsendaten zugreifen, um nachzuverfolgen, wer die Geschäfte getätigt hat, fügte er hinzu.

Verdacht auf Insiderhandel

Die zeitlich auffällig gut platzierten Geschäfte haben Rufe nach behördlichen Untersuchungen wegen möglichen Insiderhandels ausgelöst. Einer mit der Angelegenheit vertrauten Person zufolge prüft die Börse CME die Vorgänge. Auch die CFTC ermittelt nach Angaben einer weiteren Person. Dem Sender ABC zufolge hat sich zudem das US-Justizministerium eingeschaltet. Die Behörden und die Börsen ICE und CME lehnten Stellungnahmen ab oder waren zunächst nicht zu erreichen.

Die US-Regierung hat ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davor gewarnt, nicht-öffentliche Informationen zum eigenen finanziellen Vorteil zu nutzen. „Alle Bundesbediensteten unterliegen den Ethikrichtlinien der Regierung, die die Nutzung nicht-öffentlicher Informationen zum finanziellen Vorteil verbieten“, teilte ein Sprecher mit.

APA/Reuters