Der Iran-Krieg und die Sperre der Straße von Hormus bescheren der Windkraftbranche trotz Kritik Aufwind. Deutschland gilt als Vorreiter.
Ein rauer Wind weht dieser Tage der Windkraft entgegen. Wachsender Widerstand gegen Projekte, auch auf höchster Ebene in den USA, beutelt die erfolgsverwöhnte Branche. Zugleich verspüren Hersteller und Betreiber auch Rückenwind, nicht zuletzt durch den Iran-Krieg und die Sperre der Straße von Hormuz, was fossile Energie massiv verteuert.
Das Streben nach Energieunabhängigkeit und wiederholte Preisschocks auf Öl- und Gasmärkten bescheren der Windenergie dennoch weltweit Rekorde. 2025 wurden weltweit 165 GW neue Windkraftleistunginstalliert –plus 40 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Der größte Zubau erfolgte in China, vor Indien und Europa, mit Deutschland als größtem Treiber. Der Ausbau setzte sich im ersten Quartal ungebremst fort.
Positive Vorzeichen also, dazu eine Prise Zuversicht. Als Gastgeber für die jährliche WindEurope, führende Konferenz für Windenergie, war Spanien nicht zufällig gewählt: Kaum ein anderes europäisches Land setzt so massiv auf Erneuerbare. Der Windkraftanteil an der Stromerzeugung beträgt 23 Prozent (Österreich: 16 Prozent). Die Strompreise der Iberer hängen kaum mehr an geopolitischen Kapriolen, betont Heikki Willstedt Mesa vom spanischen Windstromverband AEE. Der Flaschenhals für die Stromerzeugung ist heute das Netz. Belastend seien die negativen Strompreise an Sonnentagen. Mögliche Auswege: Der massive Ausbau von Speichern sowie eine Stärkung der (Industrie-)Nachfrage.
Heimische Unternehmen halten den stürmischen Zeiten Stand. Bachmann Electronic aus Feldkirch ist mit mehr als 160.000 Installationen Weltmarktführer bei Automatisierungslösungen für Windkraftanlagen. Gabriel Schwanzer, bei Bachmann Electronic verantwortlich, erwartet trotz heftig geführter Diskussionen von den USA bis Österreich weiterhin spürbares Wachstum. Das EU-Zollabkommen mit Indien bringe zusätzliches Geschäft, in den USA profitiere man von der Um- und Aufrüstung bestehender Anlagen. Dennoch gibt sich Schwanzer nachdenklich: „Vor Jahren hieß es ,Atomkraft, nein danke‘, es macht mich traurig, wenn es jetzt ,Windkraft, nein danke‘ heißt.“
Stark vertreten in Madrid ist die Steiermark. Siemens Energy verdreifacht mit dem Bau eines zusätzlichen Standorts in Wollsdorf (Bezirk Weiz) die Produktionsfläche für Windkraft-Transformatoren. „Wenn Sie in Ihrem Urlaub ein Windrad sehen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich darin ein Trafo aus Weiz befindet“, sagt Manager Luka Mikula. Der Marktanteil von Siemens Energy bei Transformatoren in europäischen Windturbinen betrage 70 bis 80 Prozent. Ein Transformator kostet mehrere 100.000 Euro, ist bis zu 30 Tonnen schwer und hält zwei bis drei Jahrzehnte. „Es läuft bei uns gut, deswegen bauen wir auch aus. Der steigende Bedarf an Energie sorgt für eine sehr konstante, steigende Nachfrage“, so Mikula. Mit den in Österreich pro Jahr erzeugten Transformatoren lasse sich der Strombedarf heimischer Haushalte rund 1,5 Mal decken. Siemens Energy beschäftigt in der Steiermark bis zu 450 Mitarbeiter.
Einen spannenden Wandel vollzieht Boehlerit in Kapfenberg. Der Standort produziert mit 570 Mitarbeitern Spezialwerkzeuge, 13.000 Standardprodukte gehören zum Sortiment. Traditioneller Abnehmer ist die Ölindustrie, „seit einigen Jahren sehen wir eine steigende Nachfrage aus dem Bereich der Erneuerbaren“, sagt Verkaufsmanager Diego Magallanes. Investitionen mit dem Fokus Windindustrie dienten der Resilienz. Die momentane Stimmung sei aber durchwachsen, Projekte im Hoffnungsmarkt USA wurden gestoppt, bei einigen Kunden herrsche Stillstand, 2027 werde daher mau.
Eine große Nummer in der Produktion von Windrädern ist die deutsche Enercon. Benjamin Seifert leitet das internationale Geschäft. Und lobt sein Heimatland: Die Genehmigungszeit für Windräder ist in Deutschland von sechs bis sieben Jahren auf acht Monate gesunken. „Baugenehmigungen sind keine Rarität mehr“, sagt Seifert. Die Zuschreibung, dass Erneuerbare für den teuren Strom verantwortlich seien, sei falsch, betont er, verbreitet von der „Öl-Lobby“. „Die günstigste Kilowattstunde kommt immer aus erneuerbarer Energie.“
In Österreich sieht Seifert zwei Hürden für mehr Windenergie: Schleppende Baugenehmigungen und der Netzausbau. In Deutschland sei der Zuspruch in der Bevölkerung durch eine verpflichtende Gemeindebeteiligung höher, je produzierter Kilowattstunde fließen 0,2 Cent an die Kommune, im Schnitt40.000 Euro je Anlage und Jahr. „Das viele Geld ist wichtig für die Akzeptanz.“
Seifert warnt vor der China-Konkurrenz: „Wenn die Steuerung im falschen Land erfolgt, reicht ein Knopfdruck für Stillstand.“ Derzeit kommen in Europa mehr als 90 Prozent der Komponenten von Windkraftanlagen aus Europa – noch. Größter Windkraftanlagenhersteller außerhalb Chinas ist die dänische Vestas. Sulai Fahimi ist der Verkaufsleiter in der DACH-Region und fordert im Wettbewerb mit China „gleiche Rahmenbedingungen für Augenhöhe“. Das Schicksal der europäischen Solarindustrie ist allen noch ein warnendes Beispiel.
Die Teilnahme an der Messe erfolgte mit Unterstützung der IG Windkraft.
Windenergie national & weltweit Laut IG Windkraft liefern heimische Windräder Strom für 2,75 Millionen Haushalte im Land. Die österreichische Windbranche beschäftigt etwa 8000 Personen. Global weisen Windräder eine Leistung von 1,3 Terawatt auf, das entspricht der Versorgung von rund 400 Millionen Haushalten.
Von Uwe Sommersguter
Kleine Zeitung



