
Der österreichische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV hat im 3. Quartal von den hohen Öl- und Gaspreisen sowie gestiegenen Raffineriemargen am Weltmarkt profitiert. Das um Lagereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Sondereffekten (CCS) stieg um 68 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, gab der teilstaatliche Konzern am Donnerstag bekannt. Die neue OMV-Chefin Emma Delaney spricht im APA-Interview von einem „starken Ergebnis in einem unterstützenden Marktumfeld“.
Gut gelaufen seien vor allem die Segmente Energie und Fuels. Das operative Ergebnis vor Sondereffekten in der Fuel-Sparte entwickelt sich mit einem Plus von 172 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro besonders stark. In der Energiesparte gab es eine Steigerung um 51 Prozent auf 936 Millionen Euro. Die Chemiesparte verzeichnete dagegen einen Rückgang um 72 Prozent auf 63 Mio. Euro.
Die Umsatzerlöse stiegen gegenüber dem 3. Quartal 2025 um 43 Prozent auf fast neun Mrd. Euro. Das Ergebnis je Aktie verdoppelte sich fast auf 3,14 Euro. „Solidaritätsbeiträge“ – also Sondersteuern – in Österreich und Rumänien hätten sich mit 200 Mio. Euro im Resultat niedergeschlagen. Für den Cashflow würden diese aber erst im kommenden Jahr 2027 relevant.
Forderung nach Übergewinnsteuer
Wegen den aktuell hohen Gewinnen von Energiekonzernen hat überdies am Donnerstag die Umweltorganisation Greenpeace eine Erhöhung von Übergewinnsteuer und Ausweitung auf das Tankstellengeschäft gefordert. Die Raffineriemarge der OMV in Europa liege um 225 Prozent über dem Vorjahreswert, gaben die Grünen zu bedenken und sprachen sich ebenfalls für eine Übergewinnsteuer aus. Die SPÖ wiederum verwies auf den Vorstoß von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) und seiner Kollegen aus Deutschland, Portugal, Spanien, Italien und Polen, die für eine EU-weite Lösung plädiert hatten.
Deutlich gestiegene Öl- und Gaspreise
Der Anstieg im Energiebereich sei hauptsächlich auf positive Markteffekte in Höhe von 515 Mio. Euro zurückzuführen, „in denen sich deutlich höhere realisierte Gas- und Ölpreise widerspiegelten“. Geringere Verkaufsmengen aufgrund verzögerter Öl- und Gasförderungen im Nahen Osten seien mehr als ausgeglichen worden. Im Fuel-Bereich war der kräftige Gewinnzuwachs auf „deutlich höhere Raffinerie-Referenzmargen in Europa und im Nahen Osten sowie auf hohe Raffinerie Auslastungsgrade in Verbindung mit einem verbesserten Produktmix zurückzuführen“.
Delaney strich im Gespräch die baldige Erschließung neuer Öl- und Gasquellen hervor. Das Gasförderprojekt „Neptun Deep“ im Schwarzen Meer, an dem die OMV-Tochter OMV Petrom beteiligt ist, sei zu „89 Prozent“ fertig und man rechne mit ersten Gasförderungen im ersten Halbjahr 2027. Die OMV-Vorstandschefin erinnert auch an die im September verkündete Entdeckung eines neuen Ölfeldes im libyschen Sirte-Becken.
Ausblick
Für das Gesamtjahr 2026 plant der Konzern organische Investitionsaufwendungen in Höhe von 3,5 Mrd. Euro und damit etwas mehr als zuletzt. Mit Blick auf das Ölgeschäft rechnet die OMV mit einem durchschnittlichen Brent-Preis von 95 US-Dollar je Barrel. Beim Gas wird ein durchschnittlicher Preis von 45 Euro je Megawattstunde (MWh) erwartet.
Delaney steht seit Anfang September an der Spitze des teilstaatlichen Ölkonzerns. Wie sich die OMV unter ihrer Ägide strategisch orientieren werde, wollte sie nicht sagen. Dafür sei es noch zu früh. Die drei Standbeine Energie, Fuels und Chemie würden aber die „Möglichkeit bieten, resilient zu sein“.
Auch Borouge veröffentlichte Quartalszahlen
Ebenfalls Quartalszahlen veröffentlicht hat der Kunststoffhersteller Borouge International – ein Joint Venture der OMV und des staatlichen Energiekonzerns ADNOC aus Abu Dhabi. Das Unternehmen hat im dritten Quartal wegen niedrigerer Preise einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht. Der Nettogewinn büßte 83 Prozent auf 130 Millionen Dollar ein. Borouge International ist 2026 aus dem Zusammenschluss von Borealis, Borouge Plc und Nova Chemicals entstanden und hat seinen Hauptsitz in Wien.
APA


