Öl- und Gaspreise geben wieder nach

29. Oktober 2026, Wien
Berichte über neue diplomatische Initiative am Golf
 - Carson, APA/GETTY IMAGES

Die Öl- und Gaspreise sind am Donnerstag gefallen. Neue diplomatische Bemühungen im Nahen Osten nähren die Hoffnung, dass eine Wiederaufnahme der US-Angriffe auf den Iran verhindert werden kann. Ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostete zuletzt 114,35 US-Dollar. Das waren 0,84 Prozent weniger als am Vortag. Der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Dezember fiel um 1,18 Prozent auf 101,57 Dollar.

Auch der europäische Preis für Erdgas ging zurück, nachdem er am Mittwoch erstmals seit 2022 über 100 Euro je Megawattstunde (MWh) gestiegen war. Zuletzt lag der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam bei 97,25 Euro je MWh und damit über drei Prozent niedriger als am Vorabend.

Die US-Regierung und regionale Vermittler haben Medienberichten zufolge neue Anstrengungen für eine diplomatische Lösung des Krieges mit dem Iran unternommen. Zum einen soll US-Vizepräsident JD Vance ein Schreiben an Mohsen Resai, Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, geschickt haben, um Möglichkeiten für Verhandlungen auszuloten. Zum anderen sollen die Vermittler um Katar den Iran dazu drängen, UN-Inspektoren Zugang zu seinen bombardierten Atomanlagen zu gewähren. Offizielle Bestätigungen dafür liegen nicht vor.

Wie das „Wall Street Journal“ unter Verweis auf ungenannte Quellen berichtete, will Vance mit seinem Vorstoß angeblich in Erfahrung bringen, ob sich geplante Militärschläge gegen den Iran noch auf diplomatischem Wege abwenden lassen. Zuvor hatte die US-Zeitung berichtet, die USA hätten mehrere arabische Golfstaaten aufgefordert, sich auf einen kurzen, intensiven Militäreinsatz nach den US-Zwischenwahlen am 3. November einzustellen.

„Solche Schlagzeilen können die Preise bewegen“, sagte Rebecca Babin, leitende Energiehändlerin bei CIBC Private Wealth Group, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bereits Hinweise auf eine Kommunikation zwischen hochrangigen Vertretern beider Seiten könnten ausreichen, um Gewinnmitnahmen auszulösen und den geopolitischen Risikoaufschlag etwas zu verringern.

Trotz des jüngsten Rückgangs hat sich die internationale Referenzsorte Brent im Oktober bisher um zehn Prozent verteuert und den höchsten Stand seit April erreicht. Der anhaltende Konflikt belastet die Verbraucher durch hohe Energiekosten und erschwert den Notenbanken den Kampf gegen die Inflation. Die US-Notenbank Fed ließ ihren Leitzins in dieser Woche unverändert. Die Händler rechnen allerdings damit, dass die Währungshüter im Dezember ihre Zinserhöhungen fortsetzen.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) ist zuletzt gefallen. Wie das OPEC-Sekretariat am Donnerstag in Wien mitteilte, betrug der Korbpreis am Mittwoch 114,73 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Am Dienstag hatte der Preis 115,21 Dollar betragen. Die OPEC berechnet diesen Preis auf Basis der wichtigsten Sorten des Kartells.

APA/dpa-AFX