Öl und Gas werden immer teurer

23. Oktober 2026

Der Gaspreis im Großhandel liegt so hoch wie seit 2022 nicht mehr – – kommendes Jahr steigen zudem die Netztarife um bis zu 20 Prozent. Während fossile Energieträger die Inflation antreiben, wirkt Strom preisdämpfend.

Fast zwei Monate ist es her, als der Dieselpreis an Österreichs Zapfsäulen zuletzt unter zwei Euro je Liter lag. Auch Benzin bleibt trotz staatlicher Spritpreisbremse teuer. Am Mittwoch kostete ein Liter Super im Schnitt 1,809 Euro.
Was sich im Kleinen im Geldbörserl der Autofahrer niederschlägt, erreicht im Großen rekordverdächtige Summen. Seit Beginn des Irankriegs im Februar flossen 1,6 Milliarden Euro mehr für Spritlieferungen ins Ausland als üblich. Die teure Importabhängigkeit schlägt also voll durch, zeigen aktuellen Zahlen der Österreichischen Energieagentur.
Bei Rohöl sind seitdem kumuliert 950 Millionen Euro an Mehrkosten zu verbuchen, bei Gas sind es 780 Millionen Euro, rechnete Energieexperte Christoph Dolna-Gruber anlässlich einer Pressekonferenz der Branchenvertretung Oesterreichs Energie am Donnerstag vor.


„Strom dämpft Inflation“


„Strom wirkt hingegen dämpfend auf die Inflation“, führte deren Generalsekretärin Barbara Schmidt aus. Ein Blick auf den Preismonitor des IHS zeigt: Strom senkte die September-Inflation von 3,6 Prozent um 0,23 Prozentpunkte, während Benzin, Diesel, Heizöl und Gas kumuliert 1,37 Prozent zur Steigerung beitrugen.
Schmidts Appell: „Wir müssen sämtliche erneuerbaren Stromquellen ausbauen – nicht nur Photovoltaik.“ Ihr Kollege, Michael Baminger, Präsident der Interessenvertretung der heimischen E-Wirtschaft und Chef der Salzburg AG, kündigte sogleich einen „Kompass Energieunabhängigkeit“ an. Dieser werde ab Donnerstag auf der Website von Oesterreichs Energie abrufbar sein.


Mit ihm wolle der Verband aufzeigen, wo Österreich bei der Energiewende steht; und welche Abhängigkeiten noch bestehen. Wobei Unabhängigkeit nicht bedeute, sich abzuschotten.
Baminger sieht drei wesentliche Hebel: eine bessere Eigenversorgung, leistungsfähige Netze samt Speicher sowie die Elektrifizierung der Anwendungen. Von Importen werde man dadurch zwar nicht unabhängig. „Wir erzeugen jetzt schon viel Menge in Summe, sind in guten Jahren Nettoexporteur“, führt er aus. „Aber wir brauchen Strom stetig. Und in jeder fünften Stunde geht sich das mit unserer Eigenerzeugung nicht aus. Dann müssen wir importieren.“


Schließlich weht der Wind und scheint die Sonne nicht immer dann, wenn der Strom gebraucht wird. Wasserkraftanlagen und Batteriespeicher können nicht jede Schwankung ausgleichen.
Aber man schaffe es, riskanten Abhängigkeiten die Bedeutung zu nehmen und vermehrt mit gleichgesinnten Partnern zu kooperieren, ergänzt Dolna-Gruber. Strom käme aus dem vernetzten europäischen Markt. Öl und Gas hingegen stammen oft aus Drittstaaten.


Riskante Lieferwege


So importiert Österreich 96 Prozent seines Rohölbedarfs, fast alles läuft über nur eine Pipeline in die Raffinerie in Schwechat. Mehr als die Hälfte davon kommt aus Kasachstan, der große Rest aus Libyen, Saudi-Arabien und Aserbaidschan.
Nicht nur die einzelne Pipeline selbst birgt ein Klumpenrisiko. Auch der Terminal am Schwarzen Meer, um kasachisches Rohöl auf die Tanker Richtung Triest zu verladen, befindet sich an kritischer Stelle. Wenngleich unter kasachischer Aufsicht, steht der internationale Umschlagplatz auf russischem Boden, nur 15 Kilometer von Russlands wichtigstem Ölexportterminal entfernt, der immer wieder ins Visier ukrainischer Gegenschläge rückt.


Beim Gas verlagern indes rapide steigende LNG-Lieferungen die bisherige Abhängigkeit von Russland in die USA. E-Mobilität und Wärmepumpen sollen Abhilfe schaffen, die neuen Regeln für die Stromnetztarife jene Lastspitzen glätten, die den Ausbau so teuer machen. Damit verringert sich nicht nur die Abhängigkeit, meint Baminger. Auch die Strompreise würden weniger stark vom teuren Gas künstlich in die Höhe getrieben.
Schon jetzt schlage der Gaspreis weniger stark auf die Strompreise durch. Der Grund: „Je mehr Erneuerbare wir haben, umso seltener werden Gaskraftwerke eingesetzt und setzen den Preis.“ Im europäischen Großhandel kostet Gas derzeit so viel wie seit 2022 nicht mehr. Ab kommendem Jahr steigen zudem die von der E-Control verordneten Netzentgelte, die gut ein Drittel der Gasrechnung ausmachen. Laut Entwurf im Schnitt um 7,2 Prozent, mit Abstand am stärksten jedoch im Burgenland, Kärnten und Niederösterreich mit 14 bis 21 Prozent.

Der Standard