Deutschland will Wasserstoff mit Milliarden-Paket fördern

19. Oktober 2026, Berlin
Auch die Infrustruktur soll ausgebaut werden
 - Milzau, APA/dpa

Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will den schleppenden Aufbau des Wasserstoffmarktes in Deutschland mit einer Milliardenförderung und neuen Anreizen voranbringen. Das Ministerium stellte dazu am Montag in Berlin ein Paket mit zehn Maßnahmen vor. Kernstück ist eine Förderung von mindestens 1,5 Milliarden Euro für Industrieunternehmen, die ihre Produktion auf Wasserstoff umstellen.

Zudem sollen die Umrüstung von Gaskraftwerken auf Wasserstoff unterstützt und die Nachfrage nach klimafreundlich produziertem Stahl angekurbelt werden. Der Aufbau des Marktes verzögere sich gegenüber bisherigen Erwartungen, erklärte das Ministerium. Die Produktionskosten lägen weiterhin deutlich über denen fossiler Alternativen.

Die zusätzlichen Hilfen für die Industrie sollen im Rahmen sogenannter CO2-Differenzverträge vergeben werden. Damit gleicht der Staat über einen Zeitraum von 15 Jahren Mehrkosten aus, die Unternehmen durch die Umstellung auf klimafreundliche Verfahren entstehen. In der nächsten Ausschreibungsrunde 2027 soll erstmals ein eigenes Förderbudget für Wasserstoffprojekte mit mindestens 1,5 Milliarden Euro reserviert werden. Bei hoher Nachfrage könne das Volumen aufgestockt werden, hieß es.

Förderung von Kraftwerksumstellung

Darüber hinaus ist die Förderung von Gaskraftwerken mit einer Gesamtleistung von vier Gigawatt für den späteren Betrieb mit Wasserstoff geplant. Vorgesehen sind Ausschreibungen für zunächst zwei Gigawatt 2027, die ab 2040 mit Wasserstoff laufen sollen. Weitere zwei Gigawatt sollen zwischen 2030 und 2032 ausgeschrieben und ab 2043 umgestellt werden. Der Staat solle die wirtschaftliche Lücke überbrücken, die durch Umrüstkosten und die höheren Betriebskosten im Vergleich zu Erdgas entstünden. Die Details würden derzeit ausgearbeitet, hieß es.

Um die Nachfrage anzukurbeln, will das Ministerium erstmals einen Leitmarkt für klimafreundlich produzierten Stahl schaffen. Bei neuen Ausschreibungen für Offshore-Windparks soll der CO2-Fußabdruck der Anlagen ein Kriterium sein. Dies soll den Einsatz von Stahl begünstigen, der mit erneuerbarem oder kohlenstoffarmem Wasserstoff hergestellt wird. Auch für die öffentliche Beschaffung von Stahl und Zement strebt die Bundesregierung entsprechende Vorgaben an.

Zugleich setzt das Ministerium auf günstigere Produktionsbedingungen und dringt auf eine pragmatische Anpassung der europäischen Vorgaben zur Herstellung von erneuerbarem Wasserstoff. Zudem sollen Elektrolyseure, die Wasserstoff mithilfe von Strom erzeugen, von günstigen Netzentgelten profitieren. Für bereits weit fortgeschrittene Elektrolyseprojekte, die bis August 2029 in Betrieb gehen, soll die bisherige Befreiung von Stromnetzentgelten fortgelten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Infrastruktur und auf Importen. Nach Ministeriumsangaben sind 2025 bereits mehr als 500 Kilometer des Wasserstoff-Kernnetzes in Betrieb gegangen, weitere 2.200 Kilometer befänden sich in der Realisierung. Bund und Länder wollen für den Aufbau in den kommenden Jahren insgesamt 4,2 Milliarden Euro bereitstellen. Das Ministerium setzt zugleich auf Importe über Pipelines aus Europa und per Schiff aus anderen Weltregionen. Auch kohlenstoffarmer Wasserstoff soll stärker berücksichtigt werden.

APA/Reuters