Infrastruktur. Nicht nur bei Rechenzentren entscheidet zunehmend der Faktor Energie, ob Projekte gelingen oder scheitern.
Es ist kein Zufall: Das Thema investierbare Infrastruktur bekommt bei der Expo Real in München erstmals eine eigene Bühne – inklusive Forum, dichtem Konferenzprogramm und begleitender Sonderschau. „Immobilie und Infrastruktur rücken immer näher zusammen – wirtschaftlich wie in der Praxis der Investoren“, erklärt Messedirektorin Claudia Boymanns.
Die Megatrends Energiewende, Digitalisierung und Urbanisierung hätten die Anforderungen an Standorte und Immobilien erheblich verändert. Zwei Sektoren, die zuletzt stark an Bedeutung gewonnen haben, werden bei der Fachmesse im Scheinwerferlicht stehen: Digitale Infrastruktur – sprich Rechenzentren, Glasfasernetze sowie Daten- und KI-Anwendungen – als Grundlage einer vernetzten Wirtschaft. Und Energieinfrastruktur, die von Wind- und Solarparks über Stromnetze bis zu Speicherlösungen reicht, als Voraussetzung für Automatisierung, Digitalisierung und KI.
Bedarf in der Logistik steigt
„Für groß angelegte KI-Trainingszentren ist die Verfügbarkeit von Strom häufig der wichtigste Standortfaktor, da sich Rechenlasten vergleichsweise flexibel dorthin verlagern lassen, wo ausreichend Energie verfügbar ist“, erklärt Morgan Laughlin, Global Head of Digital Infrastructure bei PGIM. Im Gegensatz dazu müssten latenzarme, Cloud-fähige und auf Endnutzer ausgerichtete Rechenzentren in der Nähe großer Bevölkerungs- und Wirtschaftszentren angesiedelt bleiben.
„Die Verfügbarkeit von Strom und Energie hat sich in den letzten Jahren definitiv zu einem mehr als wesentlichen Standortfaktor entwickelt“, bestätigt Andreas Liebsch, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Go Asset Development. Gerade in der Logistik gehe der Bedarf aufgrund von Automatisierung, Robotik und der steigenden Zahl an E-Ladepunkten – vor allem für Lkw – in den Megawattbereich. Als Standard gilt laut Liebsch mittlerweile ein Megawatt Strom pro 10.000 Quadratmeter Nutzfläche. Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass die bestehenden Stromleitungen beziehungsweise Stromnetze für diese Mengen vielfach nicht ausgelegt sind. Dazu kommt, dass es Jahre dauert, um das Stromnetz auszubauen. „Zeit, die bei Entwicklungsprojekten meist nicht vorhanden ist.“
Laut Liebsch kommt es daher alles andere als selten vor, dass Logistikprojekte wegen des fehlenden Strom- und Netzangebots nicht umgesetzt werden können. „Das Stromangebot wird heute normalerweise im Grundstückspreis mitberücksichtigt, wobei meist erst im Rahmen einer technischen Due-Diligence-Prüfung die notwendigen Zusatzkosten für die Energiezufuhr seriös ermittelt werden können.“ Für geplante Daten- oder Rechenzentren verlangen Grundstückseigentümer noch deutlich höhere Preise.
Höhere Grundstückspreise
Der Strom-, Wasser- und Flächenverbrauch von Rechenzentren sorgt in Österreich für Diskussionen. Das in Bau befindliche Google-Rechenzentrum in Kronstorf (OÖ) braucht keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Das Land Niederösterreich hat in einem ähnlichen Fall anders entschieden: Das geplante Rechenzentrum des US-Konzerns CloudHQ in Leopoldsdorf braucht sehr wohl eine UVP. Auch Umweltverträglichkeit ist ein Standortfaktor.
Die Presse





