
Der Netzbetreiber APG wird um den weiteren Ausbau des Stromnetzes nicht herum kommen. Allerdings können Netzengpässe bei der Stromübertragung abgefedert werden, in dem die Übertragungsleistung bei Freileitungen zumindest temporär gesteigert wird. Was vor allem bei der schwankenden Stromproduktion von PV- und Windanlagen von Bedeutung ist. Neue Sensoren aber auch neue Kabel sollen dies ermöglichen, sagte APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner am Mittwoch vor Journalisten.
Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie aber auch für Rechenzentren und Industrieanlagen steigt der Strombedarf – und damit auch der Bedarf nach einem stabilen Stromnetz. Die Austrian Power Grid (APG) verzeichnet Netzzugangsanfragen von rund 40.000 Megawatt (MW). Neben dem Ausbau des Stromnetzes geht es daher auch darum, das bestehende Netz effizienter zu nutzen.
Bis zu 50 Prozent mehr Übertragungsleistung
Die Übertragungsleistung sowie der Durchhang der Leiterseile eines Netzes hängt stark von der Temperatur ab. Bei günstigen, niedrigen Temperaturen oder mehr Wind kann die Übertragungsleistung um bis zu 50 Prozent gesteigert werden, merkte Christiner an. Bereits bei einem Viertel der APG-Leitungen setzt man auf den „Witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb“ (WAFB). Dies passiert vor allem bei Leitungen, die stark ausgelastet sind und es daher immer wieder zu hohen Kosten für das Engpassmanagement kommt. „Wir nutzen damit bestehende Reserven im Netz, können Engpässe reduzieren und zusätzliche erneuerbare Energie sicher in das Stromnetz integrieren“, so Christiner.
Allerdings kann das technische Potenzial nicht voll ausgenutzt werden, wenn die entsprechenden Daten fehlen. Daher setzt der Netzbetreiber gemeinsam mit Siemens Energy in einem Testbetrieb auf neue Sensoren, die unter anderem Temperatur, Windstärke, Durchhang und Vibration messen. Mit den Sensoren ist mit einer Leistungssteigerung von 10 bis 50 Prozent zu rechnen, erklärte Aleš Prešern, Managing Director für Österreich und Slowenien von Siemens Energy.
Bei höheren Temperaturen werden die Leitungen länger und hängen daher mehr durch. So kann es dazu kommen, dass entsprechende Sicherheitsabstände nicht mehr eingehalten werden. Um dies zu vermeiden, sollen künftig verstärkt Karbonseile eingesetzt werden. Hier verhindert ein karbonfaserverstärkter Verbundwerkstoff den Durchhang, erläuterte Christiner die zweite Maßnahme.
Niedrigere Kosten
Die höheren Übertragungskapazitäten sorgen auch dafür, dass hohe Kosten für das Engpassmanagement verhindert werden. Damit erspart sich die APG bereits jetzt zwischen 30 und 50 Mio. Euro jährlich. Allerdings gibt es hier auch wirtschaftliche Grenzen: Wird die Übertragungskapazität einer Leitung zu lange voll ausgeschöpft, wird dies unrentabel. „Es wird den Netzausbau nicht verhindern, aber verzögern“, sagte Christiner.
Erst das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) und das Erneuerbaren- Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) ermöglichen es, die technischen Möglichkeiten zu nützen, so Christiner. Der Witterungsabhängige Freileitungsbetrieb war vor dem ElBG nicht definiert. Und das EABG erlaube es, die Umbauten von Schaltanlagen und Umspannwerken ohne großen bürokratischen Aufwand durchzuführen oder die Seile ohne Umweltverträglichkeitsprüfung zu tauschen.
„Wo heute noch langwierige Genehmigungsverfahren notwendig sind, reicht künftig in vielen Fällen eine Anzeige“, teilte Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in einer Stellungnahme mit. „Das beschleunigt die Modernisierung der Netze, senkt Kosten und hilft uns, bestehende Kapazitäten besser zu nutzen.“
APA




