Am Donnerstag tagt der Aufsichtsrat der Salzburg AG. Auf der Tagesordnung stehen ein Rechtsstreit mit einem PV-Errichter und Millionenforderungen.
Im November 2021 schien noch die Sonne. „Salzburg AG beteiligt sich an PV-Profi“, hieß es in der Presseaussendung. Um Kundinnen und Kunden maßgeschneiderte Energielösungen anbieten zu können, die zukunftsfähig und auch leistbar seien, kooperiere die Salzburg AG mit einem „starken Partner am Photovoltaik-Markt“. Zehn Millionen Euro soll die Salzburg AG für die Partnerschaft bezahlt haben.
49 Prozent besitzt der regionale Energieversorger seitdem an der Ökovolt Solartechnik GmbH mit Sitz in Ostermiething (Oberösterreich). 51 Prozent hält der geschäftsführende Gesellschafter – eine Privatperson.
Inzwischen hängen dunkle Wolken über der Beteiligung. Den Beteiligungsdeal hat das agierende Vorstandsduo der Salzburg AG nicht zu verantworten. In dessen Amtszeit fällt aber nun ein umfassender Rechtsstreit, der zunehmend eskaliert. Seit geraumer Zeit gibt es mehrere Gerichtsverfahren in Deutschland und Österreich. Der Aufsichtsrat der Salzburg AG wird sich am Donnerstag mit der Causa beschäftigen. Vorab ist ein Informationsschreiben an die Aufsichtsräte ergangen. Dieses liegt den SN vor. Darin wird von einem „anhaltenden Gesellschafterstreit bzw. Rechtsstreit“ mit dem Geschäftsführer der Ökovolt Solartechnik GmbH berichtet. Zudem geht aus dem Schreiben hervor, dass der Geschäftsführer der Ökovolt Solartechnik GmbH gegen 17 Personen Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) eingebracht hat. Der Geschäftsführer der Ökovolt Solartechnik GmbH stellt demnach Schadenersatzansprüche an den Gesellschafter Salzburg AG. Strafbarkeiten wegen Betrugs, Untreue und Verletzung eines Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisses werden unterstellt. Teilweise erklärte sich die WKStA nach Prüfung eines Anfangsverdachts nicht zuständig, heißt es im Schriftstück. Teilweise sahen die Staatsanwälte keinen Anfangsverdacht.
Die WKStA prüfe laut Informationsschreiben einen Teilaspekt, der mit einem PV-Projekt bei einer Diskonterkette zusammenhänge. „Verbleibend ist ein einziger Sachverhalt rund um die Anbahnung bzw. den Abschluss eines PV-Projektes aus dem Frühjahr 2021. Das Ermittlungsverfahren hierzu steht ganz am Beginn“, heißt es von der Salzburg AG. Man sei zuversichtlich, dass sich auch dieser Vorwurf als unbegründet erweisen werde, und kooperiere „vollumfänglich“ bei der Aufklärung.
Vergleichsgespräche bislang gescheitert
Der Vorstand der Salzburg AG habe versucht, Vergleichsgespräche mit dem Geschäftsführer der Ökovolt Solartechnik GmbH zu erzielen. Ein Ausstieg aus der Unternehmensbeteiligung war damit verbunden. Diese Gespräche sind aber bislang gescheitert. Weder „nachvollziehbare noch gerechtfertigte Geldforderungen“ – im zweistelligen Millionenbereich – sollen vonseiten der Ökovolt Solartechnik GmbH erhoben worden sein. Der Salzburg-AG-Vorstand informiert die Aufsichtsräte zudem über Drohungen mit einer Reihe von „Eskalationsmaßnahmen“ bei Nichtannahme der Forderungen seitens der Ökovolt-Geschäftsführung. Die Ökovolt Solartechnik GmbH verbuchte im Geschäftsjahr 2024 einen Jahresüberschuss von 1,1 Millionen Euro bei einem Rohergebnis von 4,5 Millionen Euro. Operativ wird das Unternehmen uneingeschränkt fortgeführt.
Ökovolt-Geschäftsführer äußert sich nicht. Operativ wird das Unternehmen uneingeschränkt fortgeführt.
Der Geschäftsführer der Ökovolt Solartechnik GmbH verweist auf laufende Verfahren: „Ich möchte nach Rücksprache mit meinen Anwälten keine Angaben dazu machen.“
Geschäftsführerdebatte als Ausgangspunkt
Ein Unternehmenssprecher der Salzburg AG merkt an: „Ausgangspunkt der Streitigkeiten ist die Weigerung des Mitgesellschafters, das Recht der Salzburg AG auf Nominierung eines Geschäftsführers in der gemeinsamen Gesellschaft zu akzeptieren bzw. umzusetzen. Im März 2025 wurde überraschend eine Klage gegen die Salzburg AG eingebracht, mit dem Ziel, dieses Nominierungsrecht zu bekämpfen.“ Trotz Eskalation sei die Salzburg AG schon damals bemüht gewesen, den Konflikt auf sachlicher Ebene zu lösen, und lud zu Deeskalationsgesprächen ein. „Dies wurde allerdings lange Zeit nicht wahrgenommen.“ Man bleibe weiter bemüht, sehe sich aber zugleich gezwungen, die „Rechte gerichtlich zu wahren“.
Marco Riebler
Salzburger Nachrichten



