Tigas-GF sieht aktuell Preis- statt Versorgungsproblem

24. September 2026, Innsbruck
Unterstützung für Industrie eingemahnt
 - Wien, APA/THEMENBILD

Der Geschäftsführer des Tiroler Gasversorgers Tigas, Georg Tollinger, sieht in Österreich aktuell „mehr eine Preis- als eine Versorgungsthematik“. Die Situation verhalte sich anders als zu Beginn des Ukrainekrieges, als die Gasspeicher schlecht gefüllt waren und man zukaufen musste. „Die Speicher vor dem Winter sind in Tirol zu 90 Prozent und bundesweit zu 67 Prozent gefüllt“, sagte er am Donnerstag. Die Industrie brauche aber wegen der Energiekosten „Unterstützung“.

Diese Tatsache der gut gefüllten Gasspeicher sei auch den 2024 agierenden Wirtschafts- und Finanzministern – Martin Kocher (ÖVP) und Magnus Brunner (ÖVP) – zu verdanken. „Anders als in Deutschland hat man damals die 2022 angekauften Speicherreserven nämlich nicht verkauft“, erklärte der technische Tigas-Geschäftsführer bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Damit sei weitsichtig gehandelt worden, denn angesichts des Kriegsbeginns im Iran im Februar 2026 drohe nunmehr neuerlich eine Gasknappheit und Deutschland müsse im Gegensatz zu Österreich abermals zukaufen. Deutschland hatte im Jahr 2022 um 9 Mrd. Euro Gas zugekauft, Österreich um 4 Mrd. Euro. In Österreich wurde diese Speicherreserve bis April 2029 verlängert.

Dennoch sei die Situation aktuell durchaus angespannt, strich Tollinger heraus. „Die Unsicherheit im Nahen Osten schlägt voll auf die Preise in Europa durch“, führte der Geschäftsführer aus. Wer nicht – wie eben Tirol und Österreich – frühzeitig vorgesorgt und Weitsicht bewiesen habe, werde jetzt „ordentlich zur Kasse gebeten“. Die zum landeseigenen Energieversorger Tiwag gehörende Tigas könne in dieser Sache zwar noch den österreichweit günstigsten Gas-Fixpreis anbieten, spüre allerdings auch den „steigenden Druck an der Preisfront.“ Derzeit liege der Preis stabil bei rund 10 Cent pro Kilowattstunde und damit nur knapp über den 8 Cent, welche die Tigas vor dem Ukrainekrieg angeboten habe.

Unterstützung für Industrie eingemahnt

Es gelte abseits von Preisstabilität jedoch die „Gesamtsituation“ im Auge zu behalten, führte der Tigas-Geschäftsführer außerdem aus. „Die hohen Energiekosten bei Strom und Gas tun der Industrie natürlich weh“, konstatierte Tollinger. Dass die Industrie deshalb von Bundesseite „Unterstützung braucht“, stehe daher für ihn nicht zur Debatte, wenngleich man insgesamt in Österreich ein stabiles Umfeld anbieten könne. Es gelte aber darauf zu achten, dass die Energiepreise „nicht explodieren“, da ansonsten Industriestandorte dennoch verstärkt zur Debatte stünden.

Die Aufgabe der Tigas als Netzbetreiber sei jedenfalls grundsätzlich die eines „Ermöglichers“ der Versorgung. „Wenn diese grundlegend nicht gewährleistet ist, geht die Industrie definitiv weg“, warnte Tollinger. Alles Weitere liege dann im Einflussbereich der Politik. Es brauche „EU-weite und bundesweite Strategien“, führte der Geschäftsführer aus, wollte sich allerdings nicht auf konkrete, notwendige Maßnahmen festlegen.

APA