Die Krise am Golf befeuert die ENERGIEPREISE für Sprit, Gas und Strom. Was kommt und wie man sich für den Winter rüstet.
Um Tankstellen mit Preisen von mehr als 2,30 Euro pro Liter Diesel machen Autofahrer normalerweise einen großen Bogen. Mittlerweile sind Preise wie diese zum bitteren Alltag geworden – und die Tendenz geht weiter nach oben.
Grund für die steigenden Preise ist einmal mehr der Krieg im Iran. Die für den Öl- und Gastransport so wichtige Straße von Hormus ist weiter blockiert. Ende August war der europäische Gaspreis laut Österreichischer Energieagentur bereits doppelt so hoch wie vor Kriegsbeginn im Februar 2026. Nun haben die Huthi-Rebellen im Jemen auch noch die strategisch wichtige Insel Mayun an der Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle gebracht. Die Meerenge ist eine wichtige Ausweichroute für die Straße von Hormus, auch hier ist der Schiffsverkehr seither massiv beeinträchtigt. Just vor dem Winter befeuert das die Kosten für Heizöl, Diesel, Benzin und Erdgas in Europa.
Steigt der Gaspreis, führt das oft auch zu steigenden Stromkosten. Grund dafür ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip: An der Strombörse bestimmt immer das letzte und teuerste Kraftwerk den Preis für den gesamten Strom. In der kalten Jahreszeit, wenn erneuerbare Energiequellen den Strombedarf nicht abdecken, müssen daher teure Gaskraftwerke zugeschaltet werden – und bestimmen somit den Strompreis.
Ein Drittel aller Haushalte konnte sich die Energiekosten schon im vergangenen Winter nur schwer leisten. Dieser Winter wird an der Preisfront härter. Umso wichtiger ist die Vorbereitung.
Tanken
Zapfsäulen sind die unmittelbaren Seismografen der Weltlage. 2,299 Euro kostete der Liter Diesel Mittwochvormittag an der teuersten Tankstelle in Wien. Zu Mittag darf der Preis einmal erhöht werden. Und er sprang an dieser Tankstelle auf 2,399 Euro. Andere Tankstellen in Top-Lagen ließen sich von der psychologischen 2,40-Schwelle nicht bremsen und gingen darüber. So müssen sich Autofahrer laufend an neue Schmerzpunkte gewöhnen. Die Autofahrerclubs Arbö und ÖAMTC sehen bereits die Marke von 2,50 Euro am Horizont – an teureren Autobahntankstellen ist dieser Preis längst Realität. Zum Vergleich: Das ist eine Verdoppelung zum Durchschnittspreis der 2010er-Jahre und ein Plus von 50 Prozent seit Juli 2026. In Deutschland stimmt der Tankstellenverband die Autofahrer bereits auf drei Euro ein.
Die neuerlichen Ausschläge an den Zapfsäulen nach oben treffen vor allem Menschen, die aufs Auto angewiesen sind – und unter diesen besonders Diesel-Fahrer, die noch immer 44 Prozent der Pkw-Flotte ausmachen. Für einen Pendler, der täglich 35 Kilometer in die Arbeit zurücklegt, wären das rund 50 Euro Mehrbelastung pro Monat. Seit 2022 kostet der vormals günstigere Diesel wegen des knapperen Angebots empfindlich mehr als Benzin.
Doch auch die Preise für Superbenzin kletterten in wenigen Wochen von durchschnittlich 1,60 auf 1,90 Euro und knacken an städtischen Tankstellen bereits die Zwei-Euro-Marke. Was tun?
Die Regierung will ihre Spritpreisbremse – 1,9 Cent weniger Mineralölsteuer pro Liter – verlängern. Das spart bei einem Volltank zwischen einem und 1,5 Euro. Deutlich mehr bringt es daher, das eigene Fahrverhalten einem Rundum-Check zu unterziehen. Welche Strecken kann ich doch mit den Öffis zurücklegen? Kann ich einen Arbeitskollegen mitnehmen oder bei ihm oder ihr zusteigen? Das halbiert die Kosten pro Fahrt für beide schlagartig.
100 statt 130 km/h auf der Autobahn verringern den Spritverbrauch um 20 bis 25 Prozent. Auch die Dachbox oder der Radträger aus dem Urlaub gehören runter und die Kühlboxen raus aus dem Kofferraum. Sie erhöhen den Luftwiderstand beziehungsweise das Gewicht und dadurch den Spritverbrauch. Für den nächsten Volltank empfiehlt sich die Zeit vor Mittag, bevor die Tankstellenbetreiber ihre Preise erhöhen. Spritpreisrechner der Autofahrerclubs weisen zudem Preisdifferenzen von bis zu 20 Cent pro Liter zwischen Tankstellen aus. Das kann bei 50 Litern zehn Euro sparen, sofern die Billig-Tankstelle nicht weit entfernt ist.
Oder gleich weg mit dem Diesel? Für einen Umstieg aufs E-Auto braucht es das nötige Geld und im Idealfall eine Ladestation daheim oder in der Firma. An öffentlichen Ladestationen ist die Kilowattstunde nämlich oft empfindlich teurer, merkt der ÖAMTC an. Und dann schrumpft der Preisvorteil zu Diesel und Benzin.
Heizen
„2022 gab es die Befürchtung eines Versorgungsengpasses. Das sehen wir heute nicht mehr“, sagt Leo Lehr, stellvertretender Leiter der Abteilung für Volkswirtschaft der E-Control. Österreichs Gasspeicher sind gefüllt. „Diesen Winter droht eher eine problematische Preislage.“ Denn die blockierten Meerengen sind auch für Asien wichtige Transportrouten. Solange sie ausfallen, müssen asiatische Länder auf den globalen Gasmarkt ausweichen – und treten dort in direkte Konkurrenz mit Europa. Der Wettstreit der beiden Kontinente treibt die Preise in die Höhe.
Wer einen neuen Gasvertrag abschließen will, zahlt schon jetzt mit vier bis fünf Cent pro kWh rund die Hälfte mehr als zu Jahresbeginn. Sowohl der Verein für Konsumenteninformation als auch die Arbeiterkammer raten dazu, neue Verträge schnellstmöglich abzuschließen. Es lohne sich nicht, sagt Lukas Zwieb von der Österreichischen Energieagentur, in den kommenden Monaten auf fallende Preise zu hoffen: „Es ist auf jeden Fall zu erwarten, dass günstige Angebote für Endkunden sukzessive vom Markt verschwinden.“
Es gibt Verträge mit Fixpreis, Standardtarif und „Floater“. Experten empfehlen Fixpreis-Tarife, die üblicherweise zwölf Monate garantiert sind, weil der Preis bei den anderen Modellen laufend geändert werden kann.
„Bei den meisten Verträgen muss man selbst aktiv werden, um einen guten Preis zu behalten“, sagt Lehr von der E-Control. Über den Tarifkalkulator seiner Agentur kann man die Angebote einfach vergleichen. Möglich ist es, auch nur nach Angeboten mit Preisgarantie zu suchen. Die Lieferanten müssen den angegebenen Preis dann auch einhalten. Wichtig ist: Die Preisbindung läuft nicht
immer gleich lang wie der Vertrag. Auch darauf sollte man vor einem neuen Vertrag achten.
Und wenn der Vertrag noch läuft? „Endet mein aktueller Tarif beispielsweise erst im Jänner, sollte ich mich mit meinem Anbieter in Verbindung setzen und nachfragen, was mich erwarten könnte“, so Walter Hager vom VKI.
Besonders viel sparen kann, wer mit Wärmepumpe, also Strom, heizt. Die Geräte sind meist deutlich effizienter als Öl- oder Gasthermen. Doch gerade in Mietwohnungen ist der Ausstieg aus Gas schwierig. Und die Fördertöpfe für den Heizungstausch sind seit Juli leer. Neues Geld gibt es erst 2027.
Strom
Die gute Nachricht vorweg: Die Regierungsparteien haben am Mittwoch ein Maßnahmenpaket vorgestellt, das Haushalte vor künftigen Preisschocks beim Strom schützen soll. Der Strompreis soll bei 10 Cent netto pro Kilowattstunde eingefroren werden, wenn der Endverbraucherpreis drei Monate durchgehend über 16,5 Cent liegt. Die Regierung will den Strompreis-Deckel bis 1. Jänner 2027 umsetzen. Derzeit liegt der Strompreis netto bei 14 Cent pro kWh. Experten halten einen Sprung über die kritische Schwelle bis Jahreswechsel für realistisch. Der Preisdeckel würde dann ab Ende März erstmals greifen und die Preise für die Zukunft auf netto 10 Cent drücken.
Da der Strompreis deutlich zeitversetzt zum Gaspreis steigt, bietet sich aktuell ein Zeitfenster, Stromtarife vergleichsweise günstig abzuschließen. Während Bestandskundentarife aktuell bei rund 14 Cent pro Kilowattstunde liegen, gebe es Neukundentarife für 10 Cent, erinnert Experte Lehr. Ein schneller Wechsel ist also auch beim Strom geboten – trotz des geplanten Preisdeckels für 2027. Das kann jährlich 100 bis 150 Euro sparen.
Der Verein für Konsumenteninformation empfiehlt außerdem, beim Strom auf eine monatliche Rechnung umzusteigen: „Das ist hilfreich, um zu sehen, was gerade bei meinem Tarif passiert und wie sich die Preise verändern. Auch um böse Überraschungen durch Nachzahlungen zu vermeiden“, so Walter Hager vom VKI.
Mit einem Fixpreis-Tarif ist man vor weiteren Preissprüngen im Winter geschützt und begrenzt das Risiko. Das Gegenteil sind „Spotmarkt“-Pro- dukte. Sie passen sich stündlich an die Großhandelspreise an, die massiv schwanken können. Doch diese können für aktive Stromnutzer attraktiv sein. Wer beispielsweise ein E-Auto über Mittag laden kann, wenn der Stromverbrauch niedrig ist und die Photovoltaik viel einspeist, kann mit einem Spotmarkt-Stromvertrag viel Geld sparen. Ab 1. Oktober werden auch die Netzgebühren in der Nacht billiger. Wer dann seine Wärmepumpe anlaufen lässt oder den Geschirrspüler so einstellt, dass er in der Nacht läuft, kann zusätzlich sparen.
Armutsgefährdete Menschen werden von Energiepreisschocks deutlich härter getroffen und können gleichzeitig schlechter gegensteuern. Bei den Stromkosten hilft der Staat mit: Seit April gibt es einen Sozialtarif für Strom. Wer vom ORF-Beitrag befreit ist und eine Sozialleistung bezieht, zahlt für die ersten 2900 kWh nur 6 Cent pro kWh. Davon profitieren laut Wirtschaftsministerium bereits 250.000 Haushalte. Bei weiteren 50.000 Haushalten fehlt noch die notwendige Zählernummer, oder ihr Antrag ist in Bearbeitung.
Grundsätzlich funktioniere die Anmeldung zum Sozialtarif Strom sehr gut, sagt Doris Anzengruber, Leiterin der Caritas-Sozialberatungsstelle in Wien: „Auch ein Sozialtarif für Gas wäre wünschenswert.“
Für armutsgefährdete Haushalte bieten Caritas und Volkshilfe zudem kostenlose Energiesparberatungen an. Die Beraterinnen und Berater geben Tipps vor Ort, schauen sich die Energierechnung an, helfen bei Bedarf beim Vertragswechsel oder beim kostenlosen (weil geförderten) Tausch von bis zu zwei Energiefressern wie einem alten Ofen oder Kühlschrank.
Lukas Zwieb von der Österreichischen Energieagentur erinnert daran, dass man im bevorstehenden Winter alle Preise im Blick haben sollte, nicht nur jene für Energie. Denn die steigenden Kosten für Sprit, Gas und Strom verteuern rasch auch Transport und Produktion – und schlagen sich damit in den kommenden Monaten bei fast allen Produkten des täglichen Bedarfs nieder. Egal, ob diese aus der Golf-Region kommen oder nicht.
Energie-Tipps:
Wenn Sie einen neuen Gastarif abschließen möchten, tun Sie das schnellstmöglich. Die Preise steigen stetig.
Wählen Sie dabei ein Fixpreisangebot und vergleichen Sie im Tarifkalkulator Angebote.
Rabatte und Neukunden-Boni lassen Tarife zunächst attraktiv wirken. Beachten Sie jedoch die Dauer der günstigeren Konditionen.
Auch beim Strom locken jetzt noch günstige Tarife für Neukunden. Verlangen Sie zudem eine monatliche Abrechnung.
Tanken Sie vor dem Mittag und nutzen Sie Spritpreisrechner für den Preisvergleich – vermeiden Sie dabei aber teure Umwege.
Man fährt billiger mit wenig Ballast und Widerstand. Entfernen Sie ungenutzte Dachboxen oder Fahrradträger vom Auto.
Geräte, die im Hintergrund Strom zapfen, erhöhen unbemerkt die Rechnung. Lassen Sie diese nicht auf Stand-by laufen.
Falls möglich, investieren Sie in eine Wärmepumpe, PV-Anlage und/oder ein E-Auto. Das E-Auto mit dem eigenen Strom zu laden, ist die Champions League.
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