Gaspreis schockt die Betriebe

21. September 2026

Energie. Die hohen Gaspreise treffen Oberösterreichs energieintensive Betriebe. Sie fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Haushalte bleiben vorerst verschont – ihnen droht nächstes Jahr eine Erhöhung.

Die hohen Gaspreise sorgen für einen Schock in Oberösterreichs Wirtschaft. Nachdem sich die Großhandelspreise infolge des Iran-Krieges im März 2026 verdoppelt haben und fast auf diesem Niveau geblieben sind, sind sie seit Ende August um weitere 30 Prozent gestiegen. 84 Euro pro Megawattstunde ist Rekord seit Ende 2022.


„Die Großhandelspreise treffen uns direkt, da wir einen wesentlichen Teil unseres Erdgases direkt am Spotmarkt einkaufen,“ heißt es etwa von Heinzel Paper gegenüber dem KURIER. Das Unternehmen betreibt in Laakirchen zwei Papierfabriken mit einem Erdgasverbrauch, der jenem „einer mittelgroßen Stadt“ entspricht. Sebastian Heinzel, CEO und Eigentümer der Gruppe mit 2.819 Mitarbeitern und 1,99 Milliarden Euro Umsatz: „Die Energiefrage ist für energieintensive Industriebetriebe längst zu einer Standortfrage geworden.“ Er sieht die Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr.


Auch bei den Salinen Austria ist Alarmstufe Rot: Salinen-Chef Peter Untersperger rechnet bei weiter steigenden Preisen in den nächsten Monaten sogar mit Lieferproblemen bei Salz. Die Salinen (580 Mitarbeiter, 198 Millionen Euro Umsatz) zählen mit rund acht Millionen Kubikmetern zu den großen Gasverbrauchern in OÖ. Nummer 1 beim Verbrauch ist der Linzer Düngemittelhersteller LAT Nitrogen mit 600 Millionen Kubikmetern pro Jahr. Weitere Großverbraucher sind die voestalpine, Tann Papier (Traun), Smurfit Kappa (Nettingsdorf), AMAG (Ranshofen), TCG Unitech (Kirchdorf) und Borbet Austria (Ranshofen).


Aus für Merit-Order


Die Gaspreise belasten auch die Strompreise, denn der Strom wird bei Bedarfsspitzen in Gaskraftwerken produziert. Gemäß der Merit-Order-Regel – das teuerste Kraftwerk bestimmt den Marktpreis – treiben sie damit die europäischen Strompreise nach oben, selbst wenn Strom mit Windkraft erzeugt wird. Die Industriellenvereinigung (IV) OÖ verlangt deshalb eine Entkoppelung: „Wir können nicht bei jeder geopolitischen Krise wieder zusehen, wie explodierende Gaspreise über die Merit Order auf die Strompreise durchschlagen“, so Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.


Bereits eingekauft


Anders als die Betriebe setzen die Energieversorger noch auf Abwarten. Die Basistarife bei Gas würden sich vorerst nicht ändern, man habe „vorausschauend eingekauft“, heißt es bei Energie AG, Linz AG und Energie Ried. Man beobachte die Entwicklung sehr genau, „kurzfristige“ Schwankungen würden sich nicht auf die Preise niederschlagen, heißt es etwa bei der E-AG. Anders die Energie Wels (eww). „Die Großhandelspreise lagen zuletzt teilweise bei einem Vielfachen von jenen zu Jahresbeginn, weshalb wir zu deutlich höheren Preisen zukaufen mussten,“ so eww-Sprecher Thomas Holl. Vor diesem Hintergrund sei eine Erhöhung „absehbar.“


Die Gas-Haushaltskunden werden in dieser Saison weitgehend von Preissteigerungen verschont. Für die Heizsaison 2027/28 ist das allerdings unwahrscheinlich. Denn Gas für den übernächsten Winter wird bereits jetzt eingelagert. Zu einem Preis, der aktuell bei dem Doppelten bis Dreifachen des Preises vom September 2025 liegt.

Kurier