Die digitalen Stromzähler werden derzeit schrittweise auf Viertelstunden-Werte umgestellt. Die erste Generation muss bereits schrittweise ersetzt werden.
Etwa 6,8 Millionen Stromzähler sind in Österreich installiert, 98 Prozent davon sind heute digitale Messgeräte, die nicht nur die verbrauchten Kilowattstunden zählen, sondern im Viertelstundentakt die Last messen. Bisher wurden die Tagesverbräuche ein Mal täglich – standardmäßig – an den Netzbetreiber übertragen. Öfter, also im 15-Minuten-Takt, wurden Messwerte bisher nur gesendet, wenn ein Haushalt das aktiv verlangt hat, etwa um einen dynamischen Stromtarif zu nutzen oder an einer Energiegemeinschaft teilzunehmen.
Mit dem Inkrafttreten des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG) Ende 2025 ist die Speicherung und Übertragung von 15-Minuten-Werten die neue Standardeinstellung. Damit sollen die Vorteile der modernen Stromwelt, wie reduzierte Netzentgelte zu sonnenstromintensiven Tageszeiten, genaue Informationen über den eigenen Verbrauch oder richtige Floater-Tarife, breit nutzbar werden. Die digitalen Stromzähler werden – nach einem entsprechenden Informationsschreiben – derzeit schrittweise umgestellt, kostenlos, ohne Kundenbesuch, aus der Ferne.
In Salzburg sind 80 Prozent umgestellt
Die Netzbetreiber starten in der Regel mit Großverbrauchern. Auch bei der Salzburg Netz hat man bei Haushalten mit PV-Anlage, Wärmepumpe, E-Autos bzw. Speicher, die mehr als 5000 Kilowattstunden (kWh) im Jahr verbrauchen, den Anfang gemacht, gefolgt von jenen mit 1500 bis 5000 kWh Jahresverbrauch, 80 Prozent der 343.500 Zähler lesen nach Angaben des Landesversorgers bereits im Viertelstundentakt aus. Bis Jahresende sollen es laut Plan alle sein.
„Smart Meter sind die Voraussetzung für eine gute Datenbasis“, sagt Alfons Haber, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, „und künftig brauchen wir mehr Daten.“ Österreich sei hier im Europavergleich sehr weit. In Deutschland sind gerade einmal drei Prozent der Haushalte und Gewerbebetriebe mit intelligenten Stromzählern ausgestattet. Die Stromwelt hat sich massiv verändert. Gänzlich verweigern kann ein Haushalt die Umstellung nicht. Einige Streitfälle sind hier seit Jahren anhängig und beschäftigen sogar den Europäischen Gerichtshof (EuGH). „Es gibt kein Anrecht auf ein bestimmtes Messgerät“, unterstreicht Haber. Die Opt-out-Möglichkeit, mit der Smart Meter so eingestellt werden, dass sie nur ein Mal jährlich die Daten übertragen, bleibt auch in Zukunft erhalten. Neu ist, dass der höchste monatliche Spitzenwert erfasst und ausgelesen wird, nicht zuletzt, weil die Netzentgelte künftig eine Leistungskomponente enthalten.
Ausgenommen vom Opt-out sind Haushalte mit E-Auto, Wärmepumpe bzw. PV-Anlage sowie Nutzer von dynamischen Stromtarifen und Teilnehmer an Energiegemeinschaften. Laut Salzburg AG gibt es da und dort Diskussionen. Derzeit seien 6300 Smart Meter auf Opt-out konfiguriert, künftig werden es rund 4200 sein. 1500 analoge Zähler sind noch im Einsatz, mangels Zugang oder weil die Kunden nicht erreichbar sind, sie werden aber ebenfalls ersetzt.
Die erste Generation, die hierzulande ab 2010 installiert wurde, ist bereits ans Ende ihrer Lebenszeit gekommen. Anders als die alten Ferraris-Zähler kann die Lebensdauer nicht durch Nacheichung verlängert werden. Zu den Frühstartern zählte Oberösterreich, wo bereits die Beschaffung beginnt.
Mehr Speicher, weniger Fehler
Die zweite Generation wird laut Haber mehr können als die Vorgängergeräte. Kinderkrankheiten wie verzögerte Datenübertragung, unzuverlässige Messwerte oder geringer Speicherplatz werden ausgemerzt. „Die Stromwelt hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert, auch das Verbraucherverhalten“, sagt der Regulator. Die entsprechenden Mindestanforderungen für die neuen Zähler wurden Mitte Juli per Verordnung fixiert.
Die neuen Smart Meter sollen dazu beitragen, die Gesamtkosten des dringend notwendigen Netzausbaus in Österreich zu reduzieren. Mit der besseren Verteilung der Last lasse sich über das bestehende Netz mehr Energie übertragen, betont Haber. Einen ersten finanziellen Anreiz, Strom verstärkt zu bestimmten Zeiten zu nutzen und so einen Beitrag zur Entlastung des Stromnetzes zu leisten, hat die E-Control heuer mit dem sogenannten Sommer-Niedrig-Arbeitspreis geschaffen. Von 1. April bis Ende September gilt von 10 bis 16 Uhr eine 20-prozentige Reduktion des Netztarifs. Wer freiwillig schon auf Viertelstunden-Messwerte umgestellt hat, profitiert – wie 1,78 Millionen Zählpunkte – automatisch vom Rabatt auf die Netzkosten.
Kritisch sieht der Regulator, dass nur 23 Prozent der Netzbetreiber die Zählerdaten und Lastprofile, die auch für die Planung der Stromversorger wichtig sind, standardmäßig an die Lieferanten weitergeben. Technisch wäre das einfach, sagt Haber. Argumentiert werde unter anderem mit rechtlichen Unsicherheiten.
Rechnungshof kritisierte die Kosten des ersten Roll-out
In zehn Jahren müssen 70 Prozent aller Smart Meter der ersten Generation ersetzt sein, bis Ende 2039 dann 100 Prozent. Die Anschaffung werde nicht so teuer werden wie der erste Roll-out, verspricht der E-Control-Vorstand. Einem Rechnungshofbericht zufolge hat die erste Welle der Installation der smarten Zähler 2,18 Mrd. Euro bis 2022 gekostet.
Monika Graf
Salzburger Nachrichten



