Deutschlands Speicher sind halb leer. In Österreich ist die Lage besser, was nicht vor Preissteigerung schützt.
In Deutschland brennt der Hut. Nach dem strengen Winter sind die Gasspeicher der Nachbarn erst zu 50 Prozent gefüllt und damit um 25 Prozentpunkte geringer als normal um diese Zeit. Damit wachsen auch die Sorgen, dass es Europa bis zum Winter nicht schafft, seine Speicher zumindest zu 80 Prozent zu füllen. Laut einer Berechnung des Energiedaten-Anbieters Montel müsste Europa ab sofort 142 Schiffsladungen Flüssiggas importieren, um dieses Ziel zu erreichen, um 40 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen Monate.
In Österreich sei die Situation deutlich besser, sagt Markus Mitteregger, der Chef der Speichergesellschaft RAG, die für drei Viertel der österreichischen Gasspeicher verantwortlich zeichnet. Derzeit seien die Speicher der RAG zu 68 Prozent gefüllt. Bis Ende Oktober bzw. Anfang November würde noch Gas eingelagert. „Österreich hat mit dem Gasvorrat einen Polster, der Versorgungssicherheit gewährleistet“, sagt Mitteregger im Gespräch mit den OÖNachrichten.
Mitteregger sieht die Lage auf dem europäischen Markt allerdings grundsätzlich kritisch. „Ich bin verwundert, dass die Deutschen bei der Befüllung der Speicher nachlässig waren und aus den Problemen des Jahres 2022 nichts gelernt haben“, sagt Mitteregger.
Denn der Rückstand beim Befüllen der Gasspeicher hat einen für alle Kunden unangenehmen Effekt: Gas und Strom werden teurer. Da nun etliche Länder rasch größere Mengen benötigen, müssen sie auf den internationalen Märkten hohe Preise zahlen, denn auch in Asien ist der Bedarf groß. Außerdem ist es für internationale Speicherfirmen ob des derzeit ungewöhnlich hohen Gaspreises kein Geschäft einzuspeichern, weil die Margen fürs Einspeichern und Ausspeichern gesunken sind.
Und da immer noch viel Strom in Gaskraftwerken erzeugt wird, weil diese als Versicherung für Versorgungssicherheit gelten, und wegen der Merit-Order-Regel (das teuerste zuletzt zugeschaltete Kraftwerk prägt den Preis) wird auch der Strompreis steigen. Das alles zusammen wird wiederum die Inflation steigen lassen. Darauf bezieht sich auch die Kritik Mittereggers.
Vor allem wenn auch der nächste Winter streng wird, sei zu befürchten, dass die Gasreserven Europas bereits im April aufgebraucht sind, heißt es in Deutschland.
Oberösterreichische Nachrichten



