Kritik an Strompreisen, Ruf nach Privatisierung

31. August 2026, Wien

Weil 90 % des Stroms aus Erneuerbaren stammten, müsste Strom billiger sein, meint die industrienahe Agenda Austria und würde gerne privatisieren.


Der industrienahe Verein Agenda Austria geht auf die heimischen Stromunternehmen los, die sich in öffentlicher Hand befinden und regelmäßig Dividenden in diverse Staatsund Länderkassen spülen. Über wechselseitige Beteiligungen seien die Energieunternehmen miteinander verwoben, weshalb an echte Konkurrenz nicht zu denken sei, kritisiert die Agenda Austria. Es handle sich um ein Oligopol, das die Preise künstlich hochhalte. Dabei stammten rund 90 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen.


Der Verein stützt sich auf eine Statistik von Eurostat, der zufolge Österreichs Haushalte im Vorjahr im Schnitt für Strom etwas mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde und damit mehr als im EU-Schnitt von knapp unter 30 Cent zahlten.


Große Streuung


Allerdings ist die Streuung sehr groß. Beim Tiroler Landesversorger Tiwag beispielsweise zahlen Haushalte im regulären Standard-Tarif inklusive des Netzentgeltes der Tinetz rund 22 Cent je Kilowattstunde. Die Innsbrucker IKB liegt sich inklusive dem (teureren) Netzentgelt etwas höher als die Tiwag, aber immer noch deutlich unter dem EU-Schnitt, den die Agenda Austria für ihre Kritik an den heimischen Stromunternehmen anführt. Hinzu kommen bei heimischen Versorgern noch vergünstigte Sommer-Tarife. Auch der Tiroler Privatanbieter Gutmann liegt beim Strom unter dem EU-Schnitt.


Aus Sicht der Agenda Austria gehören die Energieversorger in öffentlicher Hand dennoch privatisiert. „Kreuzbeteiligungen müssen aufgelöst werden, anschließend heißt das Zauberwort Privatisierung“, schreibt der Verein. Auch sei es nötig, die Netzentgelte zu senken, ebenso wie Steuern und Abgaben.
Für die Industrie sehe die Situation zwar etwas besser aus, befindet die Agenda Austria. Im Schnitt würden die Betriebe in Österreich aber fast zwei Cent mehr pro Kilowattstunde als bei den meisten Konkurrenten in Europa.


Mit Wechsel ein Drittel sparen


Mit konsequentem Anbieterwechsel könnten Haushalte allerdings einiges an Stromkosten sparen, meint Michael Kreil vom Vergleichsportal tarife.at. Haushalte in Österreich, die seit Anfang 2024 stets zum jeweils günstigsten Anbieter gewechselt haben, hätten demnach beim Energiepreis im Schnitt rund ein Drittel weniger bezahlt als jene, die beim günstigsten Tarif ihres Landesversorgers geblieben sind. Die Streuung sei aber erheblich. Die größte durchschnittliche Ersparnis ergab sich demnach gegenüber der Salzburg AG (41,4 Prozent), die niedrigste gegenüber der Tiwag (14,7 Prozent).

Tiroler Tageszeitung