Wie die Kriege in der Ukraine und im Iran den Linzer Wärmepreis beeinflussen

28. August 2026, Linz

Gaspreis wird hoch bleiben, die Linz AG will Fernwärme 2030 weitgehend dekarbonisieren.

Mehr als 68 Euro je Megawattstunde kostet Erdgas derzeit in Europa. Dieser Preis ist deutlich höher als sonst zu dieser Jahreszeit. Der Sommer ist normalerweise die Zeit, in der die Energieversorger Gas günstig einkaufen, um es im Winter ausreichend zur Verfügung zu haben. Die Linz AG hat das kommen sehen und sich schon frühzeitig die Gasmengen bis zum 1. Juli 2027 gesichert – um gut 40 Euro. Eine größere Menge als für ein ganzes Jahr war nicht möglich, weil der Speicher dafür fehlt.


Die Kriege in der Ukraine und im Iran, vor allem aber die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus wirken sich unmittelbar auf die Menschen auch in Österreich aus – nicht nur auf die Gaskunden, sondern auch für die Fernwärmekunden der Linz AG. Denn die Fernwärme – rund eine Terawattstunde pro Jahr – wird derzeit noch zu 60 Prozent mit Gas produziert. Das soll sich ändern. „Wir wollen und müssen weitgehend raus aus dem Gas“, sagt Linz-AG-Chef Erich Haider im Gespräch mit den OÖNachrichten.
Ein Blick auf den Gasmarkt zeigt, wie sich im Laufe der vergangenen Jahre die Abhängigkeit Europas und damit auch Österreichs von großen Lieferanten verschoben und gleichzeitig das Gas verteuert hat.
Während Europa vor dem Überfall auf die Ukraine Gas überwiegend über Leitungen aus Russland bezogen hat, bezieht Europa nun mehr Flüssiggas aus anderen Staaten. Die USA, die als Lieferant alles andere als verlässlich waren und sind und bei den Preisen kräftig anzogen, sind der große Gewinner dieser Entwicklung.


Die USA als Profiteure


Seit 2023 hat sich die Menge des gelieferten Flüssiggases der USA nach Europa von 77,5 auf 101,1 Milliarden Kubikmeter erhöht. Und solange die Straße von Hormus so umkämpft ist, machen die Amerikaner mit ihrem Flüssiggas ein gutes Geschäft.


Der größte Flüssiggasproduzent der Welt, Katar, liefert dagegen deutlich weniger, verkauft 90 Prozent seiner Produktion Richtung Asien. Aus Russland kommen noch immer 21,5 Milliarden Kubikmeter im Jahr nach Europa. „Woher das Gas nächstes Jahr kommen soll, wenn man gar kein russisches Gas mehr einkaufen darf, ist die große Frage“, sagt Erich Haider.


Die norwegischen Kapazitäten fahren auf Anschlag. Der Wettbewerb ums Gas werde sich in Asien verschärfen, was wiederum die Preise treiben werde. Derzeit erreichen 60 bis 80 LNG-Schiffe pro Tag Europa. Das wird dann nicht reichen – wobei sich auch die Frage stellt, wo das Gas in Europa verladen wird.


Dazu kommt: Nicht nur der Gaspreis tendiert nach oben. Mit dem Gaspreis selbst steigen auch die Lagerkosten, denn für die Einlagerung benötigt man eine Gasschicht, die das Lager nach unten abdichtet, aber nicht verkauft wird. Bei einem Gaspreis von 60 Euro sind die Speicherkosten um 55 Prozent höher als im Vorjahr.


Bei der Linz AG geht man davon aus, dass die Gasspeicher in Österreich mit 1. Oktober zu 80 Prozent gefüllt sind, das entspricht 76 TWh. Das reicht für einen durchschnittlichen Winter. Bei einem kalten Winter wären im April nur noch 15 TWh übrig, was als kritisch gesehen werden könnte.


Dass sich Europa und Österreich innerhalb kürzester Zeit vom Gas unabhängig machen, ist eine Illusion. Gas wird nicht nur für die Industrie, sondern auch für die Stromerzeugung in Österreich benötigt. Gaskraftwerke sind jene Brückentechnologie, die das Backup für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern ist, weil sie schnell hochgefahren werden können.


Abhängigkeit verringern


Bei der Wärmeerzeugung sei eine Abkehr vom Gas dagegen relativ schnell machbar, sagt Haider. Bis 2030 könnte die Abhängigkeit von derzeit 60 Prozent auf weniger als zehn Prozent gesenkt werden.
Ein Projekt befindet sich derzeit schon im Bau. Dabei handelt es sich um einen Wärmewandler, den Haider gern als „umgedrehten Kochtopf“ bezeichnet. Dabei wird der Wasserdampf, der in den Heizkraftwerken entweicht, abgekühlt und wieder verflüssigt. Das heiße Wasser kann ins Fernwärmenetz eingespeist werden. Allein diese Maßnahme würde 200 GWh für die Fernwärme bringen. In Betrieb gehen soll der Wärmewandler 2028. Kostenpunkt inklusive Fernkälteerzeugung: 100 Millionen Euro.


Ein weiteres Projekt wird derzeit verhandelt: Die Linz AG möchte die industrielle Abwärme des Chemieparks nutzen. Das Projekt „Heatlink“ wird rund 70 Millionen Euro kosten.
Der Chemiepark ist nach der voestalpine der größte Energieverbraucher in Oberösterreich. Die voestalpine benötigt rund 40 Prozent der Energie in Oberösterreich und produziert viel Abwärme. Der Chemiepark kommt immerhin auf 36 Prozent des Energieverbrauchs. Und mit deren Unternehmen will die Linz AG ins Geschäft kommen. Technisch sei die Abwärme schon aufgrund der räumlichen Nähe der Linz AG zum Chemiepark gut bewältigbar. Diese Maßnahme brächte weitere 200 bis 300 GWh im Jahr. Die Frage ist, ob man irgendwann auch mit der voestalpine ins Geschäft kommt.


Dann wäre die Fernwärmeerzeugung der Linz AG fast dekarbonisiert, was im Hinblick auf die Preisentwicklung auch wichtig wäre. Denn die CO2-Zertifikate, die gleichsam ein Ablass für den CO2-Ausstoß sind, werden im Laufe der Jahre deutlich teurer werden. Je früher man den Gasverbrauch reduziert, umso besser hat man die Fernwärmepreise im Griff.

„Es ist davon auszugehen, dass der Kampf ums Gas härter und das Gas teurer wird. Für uns bedeutet das, dass wir bei der Fernwärmeerzeugung schnell aus dem Gas raus müssen.“
Erich Haider, Generaldirektor der Linz AG Foto: Maybach

Oberösterreichische Nachrichten