Nicht nur Strom: Was die Sonne alles kann

6. August 2026

Viele Sonnenstunden sorgen derzeit für hohe Energieerträge. Neben Strom lässt sich daraus auch Wärme gewinnen. Solarthermie entlastet das Energiesystem. Dennoch steht sie oft im Schatten der Photovoltaik.


Die Hitzewelle der vergangenen Tage hat Österreich zahlreiche Sonnenstunden beschert. Während dabei meist über die hohen Stromerträge von Photovoltaikanlagen gesprochen wird, liefert die Sonne noch eine zweite Form erneuerbarer Energie: Wärme. „Der Begriff Solarthermie steht für die Wärme, die von der Sonne erzeugt wird“, erklärt Roger Hackstock, der Geschäftsführer des Verbands Austria Solar. „Der wesentliche Unterschied ist: Photovoltaik erzeugt Strom, Solarthermie erzeugt Wärme“.


Etwa die Hälfte des Gesamtenergiebedarfs in Österreich entfalle auf Wärme, ein Viertel auf Strom. Bei einem durchschnittlichen Haushalt entfallen rund 80 Prozent des Energiebedarfs auf Wärme. „Bei Strom sind wir schon gut unterwegs. Es werden nur noch rund 10 Prozent des Strombedarfs in Österreich durch fossile Energieträger gedeckt. Bei Wärme werden jedoch noch zwei Drittel des Gesamtbedarfs durch fossile Energieträger, wie Öl oder Gas, produziert. Hier gibt es also noch Aufholbedarf“, erläutert Hackstock.


Eine Solarthermieanlage bestehe aus Kollektoren am Dach und einem Speicher im Keller. „Die Sonne erhitzt einen schwarzen Absorber im Kollektor, die Wärme wird über Rohre abgeführt und im Speicher für mehrere Tage zwischengelagert“, schildert Hackstock. Bei einer typischen Anlage für einen Haushalt werden übers Jahr rund zwei Drittel des Warmwassers und etwa ein Drittel des Heizbedarfs gedeckt. Im Sommer übernimmt die Solaranlage die Warmwasserbereitung allein, in der Übergangszeit liefert sie etwa die Hälfte der Wärme, im Winter einen kleinen Beitrag. Generell bedeute das für Haushalte einen geringeren Verbrauch von Gas, Öl oder anderen fossilen Energieträgern und damit mehr Unabhängigkeit von steigenden Energiepreisen.

„PV und Solar funktionieren am besten in Kombination“

In Niederösterreich haben zwischen 50.000 und 60.000 Haushalte eine Solarthermieanlage installiert. Die Zahl der Photovoltaik-Anlagen im Land lag im Vorjahr bei 160.000. Von der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ (eNu) heißt es, dass Solarthermie zur Heizungsunterstützung zunehmend seltener eingesetzt und immer stärker von der Photovoltaik verdrängt werde. Strom kann vielseitiger eingesetzt werden als Wärme. Mit PV erzeugter Strom lässt sich etwa zum Heizen mit Wärmepumpen oder zum Kühlen mit Klimaanlagen nutzen. Solarthermie hingegen ist auf die Bereitstellung von Wärme für Heizung und Warmwasser beschränkt.


„Niederösterreich ist das Bundesland mit dem zweithöchsten Stromverbrauch in Österreich. Wenn ich zusätzlich zum Strombedarf nun auch den Wärmebedarf mit Strom abdecken möchte, brauche ich mehr und mehr Ökostrom“, betont Hackstock. Aus diesem Grund sei es empfehlenswert, wertvolle Sonnenenergie nicht „am Dach liegen zu lassen“. Technisch gesehen bringe ein Quadratmeter Solarthermie nämlich deutlich mehr nutzbare Energie vom Dach. „Solarwärme liefert ungefähr dreimal so viel Energie pro Quadratmeter wie Photovoltaik. An bewölkten Tagen ist der Effizienzunterschied noch größer“, sagt Hackstock.


Ein weiterer Vorteil von Solarthermie sei, dass rund 90 Prozent der Produkte aus Österreich kommen. Solarpanele und weitere Bestandteile einer Solaranlage werden in Österreich produziert und importiert. „Bei PV und Batterien ist es umgekehrt. Hier kommt der Großteil der Produkte aus China“, erklärt Hackstock. Der Experte meint, dass beide Technologien nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten, sondern je nach Stärken eingesetzt werden sollten. Sogenannte „Hybrid-Kollektoren“ erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme. „Gerade dieser Bereich entwickelt sich sehr dynamisch, weil man die verfügbare Dachfläche doppelt nutzen kann“, sagt Hackstock.

Experte fordert Direktzuschuss für Solarthermie

Generell sei das Solarthermie-Potenzial in NÖ groß. Laut einer Studie des Klima- und Energiefonds könnten in NÖ bis 2040 rund 5,6 Millionen Quadratmeter Solarthermiefläche installiert werden. Damit ließen sich etwa 200 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Jahr ersetzen. Gleichzeitig könnten jährlich rund 450.000 Tonnen CO₂ eingespart werden sowie die dazugehörige CO₂-Abgabe von 55 Euro pro Tonne. Um das Potenzial von Solarthermie auszuschöpfen, brauche es laut Hackstock ein politisches Signal. Früher habe es etwa einen Direktzuschuss für Solarthermie gegeben, den man jetzt wieder einführen könnte. Im Rahmen der NÖ Wohnbauförderung könne man mit einer Solarthermieanlage zusätzliche Punkte sammeln, die die Förderung des gesamten Projektes erhöhen.

Katrin Schinewitz

NÖN Niederösterreichische Nachrichten