Fehlendes Kühlwasser und zu hohe Flusstemperaturen erzwingen das Herunterfahren von Kernreaktoren.
Nicht nur der Wasserkraft machen Trockenheit und Hitze zu schaffen. Schon seit etlichen Jahren haben die Betreiber von Atomkraftwerken ihre liebe Not damit. Weil die Flüsse zu wenig oder zu warmes Wasser führen, müssen die Betreiber von Kernkraftwerken ihre Reaktoren im Sommer immer wieder drosseln oder ganz herunterfahren.
So wurde das ungarische Kernkraftwerk Paks am Donnerstag komplett vom Netz genommen, weil der Wasserstand der Donau 1,2 Meter unter dem bisherigen Rekordtief lag. Es fehlte das Wasser zum Kühlen der Atomreaktoren: Die Ansaugpunkte für das Kühlwasser lagen trocken. Ungarns Ministerpräsident Peter Magyar erklärte, der Leistungsausfall von zwei Gigawatt werde durch Importe gedeckt.
Doch auch andere Länder haben eine eingeschränkte atomare Stromproduktion zu beklagen. Bereits am Mittwoch musste das rumänische AKW Cernavodǎ vom Netz genommen werden.
Das Schweizer Atomkraftwerk Beznau an der Aare stand am Wochenende kurz davor, zum zweiten Mal nach Juni die Energieproduktion einstellen zu müssen. In Frankreich wurden Mitte Juli drei Reaktoren heruntergefahren und sieben weitere gedrosselt. In diesen Fällen ist oft nicht der Wassermangel das Problem, sondern die Temperatur der Gewässer. Umweltauflagen schreiben vor, dass die Temperatur des Wassers, das von Reaktoren zurück in den Fluss geleitet wird, einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten darf. Damit soll verhindert werden, dass das ökologische Gleichgewicht im Fluss gestört wird.
Im Fall der Aare in der Schweiz und bei den meisten französischen Flüssen darf die
Temperatur die 25 Grad nicht übersteigen. Am Freitag hatte die Aare um 14 Uhr diesen Grenzwert erreicht.
Am härtesten trifft die Drosselung bzw. das Herunterfahren von Reaktoren Frankreich. Das Land deckt fast 70 Prozent seines Strombedarfs durch Atomkraft. Die 57 Reaktoren haben eine maximale Gesamtleistung von 63 Gigawatt. Aufgrund zu warmer Flüsse fehlten bereits Mitte Juli 4,9 Gigawatt an Kernkraftkapazität, weitere 2,5 Gigawatt waren wegen niedriger Wasserstände nicht verfügbar.
Tiroler Tageszeitung





