Wasserknappheit setzt Tiwag zu, heuer 17 Prozent weniger Strom.
Hitze- und Trockenperioden setzen der Wasserkraft in Tirol zu. Die Wasserzuflüsse liegen heuer deutlich unter dem langjährigen Schnitt, die Stromproduktion geht zurück.
Die Wasserkraft wird oft als das Kapital Tirols bezeichnet. Der Landesenergieversorger Tiwag nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, aber auch die Pumpspeicherkraftwerke des Verbunds im Zillertal sind hier zu nennen. Dazu kommen noch rund 900 Kleinwasserkraftwerke. Eigentlich wurde im Sommer bisher am meisten Strom produziert, doch der Klimawandel setzt den Kraftwerksbetreibern wie der Tiwag zu.
Die Zuflüsse zu allen Wasserkraftwerken liegen seit Jahresbeginn nämlich deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Bereits im Vorjahr wurden 13 Prozent weniger verzeichnet. Insbesondere Laufkraftwerke sind laut Tiwag davon betroffen, weil sie nur die jeweils verfügbaren Wassermengen zur Stromerzeugung nutzen können und keine Speichermöglichkeiten haben. In Summe wurde in der ersten Jahreshälfte 2026 rund 17 Prozent weniger Strom erzeugt als im langjährigen Mittel.
„Für die Versorgungssicherheit in Tirol besteht derzeit jedenfalls keine Gefahr. Die Pegelstände der großen Tiwag-Speicherseen – Gepatsch, Finstertal und Längental und des Achensees – befinden sich derzeit im Normalbereich“, heißt es. Im Gegensatz zu Laufkraftwerken könnten Speicherkraftwerke Trockenperioden abfedern, indem sie bei Bedarf das gespeicherte Wasser gezielt für die Stromerzeugung nutzen.
Der Verbund beobachtet eine ähnliche Entwicklung. Die Pumpspeicherkraftwerke Zemm-Ziller im Zillertal seien von der Trockenheit derzeit nicht besonders stark betroffen, exakte Zahlen zur aktuellen Stromproduktion liegen aber nicht vor. Die Füllstände würden sich allerdings im Bereich des langjährigen Durchschnitts bewegen. Trotzdem: „Der Klimawandel verschiebt die Wasserverfügbarkeit zunehmend von den Sommermonaten in die produktionsärmere Winterzeit. Gerade deshalb sind Speicherkraftwerke im Zillertal so wichtig: Sie machen erneuerbare Energie speicherbar, stabilisieren das Stromsystem und helfen, die Winterstromlücke zu verringern“, teilt der Verbund mit.
Welche Auswirkungen hat das auf den Energiehandel, schließlich wird im Sommer am meisten Strom erzeugt? „In Kombination mit einem langfristigen Agieren am Markt sind
die Auswirkungen der Trockenheit auf den Energiehandel im Vergleich zu anderen Bereichen geringer“, informiert der Landesenergieversorger. Einmal mehr wird auf den Ausbau von Speicherkapazitäten verwiesen, weil gerade in Zeiten von Hitzewellen oder Dunkelflauten ausreichend Speicherkapazitäten entscheidend seien, um Angebot und Nachfrage im Stromsystem auszugleichen und die Netzstabilität zu sichern.
Auch Kleinkraftwerke wie jenes am Fotscherbach im Sellrain, das seit 2021 in Betrieb ist, spüren den niedrigen Wasserstand. Wenig Schnee im Winter und wenig Niederschlag im Juni und Juli würden sich auf den Ausfluss des Fotscherbaches auswirken. Wenn der Bach weniger Wasser führt, dürfen auch weniger Restwassermengen entnommen werden: „Das Kraftwerk produziert aktuell weniger
Strom, das spüren wir natürlich wirtschaftlich“, erklärt Bürgermeister Benedikt Singer. Eine ähnliche Situation habe es im Vorjahr gegeben. Deshalb lag 2025 die Jahresleistung mit 7.783.068 Kilowattstunden deutlich unter jener von 2024 mit 10.623.336 Kilowattstunden. 100 Prozent des produzierten Stromes werden an die Tiwag eingespeist: „Genug Niederschlag wäre jetzt gut“, sagt Singer.
Der Klimawandel setzt der Wasserkraft zu
Alpine Wasserkraftwerke: Höhere Temperaturen führen dazu, dass Niederschläge im Winter auch in größeren Höhen häufiger als Regen und nicht als Schnee fallen. Dadurch steigen die Abflüsse in den Wintermonaten, während im Frühjahr und Sommer durch geringere Schneespeicherung und frühere Schneeschmelze tendenziell weniger Wasser zur Verfügung steht.
Laufkraftwerke: Sind vor allem von der Trockenperiode betroffen, allein den Laufkraftwerken des Verbunds fehlt ein Drittel der üblichen Wassermenge. Auch in Tirol sind Imst, Kirchbichl und Langkampfen hauptbetroffen.
Tiroler Tageszeitung





