Ein Kraftwerk für Generationen

29. Juli 2026

2,65 Milliarden Euro für Europas Energiezukunft: Das Lünerseewerk II kommt bald.

Bregenz, Brand

Die illwerke vkw reicht das Projekt Lünerseewerk II am 31. Juli 2026 zur Umweltverträglichkeitsprüfung ein. Damit beginnt die behördliche Prüfung des größten Energie- und Infrastrukturvorhabens Vorarlbergs. Landeshauptmann Markus Wallner und illwerke vkw-Vorstandsmitglied Gerd Wegeler stellten das Projekt wenige Tage vor der Einreichung bei einem Lokalaugenschein am Lünersee vor.


Das geplante Pumpspeicherkraftwerk soll mit drei hochflexiblen, voll regelbaren Maschinensätzen eine Leistung von 1100 Megawatt im Turbinenbetrieb und 1.050 Megawatt im Pumpbetrieb erreichen. Die im Lünersee speicherbare Energiemenge beträgt rund 240 Gigawattstunden, was der Speicherkapazität von rund 25 Millionen Haushaltsspeichern entspricht.


Die Fallhöhe von rund 1300 Metern ermöglicht nach Angaben der illwerke vkw eine besonders effiziente Nutzung der vorhandenen Wasserressourcen. Damit würde das Lünerseewerk II zum größten Pumpspeicherkraftwerk im deutschsprachigen Raum. Ab 2036 soll das Wasser des Lünersees durch die neue Anlage fließen.


Das Investitionsvolumen beträgt rund 2,65 Milliarden Euro. Gerd Wegeler begründete das Vorhaben mit dem wachsenden Bedarf an Speicherkapazitäten: „Die Energielandschaft verändert sich grundlegend. Der Bedarf an nachhaltig erzeugter elektrischer Energie steigt rasant. Das bedeutet, dass Wind- und Photovoltaik-Kraftwerke weiterhin stark ausgebaut werden. Um das Energiesystem zukünftig stabil halten zu können, werden große Kapazitäten von flexibler Leistung und Speichern benötigt. Das Lünerseewerk II ist die passgenaue Antwort auf diese zukünftigen Anforderungen.“


Landeshauptmann Wallner betonte die strategische Bedeutung des Projekts für das Land: „Das Wasser ist der wichtigste heimische Bodenschatz Vorarlbergs. Mit dem Lünerseewerk II nutzen wir diesen Bodenschatz verantwortungsvoll und im Interesse kommender Generationen. Das Projekt ist eines der zentralen Zukunfts- und Infrastrukturvorhaben unseres Landes. Es stärkt die Energieautonomie Vorarlbergs und festigt zugleich unsere Rolle in der europäischen Energiezukunft.“


Wertschöpfung und Beschäftigung


Wallner verwies auch auf die wirtschaftliche Dimension: „Ein Investitionsvorhaben dieser Größenordnung schafft über viele Jahre Wertschöpfung, Aufträge und Beschäftigung. Davon profitieren der Wirtschaftsstandort, regionale Unternehmen und die Bevölkerung.“


Ein zentraler Vorteil des Projekts ist laut illwerke vkw die Nutzung des bestehenden Speichers sowie vorhandener Anlagen, Verkehrswege und energiewirtschaftlicher Infrastruktur. Das Kraftwerk selbst wird unterirdisch errichtet. Wesentliche Anlagenteile wie Druckstollen, Druckschacht, Wasserschloss und Krafthauskaverne liegen im Berg.


Seit Beginn des Jahres 2022 hat die illwerke vkw intensiv an der Projektentwicklung gearbeitet. Bis zur Einreichung wurden rund 35 Millionen Euro für Projektentwicklung, Einreichplanung und Erkundungsmaßnahmen aufgewendet, insgesamt leistete das Unternehmen rund 150.000 Arbeitsstunden. Die Einreichung behandelt rund 40 Fachbereiche und umfasst etwa 50 Berichte sowie rund 230 Pläne. Rund 20 externe Expertinnen und Experten sowie Fachbüros waren in die Ausarbeitung eingebunden. Dabei wurden Umwelt-, Natur-, Raum-, Sicherheits- und Infrastrukturfragen bearbeitet.


Projektleiter Simon Dörler skizzierte das Vorhaben im Rahmen des Lokalaugenscheins anhand einer Ausstellung auf der Staumauer-Plattform am Lünersee. Das Lünerseewerk II ist als langfristige Infrastruktur für Generationen konzipiert und soll einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität und Versorgungssicherheit eines Energiesystems leisten, das zunehmend von schwankender erneuerbarer Erzeugung geprägt ist.

VN Vorarlberger Nachrichten