Goldgräberstimmung für Großbatteriespeicher

22. Juli 2026

Systeme sind marktreif und heiß begehrt. Investoren haben deutlich mehr Projekte beantragt, als Österreich bis 2040 benötigt

Der neue Speicher der Energie AG Oberösterreich wird kurz nach seiner Inbetriebnahme nicht mehr das größte batterieelektrische Speichersystem in Oberösterreich sein. Beim Hörschinger Logistikspezialisten Schachinger wird die Welser Firma Powerlink H2 in wenigen Wochen ein System mit 30 Megawatt Leistung in Betrieb nehmen, das sind zwölf Batteriecontainer mit drei Containern für Wechselrichter. Und damit wird das Ende der Fahnenstange nicht erreicht werden. Denn die Branche erlebt derzeit eine regelrechte Goldgräberstimmung.


Bundesweit sind Speicher mit 25 Gigawatt geplant. Tatsächlich werden in den kommenden zehn Jahren maximal fünf GW benötigt, wie E-Control-Chef Alfons Haber den OÖNachrichten bestätigt.
Auch bei der Netz OÖ zeichnet sich die enorme Nachfrage ab. Derzeit sind zehn Speicher mit 14 MW in Betrieb. 84 Speicher sind in Umsetzung, sie vereinen etwa 700 MW, einer befindet sich in Wagenham (südlich von Braunau) in Bau. Angefragt sind 153 weitere Projekte mit einer Leistung von 3,1 Gigawatt. Damit würden allein in Oberösterreich die notwendigen Speicher für ganz Österreich errichtet. Das Energieinstitut an der JKU hat vor zwei Jahren das Potenzial für Kurzzeitspeicher inklusive Pumpspeicherkraftwerke in Oberösterreich auf etwa drei Gigawatt im Jahr 2040 taxiert. Co-Autor Robert Tichler sieht einen Flächenbedarf von 140 Fußballfeldern für die Großbatteriespeicher.


Die Großbatteriespeicher sollen helfen, Überschussstrom, der derzeit zum Beispiel mittags von PV-Anlagen produziert wird, zwischenzuspeichern und dann abzugeben, wenn mehr Strom benötigt wird – für den Lastenausgleich. Das Preisdelta zwischen Einspeicherung und Ausspeicherung ist das Geschäftsmodell, das hinter Investitionen von rund fünf Millionen Euro etwa für einen 10-MW-Speicher steht.


Der ehemalige Chef der Energie AG Oberösterreich, Werner Steinecker, bestätigt, dass sich Goldgräberstimmung breit macht. Steinecker ist jetzt Mitgesellschafter von Powerlink H2. Es gebe mehr Projekte als benötigt. „Man kann aber davon ausgehen, dass etliche Projekteinreicher die Batteriespeicher nicht selbst betreiben wollen. Sie bereiten das Projekt auf und wollen vor Inbetriebnahme wieder verkaufen“, sagt Steinecker, der den Bedarf an Großbatteriespeichern höher schätzt als die E-Control. Dieser Bedarf sei stets unterschätzt gewesen.


Speicher werden entweder für den Regelstrom verwendet oder aber für das Arbitragegeschäft, bei dem es vor allem um das Nutzen des Preisdeltas zwischen den Strompreisspitzen geht.


Was ist netzdienlich?


Diskutiert wird derzeit, ob die Betreiber von Großbatteriespeichern von den Netzgebühren befreit sind. Das sollen sie nur dann werden, wenn sie netzdienlich arbeiten, sagt Alfons Haber. Es komme darauf an, wo die Speicher stehen und wie die Betriebsweise ist. Ein Batteriespeicher an der Parndorfer Platte, der hilft, Überschussstrom zu speichern und auszugleichen, sei netzdienlich. Stehe derselbe Speicher nahe der voestalpine und speichert Strom ein, den die voestalpine dringend benötigt, sei dies nicht netzdienlich, sondern teuer.

Oberösterreichische Nachrichten