
Die anhaltende Trockenheit in Italien setzt die Wasserversorgung und die Stromproduktion im Norden des Landes zunehmend unter Druck. Hunderte Wasserkraftanlagen könnten in den kommenden Monaten mit erheblichen Problemen konfrontiert werden, weil die Wasserstände vieler Flüsse weiter sinken. Die Warnung stammt aus dem Bewirtschaftungsplan für das Flussgebiet des Po, der dem italienischen Umweltministerium vorgelegt wurde.
Besonders betroffen sind Anlagen, die auf den längsten Fluss Italiens angewiesen sind: Rund 88 Prozent der für die Wasserkraft im Norden genutzten Wassermengen stammen aus dem Po und seinem Einzugsgebiet. Auch das Aostatal gehört zu dem weit verzweigten Netz von Wasserkraftanlagen, das überwiegend aus kleinen Kraftwerken mit einer Leistung von weniger als einem Megawatt besteht. Diese Anlagen verteilen sich entlang des gesamten Alpen- und Apenninraums im Einzugsgebiet des Po.
Produktion von erneuerbarer Energie gefährdet
Die außergewöhnlich trockenen Sommermonate könnten die Produktion von erneuerbarer Energie deutlich einschränken. Experten befürchten, dass niedrige Pegelstände die Turbinen vieler Kraftwerke nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgen könnten. Die Behörden prüfen derzeit Maßnahmen, um die Folgen der Wasserknappheit abzufedern. Angesichts häufiger werdender Hitzeperioden und längerer Trockenzeiten wird die Sicherung der Wasserressourcen in Europa zu einer immer größeren Herausforderung.
Nach Angaben des Bewirtschaftungsplans verändert sich das Klimasystem, auf dem die italienische Wasserbewirtschaftung über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Die schwindenden Schneereserven in den Bergen und die immer frühere Schneeschmelze führen dazu, dass sich die jahreszeitliche Verteilung der Wasserabflüsse verändert.
Gleichzeitig werden die Niederschläge unregelmäßiger: Auf kurze Phasen mit starken Regenfällen folgen immer längere Trockenzeiten, in denen kaum oder gar kein Niederschlag fällt. Der Plan fordert deshalb eine Anpassung der Wasserbewirtschaftung an die neuen klimatischen Bedingungen. Dabei müssten die verschiedenen Ansprüche an die Ressource Wasser stärker miteinander verbunden werden – von der Energiegewinnung über die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung bis hin zum Schutz der natürlichen Ökosysteme.
APA




