Energienetze. Österreich verfügt über eine stabile Energieversorgung. Doch der steigende Strombedarf, der Ausbau erneuerbarer Energien und geopolitische Unsicherheiten machen Investitionen in die Infrastruktur notwendig.
Die Energiekrise der vergangenen Jahre hat gezeigt, wie stark internationale Entwicklungen die Versorgung Europas beeinflussen können. Gleichzeitig verändert die Energiewende die Anforderungen an das gesamte Energiesystem.
Gefragt sind Lösungen, die eine stabile Versorgung, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz miteinander verbinden. Dabei spielen der Ausbau grüner Energien ebenso wie moderne Stromnetze und intelligente Speichertechnologien eine zentrale Rolle.
Energie selbst erzeugen
Zukünftig müssen wir den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent vorantreiben, fordert Alfons Haber, Vorstandsmitglied der E-Control. Die unabhängige Regulierungsbehörde für den österreichischen Strom-, Gas- und Wasserstoffmarkt fördert den Wettbewerb und überwacht die Energiemärkte. Das Ziel: faire Preise sowie eine hohe Versorgungssicherheit für Konsumenten. „Je mehr Energie wir in Österreich selbst erzeugen, desto weniger abhängig sind wir von fossilen Energieträgern und Importen aus anderen Ländern. Der Strombedarf wird steigen, weil wir zunehmend andere Energieträger durch Strom ersetzen“, so Haber. Er berichtet, dass die österreichischen Stromnetze sehr zuverlässig sind und in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt wurden. „Die Zahl der Photovoltaikanlagen ist von etwas mehr als 100.000 auf rund 600.000 gestiegen. Trotzdem müssen die Netze weiter ausgebaut werden.“ Österreich verfügt mit seinen Pumpspeicherkraftwerken bereits über wichtige Voraussetzungen: „Gemeinsam mit Energiemanagementsystemen können Speicher dazu beitragen, Verbrauch, Erzeugung und Preise besser zu optimieren.“
Es bleibt aber eine saisonale Abhängigkeit bestehen, gibt Sigrid Stagl, Ökonomin am Department für Sozioökonomie der WU Wien und Wissenschafterin des Jahres 2024, zu bedenken. Denn im Sommer wird Strom exportiert, in den Wintermonaten importiert. „Bei anderen klimaneutralen Energieträgern bleibt die Importabhängigkeit massiv: 70 Prozent bei Wasserstoff und 95 Prozent bei synthetischen E-Fuels. Zur Stärkung der Resilienz müssen vor allem Windkraftanlagen hinzugefügt, eigene Speicherinfrastrukturen ausgebaut und eine europäische Kreislaufwirtschaft für kritische Materialien etabliert werden, um geopolitische Verwundbarkeiten in der Produktion von Schlüsseltechnologien zu minimieren.“
Smarte Netze
Neben dem Netzausbau werden Digitalisierung und intelligente Steuerung immer wichtiger, sagt Alfons Haber: „Smart Meter und digitale Systeme ermöglichen es, Verbrauch und Erzeugung besser aufeinander abzustimmen. So kann ein Elektroauto genau dann geladen werden, wenn ausreichend Strom verfügbar ist, ohne dass dabei der Komfort verloren geht.“
Die Brücke zur ganzjährigen Energiesicherheit bildet die Saisonspeicherung, erklärt Sigrid Stagl. „Stromüberschüsse aus den sonnen- und wasserreichen Frühjahrs- und Sommermonaten müssen per Elektrolyse in grünen Wasserstoff umgewandelt werden. Dieser wird in den Wintermonaten in flexiblen Wasserstoff-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zur Spitzenlastabdeckung rückverstromt und liefert dringend benötigte Fernwärme.“
Erneuerbare ausbauen
Eine der wichtigsten Lehren aus den vergangenen Krisen ist die Diversifizierung der Energieversorgung, so Alfons Haber. Denn der Ausbau erneuerbarer Energien erhöht die Versorgungssicherheit und kann die Strompreise stabilisieren: „Je mehr erneuerbare Energie im System ist, desto geringer wird langfristig die Abhängigkeit von Importen und desto stärker wird auch der Wirtschaftsstandort Österreich.“
Die größte Herausforderung bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz, sagt Sigrid Stagl. Zwar ist die allgemeine Akzeptanz für Erneuerbare-Energien-Anlagen in Österreich sehr hoch, die spezifische Akzeptanz für konkrete Anlagen steigt aber signifikant an, je umfassender das Wissen über deren positive Auswirkungen ist – etwa, wenn der regionale Versorgungsnutzen für die Bevölkerung greifbar gemacht wird, so die Forscherin. „Die Zustimmung fällt höher aus, wenn Anrainerinnen und Anrainer am Standort ihren Hauptwohnsitz haben, während Widerstände häufiger von ortsfremden Personen sowie Besitzerinnen und Besitzern von Zweitwohnsitzen ausgehen, die das Landschaftsbild bedroht sehen.“
Europäische Kooperation
Hinzu kommt: Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien, leistungsfähigen Netzen und intelligenten Speicherlösungen kann Österreich die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig stärken.
Versorgungssicherheit erfordert in Zukunft auch zwingend eine intensivierte europäische Zusammenarbeit, ist Sigrid Stagl überzeugt. Es braucht mehr grenzüberschreitende Stromverbindungen sowie eine koordinierte Steuerung der Stromflüsse im europäischen Netz, um die wetterbedingten Schwankungen erneuerbarer Energien auszugleichen, erläutert die WU-Forscherin. Auch die Preisbildung endet nicht an nationalen Grenzen: „Europäische CO2-Kosten und das ausländische Kraftwerksangebot bestimmen die heimischen Großhandelspreise mit. Der massive Importbedarf an grünem Wasserstoff und die nötige technologische Souveränität der heimischen Industrie können nur durch starke europäische Allianzen jenseits rein nationaler Autarkiebestrebungen gesichert werden.“
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