RWE übernimmt Mehrheit bei Netzbetreiber Amprion

22. Juni 2026, Essen
Beteiligung um 3,6 Mrd

Der deutsche Energiekonzern RWE stockt seine Beteiligung an Deutschlands zweitgrößtem Hochspannungsnetzbetreiber Amprion für 3,6 Milliarden Euro auf und übernimmt damit die Mehrheit an dem Unternehmen. RWE hatte bisher indirekt 20 Prozent an dem Stromnetzbetreiber gehalten und übernimmt nun zusätzlich Anteile an M31, dem Mehrheitsgesellschafter des Netzbetreibers, wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte.

Durchgerechnet kommt RWE dann auf 55 Prozent. „Das regulierte Netzgeschäft wird zur dritten Säule von RWE neben den Investitionen in erneuerbare und flexible Erzeugung“, sagte Vorstandschef Markus Krebber in einer Videokonferenz mit Journalisten. RWE stelle sich noch robuster auf, Amprion erhalte mehr Sicherheit, die hohen Milliardensummen für den Ausbau und die Modernisierung stemmen zu können.

In den Ausbau des 11.000 Kilometer langen Übertragungsnetzes von Amprion werde RWE in den nächsten Jahren bis 2031 rund 6,5 Milliarden Euro investieren, vier Milliarden mehr als bisher geplant, erklärte das Unternehmen.

Amprion-Chef Christoph Müller sieht in der Aufstockung von RWE „ein Zeichen des Vertrauens in unsere Strategie“. RWE könne dabei helfen, die anstehenden Milliardeninvestitionen in das Netz zu finanzieren. Es sei daher „eine gute Nachricht für das Gelingen der Energiewende.“ Amprion hat sich bis 2030 Investitionen von 42 Milliarden Euro in den Ausbau des Netzes vorgenommen, um es für klimaneutrale Energiequellen fit zu machen.

Finanziert hat RWE den Einstieg über den Verkauf von 74,3 Millionen Aktien, die knapp zur Hälfte aus einer Kapitalerhöhung und zur Hälfte aus dem Eigenbestand stammen. Sie wurden innerhalb von drei Stunden für vier Milliarden Euro – 54 Euro je Aktie – bei institutionellen Investoren untergebracht. Der Preis lag nur drei Prozent unter dem Xetra-Schlusskurs vom Montag. Der norwegische Staatsfonds und der Staatsfonds von Katar, QIA, hatten sich verpflichtet, zusammen Aktien für eine Milliarde Euro zu kaufen. QIA ist mit neun Prozent bereits der größte Einzelaktionär von RWE und kann seine Beteiligung damit noch ausbauen.

RWE kauf M31-Anteile von fünf Investoren

Das Konsortium M31, das 74,9 Prozent an Amprion hält, gehört bisher einer Vielzahl von eher kleineren Investoren. Der größte davon war bislang die Ärztliche Beteiligungsgesellschaft AEBG, hinter der fünf Pensionskassen der Ärzteschaft stehen. Künftig dürfte RWE der größte Anteilseigner sein. Weitere Mitglieder sind die Versicherungskammer Bayern und Swiss Life sowie die Meag, der Vermögensverwalter des Rückversicherers Münchener Rück. RWE hat nach eigenen Angaben die Anteile von fünf M31-Gesellschaftern übernommen. Krebber sagte, RWE sei im Gespräch mit weiteren Gesellschaftern und könne noch aufstocken.

Der Versicherer Talanx hatte seine Beteiligung im Frühjahr angesichts der anstehenden Milliardeninvestitionen ins Netz zum Teil an den großen Rivalen Allianz verkauft. Die restlichen 25,1 Prozent von Amprion liegen bei RWE Alkaios, einem Joint Venture von RWE mit dem Finanzinvestor Apollo.

RWE verspricht sich von der Aufstockung mehr Gewinn. Krebber schraubte die Erwartung für 2031 um 15 Cent auf 4,55 Euro nach oben. Das Übertragungsnetz-Geschäft soll 2031 schätzungsweise 930 Millionen Euro Gewinn liefern. Zugleich soll der Verschuldungsgrad dank der Kapitalerhöhung nicht höher werden: Die Verschuldung werde etwa beim Dreifachen des operativen Ergebnisses (Ebitda) bleiben, bekräftigte RWE. Größere Zukäufe strebt RWE in dem neuen Geschäft derzeit nicht an. Einen Ausflug in die Verteilnetze, wo E.ON aktiv ist, plant Krebber nicht.

APA/Reuters