Ausreichend und richtig eingesetzte Batteriespeicher könnten immer größere Strompreisausschläge dämpfen, zeigt eine Studie. Für den Ausbau braucht es noch eine wichtige Voraussetzung.
15 Prozent der Stromerzeugung kommen in Österreich mittlerweile aus Photovoltaik (PV), allerdings ist der Sonnenstrom nicht nur geografisch sehr ungleich verteilt: Im Frühling und Sommer um die Mittagszeit, insbesondere an Wochenenden, wird viel zu viel produziert, daher sinken die Preise oft ins Negative. Im Winter und am Abend nach Sonnenuntergang ist es zu wenig, der Bedarf muss mit Importen oder Pumpspeichern gedeckt werden, was die Strompreise nach oben treibt. Gäbe es ausreichend Batteriespeicher, um den mittäglichen Überschuss in die verbrauchsstarken Abendstunden zu retten, könnte man an 60 Tagen den gesamten Strombedarf decken und allein im Sommerhalbjahr 100 bis 150 Millionen Euro einsparen. Das hat eine Analyse des Energieberatungsinstituts Fingreen ergeben, die am Mittwoch in Wien präsentiert wurde.
„Nein, es gibt nicht zu viel Sonnenstrom“
Auftraggeber ist der Branchenverband PV Austria, der damit dem Argument, es gebe bereits mehr als genug Photovoltaik, entgegenwirken will. „Nein, es gibt nicht zu viel Sonnenstrom, aber wir müssen ihn mit Batterien verteilen“, betonte Verbandspräsident Herbert Paierl. Der Branche sei bewusst, dass die „Ungleichzeitigkeit unser Pferdefuß ist“. Das energiewirtschaftliche Optimum seien sogenannte große Freiflächen-Photovoltaikanlagen, die sich den Netzanschluss mit Windrädern und einer Großbatterie teilen.
Die Studie kommt im Sommerhalbjahr in den teuersten vier Stunden (17–21 Uhr) österreichweit auf eine „Lücke“ von rund 16 Gigawattstunden (GWh). Um diese mit Speichern zu decken, brauche es rund vier Gigawatt (GW) Batterieleistung, wenn diese auf durchschnittlich vier Stunden ausgelegt seien, sagt Fingreen-Gründer und Partner Lukas Stühlinger. Das würde die teure Vergütung negativer Preise ersparen und die Preisspitzen am Abend reduzieren.
Theoretisch könnte der Preis in dieser Zeit von durchschnittlich 12,5 Cent pro Kilowattstunde auf den Speicherstrompreis von 5 Cent sinken, rechnet er vor. In Summe könnte das (Einsparungen beim Netzausbau oder Redispatch noch nicht mitgerechnet) bis zu 150 Millionen Euro einsparen.
Bulgarien macht es vor
Länder wie Bulgarien, wo mittlerweile 15 GWh Speicher installiert sind, zeigten, dass das möglich sei, betont PV-Austria-Expertin Raphaela Hein. An manchen Tagen habe sich das kleine Land vom europäischen Strommarkt entkoppelt und teure Braunkohle ersetzt. Die Folge seien niedrigere Strompreise als in den Nachbarländern Rumänien und Griechenland.
Entscheidend für den raschen Ausbau ist aus Sicht von Paierl, die Förderung von privaten Heimspeichern zu vereinfachen und zu erweitern. Laut der geplanten Novelle des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) sollen ab 2027 PV-Anlagen nur noch zusammen mit Speichern gefördert werden bzw. Batteriespeicher allein mit Einbindung in ein Energiemanagementsystem. Vor allem aber sollten Batteriespeicher beim Strombezug aus dem öffentlichen Netz von den Netzentgelten befreit werden, andernfalls würden sich die Investitionen nicht rechnen.Die Verordnung wird Ende Juni in Begutachtung gehen. Im neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz ist eine solche Ausnahme für 20 Jahre vorgesehen, wenn die Speicher systemdienlich eingesetzt werden. Was das bedeutet, muss die Regulierungsbehörde E-Control festlegen.
Die entsprechende Grundsatzverordnung, die auch ein neues Schema für Netztarife generell enthalten wird, werde Ende Juni in Begutachtung gehen, kündigt Vorstand Alfons Haber an. Die Arbeiten an der Verordnung laufen noch. Es werde darin aber unterschiedliche Aspekte geben, wie die System- bzw. Netzdienlichkeit von größeren Batteriespeichern anerkannt werde, nicht nur die 20-Jahres-Befreiung.
Anders als in Deutschland sind große Batteriespeicher in Österreich noch die Ausnahme. Dort waren im März rund 2,4 Millionen Speicher mit 17 Gigawatt (GW) Leistung und einer Speicherkapazität von etwa 28 GWh installiert. Hierzulande gab es zuletzt Batteriespeicher mit rund 1 GW Leistung, 80 Prozent davon kleine Heimspeicher, sowie Pumpspeicherkraftwerke mit rund 6 GW Leistung und etwa 25 GWh Speicherkapazität. Das Interesse an Batteriespeicherprojekten wächst auch hier, angetrieben vom dramatischen Preisverfall bei den Anlagen. Laut E-Control gibt es Anfragen im Volumen von 20 bis 25 GW, doppelt so viel, wie eigentlich in den nächsten Jahren benötigt werden.
Monika Graf
Salzburger Nachrichten



