Preis für Energiekunden wichtiger als Sicherheit

18. Juni 2026, Wien

Umfrage zeigt veränderte Prioritäten.

Stromrechnung. Seit Montag hat die Interessenvertretung der heimischen Energiewirtschaft einen neuen Präsidenten. Michael Baminger, CEO der Salzburg AG, folgt Verbund-Chef Michael Strugl an der Spitze von Oesterreichs Energie (OeE) nach. Am Dienstag lud er zu seiner ersten Pressekonferenz, in der er seinen Fokus auf die Kunden deutlich machte. „Am Ende des Tages muss alles, was wir tun, bei Kunden etwas Positives auslösen.“


Leistbarkeit ganz vorne


Um zu ermitteln, welche Erwartungen Kunden an die Energiewirtschaft haben, wurde bei Gallup eine Umfrage in Auftrag gegeben. Sie zeigt: Statt Versorgungssicherheit steht Leistbarkeit nun im Vordergrund. Um günstige Strompreise zu erreichen, sei der Erneuerbaren-Ausbau maßgeblich. Die Botschaft werde allzu oft wiederholt, wie Oesterreichs-Energie-Generalsekretärin Barbara Schmidt eingesteht.
Die Bevölkerung steht klar hinter dem Vorhaben. 67 Prozent sind für mehr Stromerzeugung in Österreich. Der Anteil jener, denen der Ausbau erneuerbarer Energien zu langsam geht, ist seit dem Vorjahr von 27 auf 38 Prozent gestiegen. „Es muss Tempo gemacht werden“, sagt Baminger. Vom Planen müsse man ins Tun kommen. „Würden Ziele Strom erzeugen, wären wir mit der Transformation fertig.“


Energieversorger genießen bei der Bevölkerung hohes Vertrauen. Die Umfrage zeige aber auch Kritikpunkte auf. Baminger: „Bei Transparenz, Fairness und dem Preis-Leistungs-Verhältnis sind wir noch nicht dort, wo wir hinmüssen.“ Dass Österreich große Landesenergieversorger besitzt, von denen viele wechselseitig aneinander beteiligt sind, sieht Baminger nicht als Hindernis für günstigere Preise. „Ich glaube nicht, dass das signifikante Auswirkungen auf den Wettbewerb hat.“ Die Bundeswettbewerbsbehörde sieht das anders.


Das vor wenigen Tagen beschlossene Erneuerbare-Ausbau-Beschleunigungsgesetz sieht der OeE-Präsident als großen Schritt in die richtige Richtung. Solar-, Wind- und Wasserkraftprojekte seien durch das EABG nicht mehr so leicht durch Einzelinteressen zu verhindern.
Um Strompreise kurzfristig zu senken, sei laut Baminger erhöhte Transparenz ein probates Mittel. „Mein ewiges Steckenpferd ist die Stromrechnung.“ Sie müsse so gestaltet sein, dass Kunden Einsparungspotenziale deutlich werden und die Beweglichkeit bei der Wahl von Anbietern erhöht werde. „Dadurch würde es auch mehr Wettbewerb geben.“ Langfristig sei die Strategie eindeutig: Energieimporte müssten gesenkt werden, durch den Ausbau von Erneuerbaren und Infrastruktur.


D. Kotrba

Kurier