Siemens Energy warnt vor Kapazitätskürzungen bei Windkraft

12. Juni 2026, München
Regierungen müssen Projekte freigeben
 - Grobi?a, APA/AFP

Der deutsche Energietechnikkonzern Siemens Energy hat vor möglichen Kapazitätskürzungen bei Windturbinen in Europa gewarnt, sollte der Ausbau der Offshore-Windkraft durch die Regierungen weiter stocken. Dies sei zwar noch keine existenzielle Bedrohung für die Branche, könne aber eine werden, sagte der Chef der Windsparte Siemens Gamesa, Vinod Philip, in Hamburg.

Die europäischen Windkraftwerke liefen zwar derzeit auf vollen Touren. Ein Mangel an Folgeaufträgen könnte die Werke jedoch ab 2028 in einen Kampf um Verträge stürzen. Zu Werksschließungen dürfte dies zwar wohl nicht führen, sagte Philip. „Wir werden sie aber wahrscheinlich in Bezug auf die Ressourcen verkleinern müssen.“

Für EU-Ziel fehlen bei Offshore-Anlagen 40 Gigawatt bis 2030

Derzeit fehlten der EU bei Offshore-Windanlagen rund 40 Gigawatt (GW), um ihr Ziel von 120 GW bis 2030 zu erreichen, sagte der Manager, der seit 2024 die Siemens-Energy-Tochter führt. Allein in Deutschland seien Projekte mit einem Umfang von 16 Gigawatt gefährdet. Siemens Gamesa sei in Gesprächen mit Regierungen, um von Verzögerungen bedrohte Projekte freizugeben, sagte Philip. Die europäische Lieferkette für Offshore-Windkraft habe im Hinblick auf die Ziele für 2030 bereits 14 Milliarden Euro investiert.

Anders als in der Photovoltaik-Industrie, wo China den Weltmarkt dominiert, findet bei Windrädern ein großer Teil der Wertschöpfung in Europa statt. Die größten Hersteller neben Gamesa sind Vestas, Nordex und Enercon. Allerdings sind chinesische Hersteller laut Branchenangaben deutlich günstiger und drängen zunehmend in den europäischen Markt. In der Steiermark, auf der Freiländeralm, werden bis Ende des Jahres 15 Windräder von Vensys, einer Tochter des chinesischen Herstellers Goldwind aufgestellt.

Ehemalige Problemtochter peilt 2026 wieder Gewinn an

Siemens Gamesa ist der weltgrößte Hersteller von Offshore-Windturbinen. Das Unternehmen betreibt in Europa sechs Turbinenwerke. Die Sparte hatte die Ergebnisse des Mutterkonzerns jahrelang belastet, vor allem wegen Qualitätsproblemen, die inzwischen jedoch behoben seien. Heuer soll Gamesa wieder die Gewinnschwelle erreichen, sagte Philip. „Wir haben gute Fortschritte gemacht.“

APA/Reuters