2.650 Solarmodule. Windräder, Ölpumpen, Photovoltaik-Anlagen. Das kennt man im Bezirk Gänserndorf. Neu ist die Agri-PV-Anlage über Weingärten. Eine von Raiffeisen gibt es in Zistersdorf – als Erste in Österreich.
„Wir sind das Wein-, aber auch das Energieviertel“, sagte Landtagsabgeordneter René Lobner (ÖVP) Donnerstagvormittag. Hinter ihm ein fast gewohnter Ausblick im Bezirk Gänserndorf: Weingärten, Windräder, Ölpumpen und – ganz neu – die erste netzgekoppelte Agri-Photovoltaik-Anlage der Raiffeisen Ware Austria (RWA) über Weinreben.
„Es ist eigentlich eine Vino-PV-Anlage“, scherzt RWA-Vorstandsdirektor Christoph Metzker. Mit dieser Anlage in Zistersdorf habe man einen Meilenstein erreicht. Sie ist die Erste ihrer Art in Österreich und besteht aus über 2.600 Solarpaneelen.
Ähnliche Projekte der RWA gibt es über Apfelplantagen und Heidelbeerkulturen. Das Ergebnis war immer gleich: „Die Anlage hat sich extrem positiv auf das Wachstum und die Qualität ausgewirkt“, berichtet Metzker. Also war der nächste Schritt, es über Weingärten zu versuchen.
Oliver Eisenhödl ist Geschäftsfeldleiter und gibt zu, dass alles nicht so einfach war. Ideen und Visionen gab es viele bei der RWA; finanzierbar waren die wenigsten. Als dann eine realisierbare Idee stand, kam die nächste Hürde: „Wir sind bei vielen Winzern schnell einmal gescheitert.“ Denn mit der Lesemaschine ernten ist nicht mehr möglich; der Laubschneider kommt ebenfalls nicht mehr durch.
Die Steher sind 3,5 Meter tief in der Erde verankert, denn die Anlage ist hoch, das Gebiet windlastig. Zudem werden die Weinreben an den 1.004 Pfosten angebunden.
Klemens Neubauer, der bei Raiffeisen Ware Austria für den Bereich Solarenergie zuständig ist, schätzt an dem Projekt vor allem den Pioniergeist. „Hier in Zistersdorf ist man es gewohnt, Neues zu tun. Vor 100 Jahren wurden hier die ersten Ölpumpen aufgestellt.“
Niederösterreich sei vorbildlich unterwegs, grünen Strom zu produzieren, betonte auch Landtagsabgeordneter Lobner, der sich sicher ist: „Das ist nicht nur eine Pionieranlage, sondern ein Vorbild. Wir werden dranbleiben und weiter forschen.“ Er zeigt sich überzeugt, dass das Projekt Schule machen wird.
„Zistersdorf ist ein Energiezentrum“, sagte Bürgermeister Elmar Schöberl (ÖVP) und sprach damit die vielen Methoden der Energiegewinnung an, die sich in seiner Gemeinde bündeln. Was ihm noch wichtig ist: „Wir werden die Weine ja hoffentlich verkosten und schauen, ob sie besser sind.“
Im Sommer 2025 wurde die Anlage fertiggestellt, seit dem Frühjahr hängt sie am Stromnetz. Bereits in dieser kurzen Zeit merkten die Winzer – bewirtschaftet wird die Fläche von den Weingütern Schödl und Schweighofer – Unterschiede zu den Referenzflächen. „Die Pflanze reagiert sofort“, sagt Winzer Herbert Schödl.
Wissenschaft motiviert
Im Herbst trugen die Reben unter den Paneelen länger ihr Laub, jetzt sind die Blätter größer, die Triebe wachsen schneller. Schödl kennt ähnliche Anlagen aus Südfrankreich. „Dort wollen sie verhindern, dass der Wein zu stark wird.“ Darum dienen Paneele als Beschattung. Warum er sich entschieden hat, Teil des Pionierprojekts zu werden? „Wir lesen ohnehin alles mit der Hand“, nennt er einen Grund. Der wichtigste, so sagt er, sei allerdings: „Die Wissenschaft ist unsere Motivation.“ Durch die Agri-PV-Anlage könne die Fläche zudem doppelt genutzt werden: Zur Lebensmittel- und zur Energieproduktion.
Mut haben
„Man muss auch Mut haben“, sagt Grundbesitzerin Irmgard Geer. Der Mut zur Innovation ist ihr in die Wiege gelegt worden. „Meine Eltern hatten hier die erste Hochkultur.“ Das war damals neu und wurde belächelt. Doch es hat funktioniert.




