Billigstrom kostet Milliarden

12. Juni 2026

Um ärmere Haushalte und Industrie zu entlasten, beschloss die Regierung begünstigte Stromtarife. Die E-Wirtschaft kostet das 2,2 Mrd. €, die für Investitionen fehlen, warnt EAG.

Konkret werde die Branche der Strom-Sozialtarif für Bedürftige 60 Mio. € im Jahr kosten, die Bremse für energieintensive Industrie 250 Millionen und der Energiekrisenbeitrag 200 Millionen. Alleine die Energie AG Oberösterreich (EAG) rechnet dadurch mit 40 Mio. € Mehrkosten im Jahr. „Auf fünf Jahre sind das 200 Millionen, das ist so viel, wie wir jetzt für unser neues Wasserkraftwerk Traunfall investieren. Das Geld wird uns also massiv abgehen“, kritisiert Vorstandschef Leo Schitter. An sich seien diese günstigeren Tarife gerechtfertigt, „doch warum sollen das die Energieunternehmen zahlen? Energiepolitik sollte nicht Sozialpolitik sein.“


Personalabbau und Ausbau-Bremse als Folgen

Unmittelbare Folge ist, dass die EAG gerade ihre Investitionspläne durchleuchtet. Vor allem der PV-Ausbau dürfte zeitlich nach hinten verschoben werden. Zudem kommt ein Personal-Paket. Von den 4000 Beschäftigten in Österreich geht ein Drittel in den kommenden Jahren in Pension, diverse Stellen dürften nicht nachbesetzt werden. Im Technikbereich möchte Schitter trotz neuer Projekte durch mehr Effizienz mit der bisherigen Belegschaft auskommen. Näheres wird gerade mit dem Betriebsrat besprochen.
Weiter Priorität behalten die laufenden Kraftwerksbauten (Pumpspeicher Ebensee, Laufkraftwerk Traunfall), Errichtung von Batteriespeichern, Windrädern, Wasserstoff (neue Pipeline von Sattledt nach Linz-Ebelsberg) sowie Verstärkung der Netze. In Summe will die EAG 4 Mrd. € bis 2035 in die Hand nehmen, davon sind 1,3 Milliarden bereits investiert. Die eigene Stromerzeugung soll so um rund 50% auf 3,6 Terawattstunden wachsen.


Das sei angesichts der aktuellen Krisen sogar wichtiger als früher. „Energiepolitik ist nicht nur Klimaschutz, sondern eine Sicherheitsfrage. Energie wird als Waffe eingesetzt“, drängt EAG-Chef Schitter. Nur durch mehr Eigenversorgung können sich Österreich und Europa aus der Abhängigkeit und Erpressbarkeit lösen. Das müsse angesichts der höheren Bedrohung deutlich schneller als bisher gehen. Zudem würde das Strom günstiger machen, laut Studie sind schon kurzfristig 2 € je Megawattstunde drin.
Das dafür gedachte Ausbau-Beschleunigungsgesetz EABG soll zwar heute beschlossen werden, steckte aber bis zuletzt im Polit-Streit zwischen Grünen und ÖVP fest.

Kronen Zeitung