Die Flüsse im Land führen teils nur noch ein Drittel der üblichen Wassermenge. Kraftwerke mit Einbußen, Lage soll sich noch verschärfen.
Die Regenfälle der vergangenen Wochen haben zwar etwas Linderung gebracht. Entspannt hat sich die Trockenheitssituation allerdings nicht. An den steirischen Flüssen ist die Lage zuletzt sogar noch ernster geworden. Die Wasserführung ist mancherorts um mehr als zwei Drittel geringer als sonst üblich, wie aus der hydrografischen Monatsauswertung des Landwirtschaftsministeriums hervorgeht. So führte die Mürz bei Kindberg auf den gesamten Mai gerechnet nur 29 Prozent der üblichen Wassermenge, die Mur brachte es bei Murau auf 31, bei Mureck auf 32 Prozent. Lafnitz und Raab liegen bei etwa halber Wasserführung, die Enns bei 38 Prozent.
Auswirkungen hat das auf die Stromproduktion aus Wasserkraft. „An der Mur liegen wir derzeit etwa ein Drittel unter der sonst üblichen Erzeugungsmenge“, sagt Verbund-Sprecher Robert Zechner. Nach 2025 ist das heurige Frühjahr das zweite in Folge mit stark unterdurchschnittlicher Wasserkraft-Ausbeute. Dass die Stromproduktion nicht noch stärker eingebrochen ist, ist dem Umstand zu verdanken, dass durch die niedrige Wasserführung auch die Fallhöhe des Wassers an den Laufkraftwerken steigt, was die Verluste zum Teil kompensiert.
An der Donau verzeichnet der Verbund derzeit Erzeugungseinbußen von bis zu einem Viertel. „Das wirkt sich in etwa so aus, als würde eines der großen Donaukraftwerke stillstehen“, sagt Sprecher Florian Seidl. Allein im Mai entsprach der Erzeugungsverlust an der Donau damit der eineinhalbfachen Jahresstromproduktion des Grazer Murkraftwerks.
Doch während Niederösterreich die Einbußen aus der Wasserkraft mit den dort am Netz hängenden 830 Windrädern gut wettmachen kann, geht sich das in der Steiermark nicht aus. Laut Auswertung des Übertragungsnetzbetreibers APG hat das Bundesland etwa im heurigen April um das Fünffache mehr Strom aus den überregionalen Netzen gezogen als dort eingespeist. In keinem anderen Bundesland mit Ausnahme von Wien ist das Missverhältnis so groß.
Folgen hat die niedrige Wasserführung der Flüsse allerdings nicht nur für den Energiemarkt. „Niedrigwasser und steigende Wassertemperaturen verringern den Lebensraum für viele Fischarten und erhöhen den Druck auf die Gewässerökosysteme“, warnt Marie Pfeiffer vom WWF. Die Umweltorganisation fordert ein Schutzkonzept für die heimischen Flüsse und die verstärkte Wiederherstellung von Auen und Feuchtgebieten.
Kaum besser geht es den Grundwasserkörpern. „Die jüngsten Regenfälle bilden sich nur minimal in den Pegeln ab“, sagt Sebastian Wiesmaier vom Landesreferat für Hydrografie. „Über weite Strecken haben wir beim Grundwasser im Ennstal, Murtal und im Süden immer noch Tiefstwerte für die Jahreszeit.“ Nachhaltig bessern würde sich das durch mehrere Tage anhaltende, stärkere Regenfälle.
Fachleute überrascht der Trend zu mehr Trockenheit nicht. Der menschengemachte Klimawandel hat die Grundwasserstände in Österreich in den vergangenen zehn Jahren um 30 bis 50 Zentimeter sinken lassen, wie aus der Studie „Wasser im Klimawandel“ im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums hervorgeht. Der Wasserverlust im Boden beträgt das 15-fache Volumen des Bodensees.
Hauptgrund ist die stärkere Verdunstung durch die steigenden Temperaturen. Verglichen mit 1980 verdunstet heute rund ein Fünftel mehr Wasser aus den heimischen Böden. Mit Fortschreiten der Erwärmung wird Österreich weiter austrocknen, prognostizieren die Forscher.
Von Günter Pilch
Kleine Zeitung




