Stromspeicher ermöglichen Energiewende

5. Juni 2026, Baden

Erstes Stromspeicher-Symposium Niederösterrichs in Halle B zeigte, dass es nach wie vor die Energiemodellregionen sind, die praktische Beiträge zum Klimaschutz leisten.



Wie es nach 2027 mit der Bundesförderung für die Klima- und Energiemodellregionen in Österreich weitergeht, weiß man aktuell nicht. Klarheit darüber soll die Budgetrede von Finanziminister Markus Marterbauer am 11. Juni bringen.


Gerfried Koch, Leiter des Energie- und Klimareferates Baden erklärt, dass die Energiemodellregion Baden zwar nicht unmittelbar betroffen sei, da „unsere dreijährige Programmperiode noch bis Mitte 2027 läuft. Zusätzlich haben wir den Vorteil, dass die Stadt Baden 2010 vorausdenkend eine eigene Abteilung für diese Themen geschaffen hat. Das haben nur wenige Gemeinden. Es würden somit in Baden hoffentlich keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus meiner Abteilung den Job verlieren“.
Aber: „Es wäre ein Rückschritt für innovative Projekte in der Stadt, wie zum Beispiel große Stromspeicher-Projekte, Hitzeaktionsplan, Bewusstseinsbildende Maßnahmen oder Veranstaltungen wie das Symposium Stromspeicher, das am Donnerstag in der Halle B stattgefunden hat.“


Im Zentrum der Veranstaltung stand die Rolle von Speichern als Rückgrat der Energiewende, Herausforderungen der Stromnetze sowie der Ausbau von erneuerbaren Energiequellen (PV, Windenergie) in Verbindung mit Speichertechnologien.
Bürgermeisterin Carmen Jeitler-Cincelli (ÖVP) betonte: „Baden ist seit über 15 Jahren ein Ort für Innovationen und Vernetzung. Es freut mich sehr, dass wir mit dem Land Niederösterreich das erste Stromspeicher-Symposium umsetzen.“


Herbert Greisberger, Geschäftsführer der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich (eNu) merkte an: „Ein Haushalt ohne Speicher nutzt nur etwa 30 Prozent seines selbst erzeugten PV-Stroms direkt, während mit Speicher der Eigenverbrauch auf rund 60 bis 80 Prozent steigt und sich damit ungefähr verdoppelt. Die Energie- und Umweltagentur bietet dazu ein kostenloses Beratungsservice für alle an, die zur Anschaffung eines Speichers oder der effektiven Nutzung Fragen haben.“


Dominik Kohl, Gründer der Firma „electric smart energy“ präsentierte „Neues aus dem Reallabor – Netzfreundliche Schwarmspeicher“, ein Projekt, das sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Hilfe von Schwarmspeichern Strom ins Netz einzuspeisen.


Ein Schwarmspeicher nimmt überschüssigen Solarstrom direkt dort auf, wo er entsteht, etwa bei Haushalten und Betrieben, und entlastet dadurch das Stromnetz, weil weniger Energie über große Entfernungen transportiert werden muss. Statt etwa zwischen Regionen und Pumpspeichern hin- und hergeleitet zu werden, bleibt der Strom lokal gespeichert und wird dann eingespeist, wenn er tatsächlich gebraucht wird und mehr Wert hat.


Dadurch lassen sich mehr PV-Anlagen ins bestehende Netz integrieren und die regionale Energieunabhängigkeit wird gestärkt, ohne dass zusätzlich neue Stromleitungen gebaut werden müssen.
Kohl bereitet mit seinem Unternehmen und den Wiener Netzen sowie der Stadt Baden ein Pilotprojekt vor, wo Schwarmspeicher eingesetzt werden sollen. Koch betont die Rolle der Klimamodellregionen als „Impulsgeber für die Klimawende“, die vor allem die Gemeinden dabei unterstützen, den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. So wie die Stadt Baden: 2023 wurde der Kindergarten Bahngasse mit PV und einem Stromspeicher ausgestattet. 2024 erfolgte eine Sanierung des Abwasserpumpwerks in der Kanalgasse mit energieeffizienten Pumpen, einer PV-Anlage und einem Großspeicher mit 308 kWh Speicherkapazität. Und 2026 ging die Trinkwasserversorgungsanlage Schiestelstraße als stromautarke Versorgungsanlage mit PV und Stromspeicher in Betrieb.


Die Wiener Netze erklären auf NÖN-Anfrage, dass es zu einem gemeinsamen direkten Projekt zwischen ihnen als Netzbetreiber und der Stadt Baden aus gegenwärtigen rechtlichen Gründen nicht kommen kann. Sprecher Christian Call betont: „Aber über eine Zusammenarbeit freuen wir uns immer, bei der wir, so wie in diesem Fall, mit unserem Wissen unterstützen können, etwa, wo es in Baden ideal ist, diese Schwarmspeicher aufzustellen.“

Von Judith Jandrinitsch

NÖN Niederösterreichische Nachrichten