EZB-Chefvolkswirt: Werden Inflations- und Wachstumsprognose anpassen

26. Mai 2026, Frankfurt

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Inflations- und Wachstumsprognosen im kommenden Monat voraussichtlich korrigieren. Grund dafür seien die sich eintrübenden Aussichten infolge des Iran-Konflikts, sagte EZB-Chefökonom Philip Lane in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“. „Mehrere Faktoren im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg deuten darauf hin, dass sich der makroökonomische Ausblick verschlechtert hat“, sagte Lane.

Er erwarte, dass die Ölpreise länger als von der EZB noch im März angenommen auf hohem Niveau bleiben würden. Zwar könnten erhöhte US-Erdgaslieferungen helfen, die Folgen des Iran-Kriegs für den Energiemarkt abzufedern. „Aber unter dem Strich sehe ich nach wie vor einen Aufwärtsdruck auf die Inflation“, so der Ire.

Inflationsprognose weiter nach oben korrigieren

Die Konsequenz sei eine Anpassung der Prognosen. „Wir werden die Inflationsprognose im Juni wahrscheinlich weiter nach oben korrigieren“, sagte Lane in dem Interview. Die EZB passt ihre Wachstums- und Inflationsprognosen vierteljährlich an die aktuellen Entwicklungen an. Die nächste Aktualisierung steht am 11. Juni an.

An diesem Tag entscheiden die Währungshüter auch über ihren Leitzins. Viele Experten gehen davon aus, dass er angesichts der gestiegenen Inflationsgefahr von 2,0 auf 2,25 Prozent angehoben werden könnte. „Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig“, sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel der Nachrichtenagentur Reuters. Doch lege sich die EZB niemals im Voraus fest. Der Schock arbeite sich durch die Wirtschaft und treibe die Inflation über „einen beträchtlichen Zeitraum“ vom Zielwert der Notenbank von zwei Prozent weg. Seit Ausbruch des Nahost-Krieges Ende Februar sind die Energiekosten im Euroraum stark gestiegen, was die Wirtschaft belastet und zugleich die Teuerung befeuert.

APA/Reuters