Digitale Stromzähler werden noch „smarter“

11. Mai 2026

Energie. Warum Smart Meter 2.0 nötig werden, was das neue Gesetz ändert, wer davon profitiert und warum eine finnische Firma mitmischen will.

Mit einem Ausrollungsgrad von 96,9 Prozent ist Österreich fast vollständig mit digitalen Stromzählern (Smart Meter) ausgestattet. Eigentlich hätten es bereits 2019 mindestens 95 Prozent sein sollen, aber es gab ein paar Verspätungen. Während manche Haushalte immer noch einen alten, analogen Ferraris-Zähler mit Drehscheibe verwenden, klopft bereits die nächste digitale Generation an die Tür. Sie wird Smart Meter 2.0 genannt und soll einige Probleme ausmerzen, die derzeit noch häufig auftreten.


Verbindungsprobleme


Eine notorische Schwachstelle ist etwa die Datenübertragung über Stromleitungen (PLC). Laut E-Control-Bericht ist sie störungsanfällig. Manchmal scheitert die Herstellung einer Verbindung an einer Frist von 45 Tagen. Schaffen es Netzbetreiber so lange nicht, an einem Standort eine funktionierende Datenübertragung herzustellen, müssen sie dort wieder auf non-smartes Stromzählen umstellen. 47.000 Stromkunden sind davon betroffen. Einige der ersten verbreiteten Smart Meter kommen außerdem bereits ans Ende ihrer Einsatzdauer und können nicht mehr mit Updates versorgt werden.
Der Rechnungshof schätzte die Kosten für die Einführung von Smart Metern in einem Bericht aus dem Jahr 2022 auf mindestens 2,18 Milliarden Euro. Die Opposition bezeichnete die Einführung, die 2012 von der E-Control erstmals angestoßen wurde, erst diese Woche im Rechnungshofausschuss als „Schlamassel“. So smart wie gewünscht waren viele Zähler lange Zeit nicht. In den vergangenen Jahren ist aber einiges weitergegangen.


Ein paar Jahre voraus


In Finnland, wo der Ausrollungsgrad schon seit 2022 bei 100 Prozent liegt, läuft die Markteinführung der zweiten Zählergeneration. Sie bringt große Verbesserungen bei der Datenübertragung. Privatkunden profitieren davon. Sie können ihren Stromverbrauch fast in Echtzeit überwachen und auch selbst steuern. Wer einen dynamischen Tarif mit stündlich wechselnden Strompreisen hat, kann bei manchen Energieversorgern etwa per App darüber entscheiden, zu welchem Zeitpunkt er Verbraucher wie Wärmepumpe oder Elektroboiler aktivieren will.


Ein Unternehmen, das geeignete Smart Meter für solche Szenarien herstellt, ist Aidon. Es will auch in Österreich bei der Verbreitung neuer Smart Meter tonangebend sein und hat mit Cancom Austria einen hierzulande sehr erfahrenen Partner gefunden. „Österreich ist eines von wenigen Ländern, das große Möglichkeiten für Smart Meter bietet“, sagt Antti Paajoki, Verkaufsleiter für Nord- und Zentraleuropa bei Aidon. Die anstehende Ausrollung der zweiten Generation von Zählern ist ein Grund dafür, der zweite ist das vor Kurzem eingeführte Elektrizitätswirtschaftsgesetz.


ElWG bietet neue Basis


Durch das ElWG wird die Übertragung von Viertelstundenwerten zum Standard. Bei vielen Stromkunden klappt das bereits jetzt, bei manchen aber nicht. Netzbetreiber werden nun durch das Gesetz dazu verpflichtet. Stromkunden können die automatische Stromablesung im 15-Minuten-Intervall auch weniger leicht ablehnen. Wer eine PV-Anlage, eine Wärmepumpe, eine E-Auto-Ladestation oder einen Batteriespeicher daheim besitzt, kann kein Opt-out mehr vornehmen. Auch Nutzer von dynamischen Stromtarifen und Mitglieder von Energiegemeinschaften können sich nicht dagegen entscheiden. Das schafft weitgehend einheitliche Bedingungen im Stromnetz.


In Österreich wurden – vom ElWG ausgehend – Standards für die technische Gestaltung der zweiten Smart-Meter-Generation entwickelt und Ende April veröffentlicht, schildert Christoph Amlacher, Senior Solution Consultant bei Cancom Austria. Das Unternehmen (vormals Kapsch BusinessCom AG) ist in Österreich ein erfahrener Player im Smart-Meter-Bereich. „Wir sind im Energiesektor seit über 15 Jahren aktiv“, so Amlacher.


Zur Zusammenarbeit mit Aidon habe man sich entschieden, weil die Finnen jede Menge Know-how mitbringen. „Wir haben 140 Stromnetzbetreiber in allen Größen als Kunden“, sagt Paajoki. Im Smart-Meter-Bereich gebe es außerdem eine wachsende Konkurrenz aus China. Aidon und Cancom wollen eine europäische Lösung bieten und Netzbetreibern das Management von Smart Metern als Service anbieten.


Wie man vom Smart Meter profitiert


Kunden. Mit Sommer-Arbeitspreis und dynamischen Tarifen kann man viel sparen.
Mit digitalen Stromzählern kann man wesentlich mehr anfangen, als daran nur den Verbrauch abzulesen. Einen praktischen Nutzen ohne viel Zutun haben Smart Meter etwa durch den neuen Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP).


Sonnenbonus


Von April bis September, täglich von 10 bis 16 Uhr, werden Netzentgelte reduziert – für jene Stromkunden, die einer viertelstündlichen Datenmessung zustimmen. Das kann man etwa im Smart-Meter-Webportal seines jeweiligen Netzbetreibers erledigen. „Selbst wenn man sonst nichts weiter tut, erspart man sich damit im Jahr rund 10 Euro“, sagt E-Control-Vorstand Alfons Haber. „Wenn man die Zeit aber aktiv ausnutzt und es schafft, den Stromverbrauch bewusst in diese Zeit zu verlagern, sind bis zu 50 Euro möglich.“


Flexibilität


Durch die Möglichkeit, seine eigenen Verbrauchsdaten jederzeit zu analysieren, können Kunden laut Haber aber auch Stromfresser im Haushalt entdecken. Besonders großes Einsparungspotenzial ergibt sich durch die Nutzung von dynamischen Stromtarifen, die stündlich variieren. Smart Meter sind die Voraussetzung dafür. „In den vergangenen zwei Wochen hat es zwei Tage gegeben, wo man für den Stromverbrauch zeitweise 48 Cent erhalten hat.“ Überschüsse im Netz machen solche negativen Preise möglich.


Smart Meter machen auch die Teilnahme an Energiegemeinschaften möglich. Dadurch kann man Strom zu manchen Zeiten um einiges günstiger beziehen als vom regulären Energieversorger. Manche Energiegemeinschaften bieten Preise von 10 Cent/kWh oder sogar weniger an.

Kurier