Unternehmen können weitere Energieförderungen beantragen

7. Mai 2026, Wien
Förderausschreibung startet am 8

Die Bundesregierung stellt weitere 270 Mio. Euro für die Transformation der Industrie zur Verfügung. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) gab am Donnerstag in Wien den Start des neuen Fördercalls innerhalb eines bereits laufenden Milliardenprogramms bekannt. Zudem hat die EU-Kommission am Mittwoch den geplanten Industriestrombonus genehmigt. Angesichts geopolitischer Risiken fordert die Industriellenvereinigung (IV) aber längerfristige Unterstützungen.

Die neue Tranche startet am 8. Mai und läuft bis 17. September 2026. Die Mittel teilen sich in 140 Mio. Euro an Investitionszuschüssen (CAPEX) für moderne Produktionsanlagen und 130 Mio. Euro an Transformationszuschüssen (OPEX), die laufende Mehrkosten beim Umstieg auf erneuerbare Energien abfedern sollen. Gefördert werden Projekte ab einem Volumen von 2 Mio. Euro, die jährlich 5.000 Tonnen CO2 oder 60 Prozent der Treibhausgase einsparen. Das übergeordnete Transformationsprogramm hat laut dem Ministerium in bisher 16 geförderten Projekten bereits Investitionen von 1,4 Mrd. Euro ausgelöst.

Zusätzliche Entlastung gibt es für energieintensive Betriebe. Laut Hattmannsdorfer ist „gestern die Notifikation unseres Industriestrombonus“ für die Jahre 2025 und 2026 aus Brüssel eingetroffen. Verknüpft ist das Modell mit der Verpflichtung, „dass 80 Prozent der Förderung reinvestiert werden müssen und 50 Prozent der Investitionssumme in Energieeffizienzmaßnahmen auch gesteckt werden muss“, so der Minister.

IV-Neumayer wünscht sich Unterstützung bis 2030

Die Industriellenvereinigung begrüßte die Maßnahmen. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer verwies auf die Bedeutung der energieintensiven Branche, an der mitsamt dem nachgelagerten Sektor in Österreich rund 690.000 Arbeitsplätze hängen würden. Die Strompreiskompensation nannte er eine „zentrale Entlastung“ und ein „extrem wichtiges Signal“. Neumayer forderte jedoch einen längeren Zeithorizont für die Förderungen: „Diese Unterstützung, die heute zugesagt wird, ist natürlich eine, und das wird Sie nicht wundern, die wir gerne auch längerfristig bis 2030 sichergestellt hätten“.

Wifo-Ökonom: Abhängigkeit bei Gas nur verlagert

Wifo-Ökonom Klaus Friesenbichler warnte indessen davor, dass sich die Abhängigkeit Europas bei der Gasversorgung lediglich verschoben habe. „Wir haben eine Verlagerung der Flüssiggasversorgung gesehen im Rahmen des russischen Kriegs in der Ukraine weg von Russland hin zu den USA“, analysierte er. Diese Neuorientierung führte „zu der Verlagerung der Konzentration, allerdings nicht zu einer Diversifizierung im eigentlichen Sinne“.

Auf eine mögliche drohende Treibstoff-Knappheit in Europa angesprochen, erklärte Hattmannsdorfer, dass dem Rückgang des Angebots bei Diesel und Kerosin aktuell auch eine gesunkene Nachfrage gegenüberstehe. In Österreich sei man aufgrund der hohen Eigenraffinierung von über 90 Prozent in Schwechat ohnehin gut aufgestellt. Von einer allgemeinen Entspannung der geopolitischen Lage könne jedoch keine Rede sein: „Niemand von uns weiß, was Donald Trump morgen einfällt.“

Gleichzeitig steht die Wirtschaft vor der Herausforderung eines massiv steigenden Strombedarfs. Friesenbichler erklärte dies vor allem durch die zunehmende „Elektrifizierung des Industriestandorts Österreich“. Hattmannsdorfer ergänzte mit Blick auf den Netzausbau und neue Technologien: „Wir gehen davon aus, dass der Strombedarf nicht wegen den Rechenzentren sich um die Hälfte erhöhen wird. Klar wegen Dekarbonisierungsmaßnahmen und dergleichen, aber eben auch vor allem wegen der Digitalisierung.“

APA