Forscher rechnen vor: Anti-Klimabudget hätte hohe Folgekosten

6. Mai 2026

Klimaschutz. Studie des Wegener Centers sieht langfristig vor allem die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs in Gefahr.

Noch steht das Doppelbudget 2027 und 2028 nicht, doch längst sind auch Ausgabenkürzungen im Umwelt- und Klimabereich Thema. Die Klimawissenschaft – konkret Karl Steininger vom Wegener Center der Uni Graz – legt dazu eine neue Studie vor, wonach eine Budgetsanierung, die primär auf Ausgabenkürzungen im Klima- und Umweltbereich setzt, mehrfach kontraproduktiv sei und als direkte Folge zu höheren öffentlichen Ausgaben sowie wirtschaftlichen Nachteilen führe.


Österreich gebe im Regelfall jährlich acht bis zwölf Milliarden Euro – im Krisenjahr 2022 sogar 18 Milliarden Euro – für den Import fossiler Energieträger aus. Durch konsequente Klimapolitik und den Ausbau erneuerbarer Energien könne diese enorme Wertschöpfung im Inland gehalten und die wirtschaftliche Resilienz gegenüber Preisschocks drastisch erhöht werden, plädiert Steininger für einen schnelleren Ausstieg aus Gas und Öl.


Die Dekarbonisierung der Wirtschaft sieht der Wissenschafter als Kernelement einer erfolgreichen Wettbewerbsstrategie. Strukturelle Standortnachteile durch hohe Energiekosten würden sich nur durch einen raschen Ausbau erneuerbarer Energien und eine höhere Energieeffizienz ausgleichen lassen.
Doch wenn klimapolitische Maßnahmen ausbleiben und Österreich seine EU-Klimaziele verfehlt, drohen laut langfristiger Budgetprognose des Finanzministeriums ohnehin Kosten von rund 2,86 Milliarden Euro. Ein Fortsetzen der aktuellen Politik würde das Staatsbudget in den Jahren 2030 bis 2040 jährlich mit zusätzlichen 0,2 bis 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belasten, rechnet Steiniger vor.


Der Umbau zu einer Netto-Null-Wirtschaft erfordere zwar zusätzliche Investitionen von 6,4 bis 11,2 Milliarden Euro pro Jahr, was jedoch in einer ähnlichen Größenordnung wie die aktuellen Aufwendungen für fossile Importe liege.


Diese Investitionen brächten aber zahlreiche positive Nebeneffekte mit sich, wie die Stärkung lokaler Arbeitsplätze, die Verbesserung der industriellen Produktivität durch Elektrifizierung und bei kluger Ausgestaltung auch eine Verringerung des Materialbedarfs.


Emissionen stiegen 2025


Am Montag wurde außerdem publik, dass die Treibhausgas-Emissionen 2025 wieder gestiegen sind, wenn auch nur um ein Prozent oder 0,7 Millionen Tonnen CO2. Als Gründe werden vom Agrarministerium eine höhere Industrieproduktion, mehr Stromerzeugung in Gaskraftwerken (niedrigere Wasserstände in Flüssen) und ein höherer Heizenergiebedarf genannt. Um Österreichs Klimaziele 2030 zu erfüllen, müssten die Emissionen um mehrere Prozentpunkte jährlich sinken.

Kurier