Sonnenstrom wird für den Winter gebunkert

23. April 2026, Gampern

Stromüberschüsse aus Sonne und Wind wandelt die RAG in OÖ in Wasserstoff zur unterirdischen Speicherung um. Die Salzburg AG ist dabei.


Überkapazitäten bei Sonnenstrom im Sommerhalbjahr und zu wenig Erzeugung aus erneuerbaren Energien im Winter – das ist eines der großen Probleme, die es bei der Energiewende zu lösen gilt. Hier kommt nun im benachbarten Oberösterreich erstmals auf kommerzieller Ebene ein neuer Weg zum Tragen, auch die Salzburg AG beteiligt sich daran. Der Aufsichtsrat des Energieversorgers beschloss das Engagement, wie berichtet, Ende März. Überschüsse von grünem Strom werden in einer Elektrolyse zu Wasserstoff umgewandelt – das Gas kann entweder unterirdisch gespeichert oder aber direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden.


Kooperationsvertrag zwischen Salzburg AG und RAG läuft drei Jahre


Entwickelt wurde das Modell zur Erzeugung von grünem Gas, bei der kaum CO2 entsteht, federführend von der heimischen RAG, einem der größten Betreiber von Erdgasspeichern in Europa. 2023 wurde eine weltweit erste Demonstrationsanlage in Gampern (Bezirk Vöcklabruck) gestartet, jetzt wird kräftig ausgebaut. Die Elektrolyseanlage wird von einer Leistung von zwei Megawatt (MW) auf mehr als 14 MW erweitert. Die RAG investiert rund 20 Millionen Euro. Die Salzburg AG hat sich eine Kapazität von einem Megawatt gesichert und mit der RAG einen Kooperationsvertrag für drei Jahre geschlossen. Über den Beitrag, den die Salzburg AG zahlt, ist mit der RAG Stillschweigen vereinbart.


Salzburg AG kann Wasserstoff auf zwei Arten nutzen


Siegfried Müllegger, Leiter der Energietechnik der Salzburg AG, erläuterte im SN-Gespräch, wie die Kooperation mit der RAG funktioniert: „Wir erkaufen uns das Recht, den Strom in den Elektrolyseur hineinzuschicken.“ Den dort erzeugten Wasserstoff kann die Salzburg AG dann auf zwei Arten nützen: Wird er gleich benötigt, kann das Gas zu einem kleinen Anteil direkt in das Erdgasnetz eingespeist werden. So ersetze der grün erzeugte Wasserstoff zum Teil das fossile Erdgas. Die zweite Variante ist die Speicherung des Wasserstoffs in Gampern in einer unterirdischen Erdgaslagerstätte der RAG.


So könne man zum Beispiel die Nachtstunden dafür nutzen, wenn der Verbrauch niedrig sei, oder im Sommer die sonnenreichsten Stunden zwischen 11 und 14 Uhr, wenn es die größten Überschüsse aus PV-Anlagen gibt. Darüber hinaus hat die Salzburg AG in RAG-Speichern Kapazitäten gemietet. „Wir sehen das als gute, moderne Alternative und wollen das für den nächsten Winter in unserem Heizkraftwerk nutzen“, so Müllegger. Bei Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen komme man heute auf einen Wirkungsgrad von mehr als 80 Prozent. Und dadurch, dass man weniger fossiles Erdgas benötige, werde auch CO2 eingespart.Es ist ein erster Schritt, aber ein ernst gemeinter. Siegfried Müllegger, Leiter Energietechnik, Salzburg AG Der zu erwartende Ertrag ist noch unklar. Ein Jahr hat 8760 Stunden, vielleicht sei im Zeitraum von 2000 bis 4000 Stunden ein Stromüberschuss möglich, so Müllegger. „Wir werden das testen.“ Im Vergleich zur Leistung von Kraftwerken sei die zu erwartende Menge an grünem Wasserstoff vielleicht klein, aber im Vergleich zu einem Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 3500 Kilowattstunden Strom pro Jahr sei es viel. „Es ist ein erster Schritt, aber ein ernst gemeinter“, betont Müllegger. Die Salzburg AG rechnet damit, dass die RAG-Anlage nach Ablauf des Sommers 2026 genutzt werden kann. Wäre sie bereits zur Verfügung gestanden, „hätten wir zu Ostern schon Wasserstoff einspeichern können, weil es einen Stromüberschuss gab“, sagte Müllegger.


Die ersten Versuche zum Speichern von grün erzeugtem Gas begannen schon 2015


Vor drei Jahren baute die RAG eine Demonstrationsanlage in Gampern, die als Weltneuheit präsentiert wurde. „Viele haben geglaubt, dass das nicht funktioniert. Mittlerweile haben wir aus der ganzen Welt Besuch, weil ähnliche Projekte geplant sind“, hatte RAG-Generaldirektor Markus Mitteregger Anfang April in einem SN-Interview gesagt. Das Wesentliche sei, dass Überschussstrom überhaupt genutzt werden könne.


Energiespeicherung wie beim Einlagern von Heu für den Winter


RAG-Sprecher Stefan Pestl vergleicht die Speicherung mit der Grünlandwirtschaft, bei der auch die Ernte aus dem Sommer in Form von Heu für den Winter eingelagert wird. Bei Speichermöglichkeiten für Strom seien Akkus in großem Maß nicht darstellbar, denn sie seien nach wenigen Stunden leer, heißt es bei der RAG. Ein Pumpspeicher bei einem Wasserkraftwerk sei nach spätestens zwei Wochen leer, aber mit der unterirdischen Gasspeicherung könne man den Überschuss aus dem Sommer für den Winter in großem Stil aufbewahren. Pumpspeicher seien nicht so flexibel regelbar wie auf dem Strommarkt nötig, Gaskraftwerke seien viel flexibler.


„Die Kooperation mit der RAG ist ein weiterer Schritt, um neue Technologien in das Energiesystem zu integrieren und die Energieversorgung langfristig sicherzustellen“, erklärt Herwig Struber, Vorstand der Salzburg AG.

Gerald Stoiber