Unbemerkt und unverzichtbar

17. April 2026

Pipelines. Im Untergrund wird Österreich von Transportleitungen für Gas, Öl und künftig Wasserstoff durchzogen. In Sachen Sicherheit wirft der Staatsschutz ein wachsames Auge darauf.

Nur wer genau schaut, erkennt Hinweise auf eine unter einem Acker verlaufende Erdgasleitung. Im Normalfall merkt man nichts davon, wenn Millionen Tonnen Öl und Gas durch das Land gepumpt werden. Durch die mutmaßliche Sabotage der Rohölleitung TAL ist einigen Menschen vielleicht erst bewusst geworden, wie wichtig die unterirdische Infrastruktur für die Energieversorgung Österreichs ist.


Unterbrechung


Die transalpine Pipeline (TAL) ist eine 753 Kilometer lange Rohrleitung, die von Triest über die Alpen bis zu Raffinerien in Süddeutschland führt. Abzweigungen führen auch zu Raffinerien in Tschechien und zur Raffinerie der OMV in Schwechat. Die heimische Abzweigung wird Adria-Wien-Pipeline genannt. Unbekannte haben Ende März in einem Wald nahe Tolmezzo einen Hochspannungsmast beschädigt, daraufhin musste eine Pumpstation für die TAL abgeschaltet werden.


Drei Tage lang war die Pipeline unterbrochen. Die Raffinerie Schwechat konnte auf Vorräte zurückgreifen und die Produktion fortsetzen. Der Vorfall zeigt aber, welche Folgen es hat, wenn ein maßgeblicher Versorgungsweg beeinträchtigt ist. Eine Alternative zur TAL gibt es nicht. Es ist die einzige Ölpipeline, die nach Österreich führt. Die Betreibergesellschaft betont, dass die Pipeline seit 60 Jahren sehr verlässlich Rohöl nach Mitteleuropa liefert. Die Unterbrechung im März sei nicht so dramatisch gewesen. Unterbrechungen gebe es auch durch Reparaturen und Wartung öfters.


Bei Erdgas stehen Österreich mehrere Versorgungswege zur Verfügung. Seit dem Abwenden von Russland aufgrund der Ukraine-Invasion kommt der Großteil des Gases aus Deutschland nach Österreich, der Rest hauptsächlich über Italien. Im Osten Österreichs ist das Gasnetz weit verzweigt. Zwischen den Hauptsträngen West-Austria-Gasleitung (WAG, Deutschland) und Trans-Austria-Gasleitung (TAG, Italien) gibt es Querverbindungen. Zum Westen hin werden die Verbindungen spärlicher.


Die großen Gasleitungen des Landes sind zwar mehr als einen Meter tief vergraben, aber dennoch sichtbar. Alle 70 bis 200 Kilometer gibt es an der Oberfläche Verdichterstationen, um den Gasfluss konstant zu halten. Die kriminelle Energie, hier absichtlich Beschädigungen anzurichten, habe sich bisher in Grenzen gehalten, erklärt Peter Jurik von Austrian Gas Grid Management (AGGM). Als kritische Infrastruktur beobachten Behörden den Sicherheitsstatus der Leitungen aber genau. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) im Innenministerium berät Betreiber zu physischen, organisatorischen und hybriden Bedrohungen.


Laut AGGM hat jeder Netzbetreiber Krisenpläne. Die DSN betreibt auch ein Frühwarn- und Informationssystem, mit dem Betreiber rasch über mögliche Bedrohungen benachrichtigt werden. Sie tragen die primäre Verantwortung für die sichere Energieversorgung. Die Aufgaben des Staates seien Unterstützung, Koordination, Überwachung und die Stärkung der Resilienz.


Umwidmung


In Zukunft wird neben Öl- und Gas-Pipelines auch Infrastruktur für den Energieträger Wasserstoff hinzukommen. Ein Leitungsnetz soll in den kommenden Jahren aufgebaut werden.
Den Anfang werden eine Leitung im Osten Österreichs (H2 Collector Ost) und in Oberösterreich (H2 Backbone WAG + Penta-West) machen. Danach sollen auch bisherige Erdgas-Leitungen schrittweise umgewidmet werden. Ab 2030 soll an den meisten Hauptsträngen für Erdgas auch Wasserstoff verfügbar sein.

Kurier