Günstiger Strom wird relevanter Standortfaktor

17. April 2026

Infrastruktur. Auch in Logistikimmobilien steigt der Strombedarf. Die Versorgung mit erneuerbarer Energie gewinnt an Bedeutung.



Das Anforderungsprofil an Logistikimmobilien ist umfangreich: Grundstück, Lage und Erreichbarkeit müssen passen, technische Infrastruktur, Ausstattung und der Bereich der Nachhaltigkeit auch, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften sowieso. Seit einigen Jahren gewinnen zwei weitere Aspekte an Bedeutung, nämlich die Energieversorgung sowie deren Sicherheit. Das seien definitiv Standortfaktoren, die „immer wichtiger“ werden , bestätigt Christian Vogt, Geschäftsführer der Deutschen Logistik Holding in Österreich.


Der Fokus liegt dabei vor allem auf Energie aus erneuerbaren Quellen. „Diese wird für Investoren, aber vor allem für Mieter immer wichtiger“, sagt Alexandra Fischer, Teamleiterin Industrie/Logistik bei Otto Immobilien, „und zwar aus verschiedenen Gründen.“


Einer dieser Gründe sei die EU-Taxonomie-Verordnung, in der Kriterien für klimaverträgliche Investments festgelegt wurden, ein anderer Faktor seien die ESG-Richtlinien, die Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit immer weiter in die Pflicht nehmen. „Darüber hinaus wollen Mieter die Verbrauchskosten möglichst niedrig halten“, berichtet Fischer.


PV-Anlagen oft outgesourct


Immer öfter sind daher auf den Logistikimmobilien PV-Anlagen zu finden. „Wir vermieten die Dächer an die Betreiber von PV-Anlagen“, sagt Vogt. Damit spare man sich zum einen die Installation und Wartung der Anlagen. „Außerdem dürfen wir nicht als Stromhändler auftreten“, ergänzt er. Vogt weist in diesem Zusammenhang allerdings auf ein immer wieder auftretendes Problem hin: „Wird nicht der ganze Solarstrom verbraucht, muss er gespeichert oder ins Netz eingespeist werden. Letzteres ist allerdings mangels ausreichender Netzanschlusskapazitäten nicht immer möglich“.


Netzausbau gefragt


Das ist nicht nur bei Bestandsimmobilien, sondern auch bei Neubauten gelegentlich der Fall. „Die Netzkapazitäten sind in Österreich ausbaufähig“, ist Vogt überzeugt.
Das gilt übrigens auch für Deutschland: Dort würden viele Bestandsobjekte heute noch nicht über ausreichende Netzanschlusskapazität verfügen, um umfangreiche Ladeinfrastrukturen zu betreiben, kritisierte Manuel Schrapers, Geschäftsführer bei Metroplan, einem Spezialbüro für die technische Beratung und Planung von Industrie- und Logistikimmobilien, kürzlich vor Journalisten. Daher seien zügige Netzausbauten essenziell, damit Logistikstandorte in Deutschland ihre Wettbewerbsfähigkeit behalten könnten, so Schrapers.


Geht es darum, die Lücke zwischen Logistikimmobilie und Netz zu schließen, bestreiten Developer das erforderliche Investment meist aus eigener Tasche: „Da reden wir von mehreren 100.000 Euro, die aber weder vom Nutzer noch vom Endinvestor vergütet werden“, sagt Vogt.
Keinen Grund zur Klage gibt es hingegen bei der Energieversorgung an sich: Mit 99,99 Prozent Versorgungssicherheit liegt Österreich im Spitzenfeld Europas. Daran sollte sich auch so rasch nichts ändern: Dem aktuellen Monitoringbericht der E-Control zufolge ist die Stromversorgung in Österreich bis 2040 gesichert.


Auch der Netzausbau nimmt in Österreich an Fahrt auf: Die Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG) will bis 2035 rund neun Milliarden Euro in den Um- und Ausbau des Netzes – rund 1700 Kilometer neue oder ausgebaute Leitungen sowie 71 Umspannwerke – investieren. Laut aktuellem Netzentwicklungsplan stehen unter anderem ein massiver Ausbau im Zentralraum Oberösterreich, die Fertigstellung der Deutschlandleitung sowie große Netzausbaucluster im Osten Österreichs zur Integration erneuerbarer Energien und der Ausbau der 380-kV-Leitung in Kärnten auf dem Programm.


E-Mobilität als Treiber


Dass Energieversorgung und -sicherheit bei Logistikern einen immer größeren Stellenwert einnehmen, kommt nicht von ungefähr: „Ein Grund dafür ist die zunehmende Elektrifizierung der Fuhrparks. Je mehr Unternehmen den Weg in Richtung E-Mobilität beschreiten, desto größer ist die Notwendigkeit einer entsprechenden Stromversorgung“, so Vogt.


Ein anderer Grund ist der steigende Energiebedarf durch die zunehmende Automatisierung in der Logistik. Der Bogen dabei spannt sich vom elektronischen Datenaustausch, der etwa die Kommissionierung erleichtert, über die Übermittlung von Transportaufträgen, Statusmeldungen oder Frachtpapieren bis zum Einsatz von Transport-, Palettier- und Depalettierrobotern. Daneben steigt der Energiebedarf für Heizung, Kühlung oder IT. „Und der Energiebedarf wird weiter zunehmen“, ist Vogt überzeugt.

Von Ursula Rischanek

Die Presse