Die Dekarbonisierung der Wirtschaft und der Energieversorgung rückte zuletzt in den Fokus, ergibt das Klimadiskurs-Monitoring des Kontext-Instituts. Jene, die an großen Hebeln sitzen, würden sich deutlich stärker in die Debatte einbringen.
Die Klimadebatte hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt: Sie wurde vom Nischen- zum Querschnittsthema und wurde zuletzt zwar etwas leiser, dafür aber immer stärker mit wirtschaftlichen Fragen verknüpft, zeigt das neue Klimadiskurs-Monitoring des Kontext-Instituts.
Seit 2023 habe kein Thema im Klimadiskurs so stark an Relevanz gewonnen, wie die Verknüpfung mit Standort- und Wirtschaftspolitik, so die Studie. Wirtschaftsthemen hätten sich in der Klimadebatte verdreifacht. Die Auswertung einer repräsentativen Stichprobe, die vom Forschungsinstitut Foresight codiert wurde, ergab, dass über 60 Prozent der ausgewerteten Aussagen zu Wirtschafts- und Standortpolitik konstruktiv waren, ein kleiner Teil blieb neutral und knapp 35 Prozent zielten auf eine Verschleppung klimapolitischer Maßnahmen ab. Zwar bremste Europa im vergangenen Jahr im Namen der Wettbewerbsfähigkeit klimapolitisch häufig. „Doch im Diskurs war deutlich dominanter, wie viele Jobs die Energiewende schaffen kann und welche Vorteile es bringt, wenn wir unabhängiger von fossilen Brennstoffen werden können“, sagt die Studienautorin Anna Pixer.
Besonders intensiv und konstruktiv entwickelte sich der Diskurs zu Energiethemen, mit über 70 Prozent an konstruktiven Aussagen. Die Notwendigkeit der Energiewende werde mittlerweile von fast allen relevanten Akteuren anerkannt, so das Institut. „Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass wir uns schnellstmöglich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien müssen. Das erfordert einen nationalen Kraftakt – und es erfordert konstruktiven Diskurs, in dem Ökologisierung und Wirtschaftspolitik gemeinsam gedacht werden“, so Kontext-Vorständin Tina Deutsch. Häufig werde die Macht des öffentlichen Diskurses unterschätzt – er könne politische Fenster öffnen. Vor diesem Hintergrund seien die Ergebnisse der neuen Studie, die das Kontext-Institut nun im dritten Jahr in Folge veröffentlicht, sehr ermutigend.
Im Verkehr wird gebremst
Auf der anderen Seite steht ein deutlicher Rückgang in der medialen Berichterstattung. Im vergangenen Jahr wurde in den untersuchten Medien um ein Viertel weniger über Klimapolitik berichtet als noch 2023. Die Zivilgesellschaft kam etwas weniger vor, Unternehmen und die Energiebranche häufiger. „Es ist sehr positiv, wenn jene, bei denen Handlungen nötig sind, um klimaneutral zu werden, stärker in den Diskurs einsteigen. Das ermöglicht einem größeren politischen Spektrum, Antworten zu geben“, so Deutsch. Vor allem in der Diskussion von Energiethemen beteiligten sich Unternehmen laut der Studie konstruktiv. Der Erneuerbaren-Ausbau dominierte den Diskurs.
Stark gebremst wurde hingegen beim Thema Mobilität. Über die Hälfte der Aussagen zu Verkehrsthemen verschleppen klimapolitische Veränderungen. Diese verzögernde Debatte habe sich im vergangenen Jahr noch deutlich verstärkt und polarisiert, so die Studie. Diskutiert werden etwa vermeintlich negative wirtschaftliche Folgen durch einen reduzierten Auto- und Flugverkehr, das europäische Verbrenner-Aus sowie die Verkehrswende generell. „In der Diskussion wird häufig ausgeblendet, dass das Festhalten an veralteten Technologien wie Verbrennungsmotoren das Risiko birgt, dass Europa wirtschaftlich langfristig hinter andere Regionen zurückfällt“, sagt Pixer. Nach wie vor würde im Mobilitätsbereich viel mit Scheinlösungen argumentiert. „Im verschleppenden Diskurs werden Sorgen und Ängste instrumentalisiert und kurzfristige wirtschaftliche Risiken in den Vordergrund gestellt.“
Unternehmen im Fokus
Ebenfalls überdurchschnittlich verschleppend wird das Thema CO2-Bepreisung diskutiert. 2025 dominierte der CO2-Grenzausgleich CBAM die Debatte dazu. In der Argumentation rund um den CO2-Zoll dominierten wirtschaftspolitische Risiken. Die Chancen einer zukunftsorientierten Marktregulierung würden großteils ausgeblendet, heißt es in der Studie. Besonders konstruktiv wurden hingegen Themen wie die Folgen der Klimakrise und Anpassungsmaßnahmen diskutiert.
Am stärksten medial repräsentiert sind österreichische Politikerinnen und Politiker. Von ihnen stammen mehr als ein Viertel aller Aussagen im medialen Klimadiskurs. Die meisten Aussagen stammen von der ÖVP – knapp 50 Prozent der Aussagen waren konstruktiv, fast 40 Prozent verschleppend. Knapp danach kommen die Grünen, die sich fast ausschließlich konstruktiv äußern. SPÖ, Neos und FPÖ kamen deutlich seltener im Klimadiskurs vor.
Die zweitgrößte Gruppe in der öffentlichen Debatte ist die Wissenschaft, sie ist die mit Abstand konstruktivste Gruppe. Unternehmen folgen an dritter Stelle – ihr Gewicht in der Debatte legte im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. „Der Diskurs zeigt, dass anerkannt wird, dass es großen Bedarf an klimapolitischen Maßnahmen gibt und die Bedeutung der Klimapolitik für Unternehmen zulegt“, so Pixer.
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