Ex-OMV-Chef Seele: XRG ist gekommen „um lange zu bleiben“

15. April 2026, Wien
XRG will Borouge zum wertvollsten Konzern Österreichs machen
 - Wien, APA

Der aus Abu Dhabi gesteuerte Investmentfonds XRG verfolgt weitreichende strategische Pläne in Europa. „Wir kommen um lange zu bleiben“, sagte XRG-Chemievorstand Rainer Seele. Ziel sei es, die gemeinsam mit der OMV neu geschaffene Borouge International auf hohe Profitabilität zu trimmen und nach einem Börsengang zum wertvollsten Unternehmen Österreichs zu machen. Dabei orientiere sich das stark wachsende Portfolio konsequent an globalen wirtschaftlichen Megatrends.

„Wir sind ein langfristiger Investor“, sagte der XRG-Manager am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. „Wir kommen nicht, um ein Unternehmen zu optimieren und wieder auszusteigen.“ Die Entscheidung, sich in Österreich zu engagieren, „ist eine langfristige Entscheidung – und da reden wir nicht über Tage, Monate und Jahre, sondern wahrscheinlich Dekaden.“

Das von Seele mit rund 150 Mrd. Dollar (127 Mrd. Euro) bewertete Investmentvehikel XRG bündelt die internationalen Beteiligungen des staatlichen Ölkonzerns und OMV-Kernaktionärs ADNOC, der auch Kernaktionär der OMV ist. Seele betonte, dass reine Bestandsverwaltung für ihn nicht infrage komme: „Ich mag keinen Stillstand, wenn es ums Geschäft geht.“ Vielmehr fokussiere sich XRG auf tiefgreifende Trends wie das rasante Bevölkerungswachstum und die massiven Veränderungen durch Künstliche Intelligenz (KI). KI-Rechenzentren sorgen laut Seele für einen massiv steigenden Energiebedarf und eine „Erdgas-Renaissance“, während das Bevölkerungswachstum den Bedarf an Düngemitteln treibe. Hier mischt XRG über seine mehrheitliche Beteiligung an Fertiglobe, einem der größten Ammoniak-Produzenten der Welt, bereits maßgeblich mit.

„Der Innovationsstandort Europa ist unschlagbar“

Besonders hob der frühere OMV-Chef Seele die Bedeutung des Borouge-Standorts in Österreich hervor: „Ich habe eine besondere Liebe zu Europa und Österreich entwickelt.“ Entgegen der Skepsis vieler Investoren glaube er nämlich fest an die Zukunft des Kontinents, da technologische Führerschaft entscheidend für die Erzielung höherer Margen sei. „Der Innovationsstandort Europa ist unschlagbar“, unterstrich Seele. Diese Innovationskraft, historisch verankert in den österreichischen Wurzeln der Borealis und deren „Borstar“-Technologie, sei der entscheidende Hebel, um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Die Borouge International soll diese Stärken nun weltweit ausspielen und jährliche Synergien von einer halben Milliarde Dollar heben.

Die massiven Energiekosten in Europa bereiten der Industrie Kopfzerbrechen – das Preisniveau sei „vier bis fünf Mal so hoch“ wie in den USA. Seele rechnet in diesem Bereich auch nicht mit einer raschen strukturellen Entspannung. Dennoch zeigte er sich überzeugt, dass Europa bei den Kosten „mit Asien wettbewerbsfähig sein kann“. Der Schlüssel liege in der Produktion hochwertiger Spezialprodukte, für die Kunden entsprechende Preisaufschläge zu zahlen bereit seien.

„Die Wüste ist echt groß“

Zum aktuellen Iran-Krieg und den daraus resultierenden logistischen Blockaden gab sich Seele pragmatisch. Zwar könne derzeit nicht die gesamte in der Golfregion produzierte Menge reibungslos verschifft werden, doch die Produktion laufe weiter. „Die Wüste ist echt groß, wir können viel lagern“, kommentierte der Manager die temporäre Praxis, auf Halde zu produzieren. Langfristig rechnet er fest mit einer diplomatischen Lösung für die Region und einer Normalisierung der Transportwege.

APA