Teures Gas, aber Fracking ist „keine Option“

25. März 2026, Wien

In Deutschland wird wieder über Schiefergasförderung diskutiert. Österreich ist anders.


Der Iran-Krieg und die steigenden Gaspreise angesichts der Zerstörung von Energieanlagen im Persischen Golf lassen wieder Rufe nach unkonventioneller Gasförderung, also Fracking, in Europa laut werden. Deutschlands Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte unmittelbar nach den ersten israelisch-amerikanischen Luftschlägen auf den Iran erklärt: „Wir haben eigene Reserven“ und die Regierung werde die Gasförderung nicht weiter behindern. Ihre Wirtschaftsberater sehen die umstrittene Förderung von Schiefergas als eine mögliche Antwort auf die Iran-Krise.


In Österreich will das Thema Schiefergas derzeit niemand wirklich antasten. Das Finanzministerium, zu dem Bergbau ressortiert, ließ am Montag ausrichten: „Fracking stellt derzeit in Österreich keine Option dar und auch im Regierungsprogramm ist keine Änderung in Bezug auf die Nutzung vorgesehen. Die geopolitisch fragile Lage zeigt, dass mittelfristig vor allem in erneuerbare Energieformen investiert werden muss.“


OMV-Pläne scheiterten 2012


Der letzte ernsthafte Anlauf für Fracking in Österreich stammt aus dem Jahr 2012. Der teilstaatliche Öl- und Gaskonzern OMV wollte damals die im niederösterreichischen Weinviertel vermuteten Schiefergasreserven entwickeln. Geplant war dabei, ein von der Montanuniversität Leoben entwickeltes Verfahren einzusetzen, bei dem – anders als in den USA – nicht Chemikalien, sondern ein Gemisch aus Sand, Keramik, Glaskügelchen, Kalk, Zitronensäure und Maisstärke in den Boden gepumpt werden sollte. Die Probebohrungen scheiterten am Widerstand der Bevölkerung, dann folgte ein gesetzliches Verbot von Fracking – das bis heute gilt.


Entsprechend zurückhaltend ist der Konzern auch heute noch. „Die OMV hat 2012 aufgrund fehlender politischer Unterstützung und mangels adäquater regulatorischer Rahmenbedingungen das damalige Schiefergasprojekt eingestellt“, hieß es am Montag auf Anfrage der SN. Sollte sich das in Zukunft ändern und passende regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen werden, „wird OMV die Situation neu beurteilen“.

Gasproduktion und -reserven gehen zurück


Das wird nicht notwendig sein. 2022, als nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine die Gaspreise nach oben schnellten, forderte die Industriellenvereinigung erneut, Fracking zu überlegen. Passiert ist nichts. Damals hatte OMV-Chef Alfred Stern darauf verwiesen, dass es mehrere Jahre dauern und intensive Investitionen erfordern würde, um an diese Vorkommen heranzukommen. Angesichts des 2040-Klimaneutralitätsziels in Österreich bleiben für die Nutzung nur zehn Jahre.


Mittlerweile hat die OMV in Niederösterreich den größten Erdgasfund seit Jahrzehnten gemeldet. Die Aufnahme der – konventionellen – Gasproduktion aus dem Feld Wittau (Rutzendorf) ist für Mitte dieses Jahres geplant. Die Leitungen zur Gasstation Aderklaa wurden Unternehmensangaben zufolge verlegt und in die Anlage eingebunden. Damit kann nach früheren Angaben die heimische Gasproduktion der OMV um die Hälfte erhöht werden.


Riesige Mengen sind es dennoch nicht, die noch in Österreich schlummern. 2024 wurden hierzulande 536 Mrd. Kubikmeter (m3 ) Erdgas produziert, 90 Prozent davon von der OMV. Damit lassen sich rund 6,3 Prozent des österreichischen Verbrauchs decken. „Summa summarum geht die Produktion in Österreich seit den 70er-Jahren stetig zurück“, sagt Monika Hölzel von Geosphere Austria, die die geologischen Daten sammelt. Das gelte auch für die Reserven. Sollte alles gefördert werden, würden diese noch für elf Jahre reichen. Wie groß die Schiefergasvorkommen sind, darüber gibt es keine aktuellen Zahlen. Das Thema sei „ganz nach hinten gerutscht“. Laut Schätzungen aus 2012 könnte sich Österreich 20 bis 30 Jahre mit Gas versorgen, die Zahlen wurden aber bezweifelt.


Widerstand gegen neue Projekte


Doch auch Projekte ganz ohne Fracking stoßen auf massiven Widerstand. Die österreichisch-australische ADX Energy will in Oberösterreich und Salzburg kleinere Mengen Gas fördern. Im oberösterreichischen Molln nahe dem Nationalpark Kalkalpen wurden Testbohrungen unterbrochen, weil Beschwerden gegen die naturschutzrechtliche Bewilligung nachträglich aufschiebende Wirkung zuerkannt wurde. In Salzburg sind heuer erste Bohrungen geplant.


In Brüssel ist das Interesse an Fracking ebenfalls eingeschlafen. Als Hoffnungsländer für große Schiefergasvorkommen in Europa galten einst Polen, Frankreich und die Ukraine. 2014, als die USA mit Fracking massiv durchgestartet waren und es an vielen Orten durch die eingesetzten Chemikalien zu Problemen etwa beim Grundwasser kam, hat die EU-Kommission die „Schiefergas-Initiative“ ins Leben gerufen. Diese hat Empfehlungen für Mindestsicherheitsvorkehrungen „für die Exploration und Förderung von Kohlenwasserstoffen durch Hochvolumen-Hydrofracking“ ausgearbeitet. In Brüssel winken EU-Kommission beim Thema ab, auch beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs vorige Woche wurde davon nicht gesprochen.

Monika Graf

Salzburger Nachrichten