Aus Laufkraftwerk in Möllbrücke soll ein Pumpspeicherkraftwerk werden. Erstmals könnte so Wasser aus der Drau bis in den Kölnbreinspeicher gepumpt werden.
Der Stromerzeuger Verbund plant, sein bestehendes Kraftwerk „Malta Unterstufe“ auszubauen, wie Pressesprecher Robert Zechner auf Nachfrage bestätigt. Die Anlage gehört zur Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck, der leistungsstärksten Kraftwerksgruppe Österreichs, und wurde in den 1970er-Jahren gemeinsam mit den Kraftwerken „Malta Hauptstufe“ (Rottau, Gemeinde Reißeck) und „Malta Oberstufe“ (im Bereich Kölnbreinspeicher, Gemeinde Malta) errichtet. Daher auch der Name „Malta Unterstufe“, obwohl sich das Kraftwerk in Möllbrücke an der Grenze zu Sachsenburg befindet.
Seit der Inbetriebnahme 1979 wird es als Laufkraftwerk mit einer Leistung von 41 Megawatt betrieben. Dabei wird der rund 40 Meter hohe Höhenunterschied, den das Wasser aus dem von der Möll gespeisten Ausgleichsbecken Rottau über einen Kanal nach Möllbrücke überwindet, mithilfe von Turbinen zur Stromerzeugung genutzt. Anschließend fließt das Wasser in die Drau. Geht es nach dem Verbund, soll daraus ein Pumpspeicherkraftwerk werden. „Der heurige Sommer hat gezeigt, dass aufgrund des starken Photovoltaik-Ausbaus über die Mittagsstunden enorme Sonnenstrom-Überschüsse im Netz sind“, begründet Zechner. Mit einem Pumpspeicherkraftwerk könne diese Energie gespeichert werden. Bei Stromüberschuss könnte erstmals auch Wasser aus der Drau in das Ausgleichsbecken Rottau und von dort über die beiden Pumpen im Kraftwerk Malta Hauptstufe zum Speicher Galgenbichl und weiter bis in den Kölnbreinspeicher gepumpt werden.
„Wir haben in den vergangenen Jahren 200 Millionen Euro in die Effizienzsteigerung der gesamten Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck investiert, um den Anforderungen der Energiewende gerecht zu werden“, sagt Zechner. Im Turbinenbetrieb könne die „größte grüne Batterie Österreichs“ die Leistung von sechs Donaukraftwerken ins Netz speisen. Das sind 1500 Megawatt. „Beim Speichern von überschüssigem Sonnen- oder Windstrom können wir in der Kraftwerksgruppe derzeit rund 1000 Megawatt Leistung aus dem Netz nehmen und speichern. Das entspricht der Stromproduktion von mehreren hundert Windrädern“, so Zechner.
Mit dem Ausbau des Kraftwerks Malta Unterstufe würde sich die Pumpleistung der Kraftwerksgruppe erhöhen. Zechner: „Mit dem Kölnbreinspeicher haben wir sogar die Möglichkeit, überschüssigen Sonnenstrom nicht nur in die jeweiligen Abend- oder Nachtstunden zu verschieben, sondern ihn sogar ins Winterhalbjahr zu verlagern, da er sich über den Sommer hinweg füllt und im Herbst voll aufgeladen ist.“ Die Adaptierung des Kraftwerks Malta Unterstufe könne laut Verbund effizient umgesetzt werden: „Nach derzeitigem Projektstand wären keine Änderungen am Erscheinungsbild des Kraftwerks und seiner Nebenanlagen erforderlich.“ Es bestünden technische Möglichkeiten, die vorhandenen Turbinen zu Pumpturbinen umzubauen. Das Wasser aus der Drau könnte über den bestehenden Ausleitungskanal in das Ausgleichsbecken Rottau gepumpt werden. Zwischen Turbinen- und Pumpbetrieb würde sich lediglich die Fließrichtung ändern. Auch der Stauspiegel im Ausgleichsbecken bliebe unverändert.
Das Kraftwerk Malta Unterstufe liegt nahe einer Wohnsiedlung. Auf die Frage, wie Pumplärm-Probleme, die Anwohner in Kolbnitz jahrelang beschäftigt haben, vermieden werden sollen, heißt es: „Derzeit findet ein UVP-Feststellungsverfahren statt. Das Projekt ist noch in einer sehr frühen Phase und wird ein behördliches Genehmigungsverfahren durchlaufen, bei dem Aspekte wie etwaige Schallemissionen geprüft werden.“ Sobald die Detailplanungen ausgearbeitet sind, werde man das Vorhaben in den Standortgemeinden vorstellen.
Von Camilla Kleinsasser
Kleine Zeitung





