Preise bei Heizöl, Diesel und Gas ziehen stark an

16. September 2026, Wien

Zu den knappen Raffineriekapazitäten kommt jetzt der steigende Ölpreis. Die Chancen, dass sich die Lage in der Krisenregion rasch entspannt, halten Experten für gering.


Der neuerliche starke Anstieg der Ölpreise seit vergangenem Wochenende sorgt für Unruhe. Die Nordseesorte Brent kostete am Montag mehr als 109 Dollar je Fass (159 Liter), vier Prozent mehr als am Vortag, vor allem aber 55 Prozent mehr als vor einem Jahr. Warum Rohöl plötzlich wieder deutlich mehr als 100 Dollar kostet, hat mit der Eskalation der Kämpfe im Nahen Osten an einer anderen Front zu tun: Die jemenitischen Huthi-Rebellen haben die wichtige Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien lahmgelegt, über die bis dato Öl über das Rote Meer exportiert werden konnte, nachdem die Straße von Hormus seit Beginn des Iran-Kriegs blockiert ist.


Laut Agenturmeldungen wurden zwei Pumpstationen bombardiert und schwer beschädigt. „Die Schlüsselfrage ist, wie schnell sich das reparieren lässt“, sagt Energiemarktanalyst Johannes Benigni von JBC Vienna zu den SN. Und ob sich der neu aufgeflammte Brandherd wieder löschen lässt. Andernfalls drohten weitere Angriffe, zudem bliebe die Meerenge von Bab al-Mandab, die die Huthis kontrollieren, für saudische Öltanker gesperrt.

Grund für Nervosität gibt es zu Herbstbeginn jedenfalls ausreichend. Die Verteuerung bei Rohöl könnte die ohnehin schon hohen Preise bei Diesel und Heizöl weiter nach oben treiben. „Der Dieselmarkt ist auf Rekordniveau, weil Kapazitäten fehlen“, betont Benigni – während die Nachfrage saisonal steigt. Die Margen bei Diesel seien höher als bei Rohöl. An heimischen Tankstellen kostet der Liter Diesel am Sonntag im österreichweiten Mittel 2,158 Euro, in Tirol waren es aber schon 2,29 Euro, zeigen Daten der E-Control.


Was aktuell fehlt, ist insbesondere Russland, einer der weltweit größten Dieselexporteure. Die Ausfuhren sind aktuell ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump reagiert diesmal mit Ablenkung und fordert den ukrainischen Präsidenten auf, seine Angriffe auf die russischen Raffinerien einzustellen. Sollte Moskau wieder Exporte erlauben, könnte das die Preise senken, zusammen mit der geringeren Dieselnachfrage im Winter. „Man kann nur hoffen, dass der Markt sich beruhigt“, unterstreicht Benigni. Bei weiter steigenden Rohölpreisen halte er auch drei Euro pro Liter für möglich. Sehr optimistisch ist der Marktbeobachter nicht. „Ich sehe wenig Potenzial nach unten“, die Attacken auf Saudi-Arabien könnten dauern, Europa brauche aber Frieden, denn „wir zahlen den Preis“.


Heizölverbrauch um 25 Prozent unter dem Vorjahr


Zu spüren bekommen das all jene, die noch auf Heizöl angewiesen sind. Viele haben laut Kraftstoff-Fachverband abgewartet, um günstig einzukaufen. Allerdings ist der Preis seit Sommer ständig gestiegen. Aktuell kostet ein Liter Heizöl extraleicht 1,86 Euro, 80 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Verbrauch von Heizöl extraleicht ist in Österreich in den ersten sieben Monaten jedenfalls um ein Viertel zurückgegangen. Ob es mit dem Tausch von Heizungen oder Abwarten zu tun hat, lässt sich nicht feststellen. Wer bis jetzt nicht gekauft habe, müsse auf Frieden bis zum Beginn der Heizsaison hoffen oder sollte versuchen, sich mit Einkäufen in zwei, drei Tranchen „drüberzuretten“, empfiehlt der Obmann des Fachverbands Energiehandel, Jürgen Roth.


Bei Diesel betrug das Minus von Jänner bis Juli zwei Prozent, bei Benzin gab es ein Plus von 2,1 Prozent. Sollte sich der Preisanstieg fortsetzen, verweist Roth auf politische Eingriffsmöglichkeiten wie etwa die Freigabe von Treibstoff- und Heizölreserven oder eine Reduktion der CO2 -Abgabe. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) rief zu spritsparendem Fahrstil und Entlastungen bei Öffi-Tickets auf.

Monika Graf

Salzburger Nachrichten