Frisches Kapital, sauberer Strom

16. September 2026

Kapitalerhöhung, Milliarden-Investitionen – und nun auch die Suche nach einem privaten Geldgeber. Was das Land mit „seinem“ Stromerzeuger vorhat.


Für viele Beobachter kam es durchaus überraschend: Im Februar 2023 gab die damalige schwarz-rote Landesregierung bekannt, dass man um rund 533 Millionen Euro die Anteile (25 Prozent plus 150 Aktien) an der Energie Steiermark zurückkaufen wird. Seither ist das Land Steiermark Alleineigentümer des Energieversorgers. Bereits damals war von einer „temporären“ Maßnahme die Rede, man wolle sich – ohne Zeitdruck – alle Optionen offen halten, vom Weiterverkauf bis hin zum Börsengang.


Landeshauptmann Mario Kunasek und Stellvertreterin Manuela Khom teilten am Montag – gemeinsam mit den Vorständen Martin Graf und Werner Ressi sowie Aufsichtsratschef Karl Rose – mit, dass nun ein Prozess für eine Kapitalerhöhung bei der Energie Steiermark gestartet werde. Wie berichtet, will der Energiekonzern bis zum Jahr 2035 rund 5,8 Milliarden Euro investieren – in die Stromnetze, die Strom- und Wärmeerzeugung sowie in Speicher und Wasserstoffprojekte. Um dieses Volumen stemmen zu können, ist Eigenkapital nötig, das nun via Kapitalerhöhung sichergestellt werden soll. Konkret soll das Kapital um 25 Prozent angehoben und neue Aktien ausgegeben werden. Dafür soll ein Finanzinvestor gefunden werden, der mindestens jene 533 Millionen Euro einbringt, die damals für die Anteile bezahlt wurden. Das Land bleibe überwiegender Mehrheitseigentümer, bestehende Aktien würden nicht zur Sanierung des Landesbudgets verkauft, betont Kunasek. Es sei daher auch kein „Ausverkauf“.


Der Unternehmenswert soll damit größer als 2023 sein, eine zusätzliche Belastung des Landesbudgets erfolge nicht, da sämtliche Erlöse direkt ins Unternehmen fließen sollen, um den Ausbau in volatilen Zeiten zu beschleunigen. „Damit würde das Unternehmen zu einer neuen Größe wachsen und die raschere und umfangreichere Umsetzung des Investitionsprogramms gesichert werden“, so Kunasek, der mit Khom am Montag auch die Landtagsklubs der Opposition über die Pläne informierte. Der Investor müsse gewillt sein, „eine langfristige Partnerschaft einzugehen – mindestens bis zum Ende der Investitionsphase 2035“. Er erwarte sich „vom zukünftigen Investor und von der Energie Steiermark klare Vorteile für die Kunden bei der Preispolitik“. Davon sollen „die steirische Wirtschaft, die heimische Industrie, der Arbeitsmarkt, vor allem aber die Kunden profitieren“, so der Landeshauptmann. Es brauche „mehr erneuerbare Energie, mehr Netze und mehr Speicherkapazitäten, wenn wir unsere Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen sichern wollen“, sagt Khom.


„Vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen müssen wir die Importabhängigkeit von Energie noch rascher reduzieren, um die heimische Wirtschaft vor Versorgungsengpässen und steigenden Preisen zu schützen“, betonten Graf und Ressi. Das Bekenntnis des Eigentümers zur Kapitalerhöhung unter geeigneten Rahmenbedingungen stärke das Unternehmen.


Bis Ende des Jahres sollen die Strukturierung des Prozesses sowie die Auswahl begleitender Berater durch die Energie Steiermark erfolgen. Dann sollen mögliche Partner geprüft werden und Verhandlungen starten. Ein Abschluss des Prozesses werde im dritten Quartal 2027 angestrebt. Management und Aufsichtsrat zeigen sich mit Blick auf jüngste Transaktionen in europäischen Ländern zuversichtlich, einen geeigneten Partner zu finden. Zur Erinnerung: Bis 2023 war die australische FondsgesellschaftMacquariean der Energie Steiermark beteiligt, davor bis 2015 der Energieriese „Électricité de France“ (EDF). Ein Investor aus der Energiebranche wird nicht gesucht, sondern wieder ein Finanzinvestor, der bis mindestens 2035 an Bord bleibt. Mögliche Auswirkungen auf die Vorstands- oder Aufsichtsratsbesetzung oder auch die künftige Dividendenhöhe lassen sich noch nicht abschätzen, wird betont.

Von Manfred Neuper

Kleine Zeitung